Politik

Kriegsopfer für die Demokratie

Sandra Renggli macht sich in ihrem aktuellen Standpunkt Gedanken zum aktuellen Kriegsgeschehen und findet, dass sich Europa sicherheitstechnisch nicht an Amerika anlehnen sollte.

Kriegsopfer für die Demokratie

Mit der zunehmenden Demoralisierung unserer Gesellschaft, deren Ursprung ich in unserem auf stetiges Wachstum getrimmten Finanzsystem sehe, sind Werte wie Vertrauen, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit zu seltenen Tugenden geworden.

Wir wurden zum stetigen Konsum und einem nie dagewesenen Egoismus erzogen, was wiederum die Bildung einer gewissen Resilienz verhinderte, um sachlich mit dem heutigen Geschehen umgehen zu können.

Sogar von den christlichen Landeskirchen wenden sich die Menschen scharenweise ab, sodass nicht einmal mehr die christlichen Werte Einhalt gebieten können.

Es scheint, als hätte die nächste Generation nichts aus den historischen Abgründen gelernt.

Dabei spielt die Kommunikation eine entscheidende Rolle, wie sich in dem unnötigen, unsäglichen und wahnsinnigen Kriegsgeschehen in der Ukraine in absolut brutaler Weise offenbart. Die angewendete Rhetorik, Zensur und Propaganda aller Beteiligten – besonders auf Social Media – gipfelt in einer tragischen Kriegstaktik mit verheerenden und unterschätzten Folgen.

Gezielt und psychologisch geschickt wird der Mainstream gesteuert und für einheitliche Wahrnehmungen fast ganzer Kontinente gesorgt. Jegliches Hinterfragen, Kritik, Zurückhaltung und auch Weitblick werden im Keim mit erheblichem Druck, Denunzierung und Ächtung erstickt. Es scheint, als hätte die nächste Generation nichts aus den historischen Abgründen gelernt.

Wer kennt denn die Wahrheiten, warum und wie es so weit kommen konnte, wer welche Einflüsse nutzt, wer welche Ansprüche hegt und wer wovon profitieren will?

Der Eintritt in einen dritten Weltkrieg hat digital, wirtschaftlich sowie finanztechnisch längst begonnen.

Manipulationen, Lügen, Vertuschungen, Polemik und viele Fake News machen es schier unmöglich, in dem einzigartigen globalen Geflecht den Durchblick zu behalten, um erahnen zu können, in welcher Dimension dieser Krieg schon angekommen ist.

Der Eintritt in einen dritten Weltkrieg hat digital, wirtschaftlich sowie finanztechnisch längst begonnen und die Auswirkungen sind nicht mehr aufzuhalten.

In 23 Jahren haben die drei Präsidenten Clinton, Bush und Obama neun Invasionen befohlen mit elf Millionen zivilen Opfern. Wo blieb da der Aufschrei wegen Kriegsverbrechen?

Für die USA geht es um die Ankurbelung der eigenen Rüstungsindustrie, hohe Preise für ihr Fracking-Gas und Öl, den Erhalt des (Petro-)Dollars als Weltreservewährung und die Weltvorherrschaft, die sie nicht abgeben wollen.

Europa soll endlich eigenständig Versäumnisse nachholen und sich selbstbewusster und geeinter präsentieren.

Den Zugang zu erheblichen, heiss begehrten Rohstoffen auf russischem und ukrainischem Boden haben einen erheblichen Anteil an der Motivation einer Kriegseskalation. Oder warum wurden nicht alle Flüchtlinge so vorbildlich behandelt, zum Beispiel aus Syrien oder diejenigen, die übers Mittelmeer gelangen? Und warum werden nicht alle Staaten bei territorialen Auseinandersetzungen dermassen unterstützt wie die Ukraine?

Europa darf sich nicht sicherheitstechnisch an Amerika anlehnen und den Beschützerabsichten Glauben schenken. Europa soll endlich eigenständig Versäumnisse nachholen und sich selbstbewusster und geeinter präsentieren. Die Legitimation, Waffen zu liefern und damit noch mehr Leid und Tod zu verursachen, holt sich die Nato heuchlerisch im Namen der Demokratie.

Gerade demokratische Werte halten Diplomatie, den Dialog, den Austausch, das Zulassen von Meinungsfreiheit und die politischen Lösungen als Grundwerte hoch. Haben nicht eben diese im langjährigen europäischen Ostkonflikt versagt und letztendlich zu diesem scheusslichen Krieg geführt, dessen Ausmass und Ende leider nicht absehbar und die Eskalation kaum noch zu verhindern ist?

(Sandra Renggli)
 

Sandra Renggli wohnt in der Seemerrüti in Kollbrunn, ist verheiratet und Mutter von vier erwachsenen Kindern. Sie ist Angestellte für Kommunikation und juristische Korrespondenz. Ausserdem ist sie eidgenössisch zertifizierte Ausbildnerin in Erster Hilfe.

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