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Politik

Angeeignet

Marcel Niederer macht sich in seinem Standpunkt Gedanken zur kulturellen Aneignung. Und er fragt, wer oder was die selbsternannten Sittenwächter der Cancel Culture legitimiert.

Ich gebe es zu: Ich habe Spaghetti mit Tomatensauce und Parmesan gegessen. Und es war fein. Aber ich habe mir fremdes Kulturgut angeeignet. Das Gericht stammt aus Italien.

Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich mich, um politisch korrekt zu sein, dafür entschuldigen muss. Ich weiss auch nicht genau, bei wem.

Zum Glück mache ich mir im Alltag darüber keine Sorgen. Ich trage weder Dreadlocks noch singe ich für Fridays for Future, wie die deutsche Sängerin Ronja Maltzahn. Kurzfristig wurde sie für ein Konzert ausgeladen, weil sie als weisse Person sich mit ihrer Frisur ein Symbol der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA angeeignet habe.

Dieser Gesinnungsterror verhindert jeden kulturellen Austausch.

Wie woke , das heisst, wie wach oder aufmerksam, müssen wir sein, um jede kulturelle Aneignung zu erkennen? Und müssen wir sie, sofern entdeckt, auch vermeiden? Dieser Gesinnungsterror verhindert jeden kulturellen Austausch. Und damit unterbindet er auch die Möglichkeit, andere Kulturen kennen, achten und schätzen zu lernen.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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