Die Primarschule Dübendorf will die Schulassistenzen massiv ausbauen, andere Gemeinden im Kanton Zürich verfolgen das gleiche Ziel. Ist die Idee der integrativen Förderung – und damit die Schulreform – gescheitert?
Susanne Hänni: Nein, die Situation wäre kaum anders, wenn wir noch Sonder- und Kleinklassen hätten. Diese waren in erster Linie in der Mittelstufe ein Thema. Die verschiedenen Herausforderungen, mit denen wir heute konfrontiert sind, betreffen zunächst die jüngeren Kinder.
Welche Probleme gibt es?
Am wesentlichsten ist sicher, dass die Kindergartenkinder viel jünger sind, weil das Eintrittsalter durch die Harmonisierung des Schulsystems in der Schweiz kontinuierlich gesenkt wurde. Auf dieser Entwicklungsstufe existieren grosse Unterschiede zwischen den Kindern. Es gibt solche, die beim Kindergartenstart schon lesen und schreiben können. Andere schaffen es nicht, wenige Minuten im Kreis zu sitzen oder tragen noch Windeln. Insgesamt ist die Heterogenität in den Klassen viel grösser geworden.
Die SVP sieht das Hauptproblem in der «masslosen Einwanderungspolitik», wie sie an der Gemeinderatssitzung vom Februar sagte. Ihre Meinung dazu?
Das ist ein Thema, auf das wir auf lokaler Ebene keinen Einfluss haben. Für uns als Schule ist es müssig, darüber zu diskutieren. Gleichzeitig können und wollen wir als Schule nicht sagen, dass es uns nichts angeht, wenn wir wie jetzt wegen des Krieges in der Ukraine mehr Zuwanderung verzeichnen. Wir haben in Dübendorf zwar einen relativ hohen Anteil fremdsprachiger Kinder, aktuell sprechen 53 Prozent der Kinder, die in den Kindergarten eintreten, zu Hause eine andere Sprache als Deutsch. Diese Zahl hat sich in den letzten zwanzig Jahren jedoch kaum verändert.
« Insgesamt existiert da und dort sicher noch ein wenig Optimierungsbedarf, irgendwann ist das Potenzial aber ausgeschöpft. »
Die frühe Sprachförderung wäre doch ein Punkt, bei dem man ansetzen könnte.
Es wird schon vieles gemacht. Im Rahmen des Projekts Bildungslandschaft wurde etwa eine geleitete Chrabbelgruppe ins Leben gerufen, wenig Verdienende erhalten Subventionen für den Besuch ihrer Kinder in der Spielgruppe. Und es gibt Brückenbauerinnen – zumeist gut integrierte Mütter mit Migrationshintergrund –, die ausländischen Eltern zur Seite stehen und sie zum Beispiel zur Teilnahme an Sprachkursen motivieren. Im Kindergarten haben wir einmal pro Woche einen obligatorischen Deutschkurs für fremdsprachige Kinder und ihre Eltern, der gut besucht ist. Insgesamt existiert da und dort sicher noch ein wenig Optimierungsbedarf, irgendwann ist das Potenzial aber ausgeschöpft.

