Das grüne Panaschier-Königreich
Trotz einer Stimmbeteiligung von weit unter 25 Prozent ist Dübendorf nach wie vor eine Demokratie. Und dennoch: Das Wahlwochenende hat auch eine waschechte Monarchin hervorgebracht.
Sie heisst Flavia Sutter, wurde als Gemeinderätin der Grünen wiedergewählt – und hat am meisten Stimmen von anderen Parteilisten erhalten, womit sie den Titel «Panaschierkönigin» verdient. Und das nicht zum ersten Mal. Denn bereits 2018 bekam Sutter die meisten Panaschierstimmen, damals sogar noch einige mehr als die 326 von diesem Wochenende.
Während vor vier Jahren Theo Zobrist (SP) mit dem Schwung seiner gleichzeitigen Stadtrats- und Stadtpräsidiumskandidatur die zweitmeisten Stimmen erhielt, wird heuer Oliver Kellner (Grüne) mit 250 Fremdstimmen zum Vizekönig gekürt. Und auch die Plätze drei und vier gehen an die Grünen: Nina Vöhringer, die auch in die Primarschulpflege gewählt wurde, erhielt 226 Stimmen, und Julian Croci deren 212.
SP-Wähler panaschieren am grünsten
Der Eindruck täuscht nicht: Die Grünen sind die Partei, die anteilmässig am meisten Fremdstimmen erhielt. Ein grünes Panaschier-Königreich also, das mit Abstand am meisten Unterstützung von SP-Wählern erhielt.
Womöglich tragen die Unterstützer der Sozialdemokraten also den (zumindest unterbewussten) Wunsch in sich, ihre Partei möge ein wenig grüner werden. Oder es handelt sich um eine Anerkennung des sozialen Engagements von Sutter und Co. Vielleicht konnten sich die Wählerinnen und Wähler auch einfach nicht entscheiden; soll es ja geben.
Auf der anderen Seite der Skala liegt die SVP, die im Verhältnis zu ihrer Wählerstärke kaum Panaschierstimmen verzeichnen konnte und noch am ehesten aus den Reihen der FDP Unterstützung erhielt.
Der weiteste Sprung nach vorne
Der Titel «Königin der Herzen» geht dieses Jahr an Tanja Boesch (EVP), die auch in der kommenden Legislatur als alleinige Vertreterin ihrer Partei im Gemeinderat sitzen wird. Von den 413 Stimmen, die sie insgesamt bekam, sind fast die Hälfte Fremdstimmen. So breit unterstützt wurde sonst niemand.
Was bleibt, ist eine sportliche Würdigung der Wahl, respektive die Frage, wer auf den Listen den weitesten Sprung nach vorne geschafft hat. Vor vier Jahren war das Cornelia Schwarz-Nigg (SVP), die es von Rang 21 auf 10 schaffte.
Auch dieses Jahr machte wieder jemand aus der SVP das Rennen, wobei die Partei natürlich prädestiniert ist für solche Glanzleistungen, da sie neben der GLP/GEU als einzige mit einer vollen Liste mit 40 Namen angetreten war.
Und der Gewinner ist: Christian Seeger. Der Architekt machte einen Riesensatz von Platz 30 auf 16. Das reichte zwar nicht für einen Einzug in den Gemeinderat, ist aber trotzdem eine Würdigung wert. Bravo!
