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So soll Illnau-Effretikon in Zukunft gebaut werden

Nächsten Donnerstag behandelt das Stadtparlament Illnau-Effretikon die über Jahre gezimmerte Gesamtrevision der Bau- und Zonenordnung. Ein Scheitern ist verboten, die Vorlage ist «too big to fail».

Mit der neuen BZO soll sich Illnau-Effretikon städtebaulich weiterentwickeln können.

Archivfoto

So soll Illnau-Effretikon in Zukunft gebaut werden

Am vergangenen Sonntag hat die Stimmbevölkerung ein neues Parlament gewählt. Das heisst auch: Der Wahlkampf ist beendet und der Kopf wieder frei für die Gegenwart. Oder, konkreter formuliert, für das wichtigste Geschäft der laufenden Legislatur: die Gesamtrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO).

Bis 2030 rechnet man in Illnau-Effretikon mit einem Bevölkerungszuwachs von knapp 2'000 auf 19'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Es ist deshalb unablässig, die Rahmenbedingungen für das Wachstum der Stadt im nächsten Jahrzehnt festzusetzen.

Die Stimmungslage

Die Konfliktlust bei den grössten Fraktionen hält sich dabei in Grenzen. Stattdessen wird die Dringlichkeit betont, die Sache nun endlich zu besiegeln.

«Dieses Geschäft hat sich mittlerweile über allzu viele Jahre hingezogen. Jahre, in denen für die Bürgerinnen und Bürger die Rechtssicherheit hinsichtlich ihrer Bauvorhaben gelitten hat. Wir wollen Bauvorhaben ermöglichen und nicht verhindern. Deshalb müssen wir diese BZO jetzt unbedingt zu einem guten Abschluss bringen», sagt FDP-Fraktionschef Stefan Eichenberger.

Der Agasuler Roman Nüssli, der für die SVP in der Geschäftsprüfungskommission Einsitz nimmt, pflichtet dem bei. «Es ist zwar ärgerlich, dass wir die Weilerkernzonen nicht miteinbeziehen können. Aber es ist gut, dass es nun endlich vorwärts geht.»




«Die BZO darf unter keinen Umständen wegen einzelner Punkte scheitern, jetzt ist Zeit, die Realpolitik in den Vordergrund zu stellen.»

Maxim Morskoi, SP


Auch im linken Spektrum klingt es ähnlich. «An dieser Vorlage waren so viele Parteien beteiligt, dass sie nun alle Interessen berücksichtigt und entsprechend ausgewogen ist. Ein weiteres Referendum gilt es deshalb um jeden Preis zu vermeiden», sagt SP-Parlamentarier Maxim Morskoi.

Seine Partei wolle alles daransetzen, die entsprechende Vorlage durchzubringen und Kompromisse einzugehen: «Die BZO darf unter keinen Umständen wegen einzelner Punkte scheitern, jetzt ist Zeit, die Realpolitik in den Vordergrund zu stellen.»

Der Vorspann

Tatsächlich ist das nun vorliegende 28-seitige Werk einen weiten Weg gekommen. Einen sehr weiten sogar. Schon früh, 2018, hatte das Projekt einen ersten Dämpfer erlitten, als eine Mitte-Links-Koalition das Behördenreferendum gegen dessen Basis, den kommunalen Richtplan, ergriffen hatte.

Im Zuge der öffentlichen Auflage des BZO-Entwurfs, den die eingesetzte Ortsplanungskommission danach ausgearbeitet hatte, trafen 119 Einzelanliegen ein. Später folgten zwei kantonale Vorprüfungsberichte mit insgesamt 158 Änderungsanträgen.

Wegen teils erheblichen Auflagen seitens des Kantons mussten überdies Teilrevisionen ausgegliedert werden. So wurden die Bestimmungen für die Mehrwertabgabe und den Lärmschutz bei Arealüberbauungen bereits im Februar 2021 festgesetzt. Die Einzonung des Gebiets «Müsli» und die Einführung der Weilerkernzonen mussten dagegen zurückgestellt werden.

Die Stossrichtung

Allein diese Paramater zeigen, welche Dimensionen diese Vorlage hat. Und dementsprechend wegweisend sind die inhaltlichen Änderungen. Dem Zeitgeist entsprechend soll in den Zentren dichter gebaut werden können. Hierzu werden in Effretikon und Illnau mehrere Gebiete aufgezont. Im Effretiker Zentrum rund um den Bahnhof sollen Hochhäuser von über 25 Meter möglich sein, eines ist bereits in Planung.

Weiter ist vorgesehen, im Zentrum einen Erdgeschossbonus einzuführen, der es ermöglicht, im Parterre höher zu bauen. Der Gedanke dahinter ist, dass dadurch eine publikumsintensive Nutzung, etwa durch Cafés, Restaurants oder Läden, gefördert wird.

Hinzu kommen eine partielle Einzonung des Gebiets Riet in die Industriezone, Massnahmen zur Erleichterung von Arealüberbauungen und die im Zuge der Gemeindefusion notwendig gewordene Zusammenführung der Bau- und Zonenordnungen von Illnau-Effretikon und Kyburg.

Die letzten Meinungsverschiedenheiten

Nimmt man den Bericht der Geschäftsprüfungskommission als Messlatte, so finden sich fünf Punkte, die in der Parlamentsdebatte für Diskussionsstoff führen könnten. So möchte eine Mehrheit des Gremiums die Dachflächenfenster in der Kernzone von 0,75 auf einen Quadratmeter erhöhen und bei Zweckmässigkeit eine Parkplatzbegrünung vorschreiben.

Minderheitsanträge gibt es dagegen für eine Grünflächenziffer von 40 Prozent in den Wohnzonen und die Aufhebung der Verkaufsflächenbegrenzung in den Industriegebieten Mülau (Sennhof), Oberkempttal und Neumüli. Letztere würde es erlauben, in jenen peripheren Gebieten auch grössere Detailhändler anzusiedeln.

Das vielleicht heisseste Eisen dürfte der Minderheitsantrag zu den Parkplätzen sein. Dieser verlangt gegenüber der aktuellen BZO einen leicht höheren Bedarf für Parkplätze von Bewohnern, Besuchern und Kunden. Das heisst, dass bei Neubauten mehr Abstellplätze erstellt werden müssten. Umgekehrt soll, je nach Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr, stärker von diesen Vorgaben abgewichen werden dürfen.

Die Prognose

Obschon der Wille, das Geschäft endlich abzuschliessen gross ist, dürfte das Parlament die BZO nicht gänzlich reibungsfrei durchgehen lassen. Die Bürgerlichen lassen jedenfalls in corpore durchblicken, dass die Grünflächenziffer für sie ein «No-Go» bleibt, die SVP deutet überdies an, dass sie in der Parkplatzfrage noch etwas rausholen möchte.

Dennoch ist man sich vor allem in einem Punkt einig: Die Zukunft von Illnau-Effretikon soll nun endlich gebaut und nicht mehr verbaut werden.

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