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Sieg mit grossem Schönheitsfehler

Die SP hat es nach 24 Jahren wieder in den Dübendorfer Stadtrat geschafft. Doch ob nun Links- oder Rechtsrutsch: In der viertgrössten Stadt des Kantons werden 50 Prozent der Bevölkerung von der Regierung nicht repräsentiert, die Frauen.

Neue Zusammensetzung im Dübendorfer Stadthaus.

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Sieg mit grossem Schönheitsfehler

«Die SP verpasst den Einzug in den Stadtrat!» – das wurde in den letzten 24 Jahren schon fast zum Running Gag in der Dübendorfer Politik. Und dies, obwohl bereits Parteigrössen wie Peter Anderegg oder Andrea Kennel angetreten waren und die Sozialdemokraten vom Wähleranteil her eigentlich längst einen Vertreter oder eine Vertreterin in der Regierung haben müssten.

Doch nun hat es also einer geschafft, den bürgerlichen Block zu knacken: Ivo Hasler, ein politischer Neuling sozusagen, erst 2018 in den Gemeinderat gewählt, wo er sich vor allem bei den Themen Städtebau, Bildung und günstiger Wohnraum stark machte.

Corona eher als Bremse

Da Hasler aktuell der Präsident des Gemeinderats ist, waren die Voraussetzungen nicht schlecht – allerdings nur auf dem Papier. Denn wegen Corona fielen viele repräsentativen und öffentlichkeitswirksamen Aufgaben weg, die normalerweise in der Agenda eines temporär höchsten Dübendorfers stehen. Kommt dazu, dass man als Ratspräsident politisch ein Jahr lang mehr oder weniger kaltgestellt ist.

War Hasler damit einfach der richtige Mann zur richtigen Zeit? Hat sich der urbane Teil Dübendorfs bei dieser Wahl nun doch mal zu Wort gemeldet? Oder lag es an der Schwäche der SVP und ihres Kandidaten Daniel Griesser, der die Wahl deutlich verpasste, weswegen die wählerstärkste Partei nun lediglich noch ein Mandat in der Regierung hat?

Die FDP jedenfalls schaffte es mit Adrian Ineichen spielend, den Sitz des nicht mehr angetretenen Jürgen Besmer zu verteidigen.

Der Linksrutsch ist da

Fakt ist: Es kommt zu einem Linksrutsch in der Exekutive der «letzten rechten Stadt», wie der «Beobachter» Dübendorf kürzlich bezeichnete. Einer rechten Stadt mit einer ziemlich linken Tempo-30-Zone mitten im Zentrum notabene. Und einer SVP, die sich gerne und lautstark über die (linke) Politik des Stadtrats aufregt.

Es ist eingetreten, was die Linke vor der Wahl immer wieder als Schlüssel für eine gute Regierung bezeichnet hat: Die Exekutive bildet – mit Ausnahme der Grünen – das ganze politische Spektrum der Stadt ab.

Ob diese Konstellation allein geholfen hätte, das Sozialhilfe-Debakel abzuwenden, welches die SVP ganz sicher einiges an Stimmen gekostet hat? Man weiss es nicht. In einer Regierung sitzen Menschen, keine Parteien.

Frauen fehlen

Ohnehin mutet es befremdlich an, über eine mögliche Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse in einer Exekutive zu diskutieren, wenn die gewählte Regierung die Hälfte der Bevölkerung gar nicht repräsentiert: die Frauen.

Zwar ist Susanne Hänni (GLP/GEU) als Bildungsvorsteherin gesetzt, doch das ist sie als Primarschulpräsidentin von Amtes wegen. Direkt in den Stadtrat gewählt wurde am Sonntag keine Frau – weil es die Dübendorfer Parteien nicht geschafft haben, zumindest eine geeignete Kandidatin aufzustellen.

SVP-Kandidat Daniel Griesser hatte zu dem Thema an einem Wahlpodium in der Männerrunde gewitzelt, dass es für die Kandidaten jetzt zu spät sei, ihr Geschlecht operativ zu ändern. Das mag stimmen. Aber jetzt ist für die Dübendorfer Parteien der Zeitpunkt gekommen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass in vier Jahren 50 Prozent der Bevölkerung nicht einfach nur mitgemeint, sondern auch mitgewählt sind.

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