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Illnau-Effretikon sucht Halt in der Mitte

Die Wählerinnen und Wähler von Illnau-Effretikon haben wenig Lust auf Experimente. Sie stärken die Mitte und lassen die Pole antauen.

Die Bevölkerung von Illnau-Effretikon hält an Bewährtem fest.

Archivfoto: Simon Grässle

Illnau-Effretikon sucht Halt in der Mitte

Es mag etwas pathetisch klingen, doch von der Hand zu weisen ist es nicht: Wir leben gegenwärtig in einer Welt, in der nur sicher ist, dass wenig sicher ist. Die Klimaerwärmung, die Pandemie, der Krieg in der Ukraine – die Gefahren bedrängen uns von allen Seiten. Sie sind inzwischen so nah, dass wir sie leibhaftig spüren.

Die Politik von Illnau-Effretikon mag damit auf den ersten Blick wenig zu tun haben, doch entziehen kann sie sich der Grosswetterlage nicht. Im Gegenteil: Das Grosse spiegelt sich im Kleinen.

Das Ergebnis dieses Wahlsonntags zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger derzeit wenig Lust auf Experimente verspüren. Es gibt keinen Rutsch. Nur ein Festhalten an der Mitte.

Zweiter Wahlgang fürs Präsidium

Von den vier Stadträten, die zur Wiederwahl angetreten sind, sind allesamt mit starken Resultaten wiedergewählt worden. Im Rennen um das Stadtpräsidium haben die Wählerinnen und Wählern in der ersten Runde dem SP-Stadtrat Samuel Wüst den Vorzug vor seinem Gremiums-Kollegen Marco Nuzzi von der FDP gegeben – obschon letzter bei den Stadtratswahlen sogar mehr Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Entscheiden wird ein zweiter Wahlgang. Doch das Votum für den erfahrenen Wüst kann man auch als Votum für die Arbeit von dessen Vorgänger und Parteikollegen Ueli Müller verstehen. Das Stadtpräsidium ist seit der Einführung des parlamentarischen Betriebs in linker Hand – das will man offenbar bewahren.

Die Zugezogene mit dem Bildungsfokus

Das vielleicht deutlichste Zeichen für den Pragmatismus ist paradoxerweise in der Wahl von Rosmarie Quadranti zu erkennen. Die 64-Jährige, die erst kürzlich ins Stadtgebiet gezogen ist, bringt als langjährige BDP-Nationalrätin zwar einen grossen Namen mit. Die Stimmbevölkerung dürfte aber hinsichtlich der Vakanz des Bildungsressorts, das Erika Klossner (FDP) nach 20 Jahren abgeben wird, vor allem an Quadrantis 18 Jahre als Schulpräsidentin in Volketswil gedacht haben.

Diese Tendenzen in Richtung Sicherheit lassen sich auch im Parlament erkennen. Die Verhältnisse ändern sich hier kaum, einzig an den beiden politischen Rändern, bei der SVP und der SP, ging je ein Sitz an die Mitte und die Grünliberalen verloren. Von einem Umbruch oder einer Absage an die Pole kann nicht die Rede sein.

Abrieb an den Polen

Dennoch gehen die beiden wählerstärksten Parteien als Verliererinnen aus diesem Sonntag. Die SP kann ihren verlorenen Stadtratssitz allenfalls noch mit der Konstellation und einer leichten Übervertretung erklären. Die Zahlen selbst lassen allerdings wenig Interpretationsspielraum.

Die SVP hat mit ihren beiden Stadtratskandidaten dagegen richtiggehend Schiffbruch erlitten. Insbesondere angesichts des schlechten Abschneidens ihres Stadtpräsidentschaftskandidaten René Truninger muss sie sich fragen, ob sie auf die richtigen Pferde gesetzt hat.

Aber als nach wie vor stärkste Fraktion im Parlament muss die SVP vier weitere Jahre ohne Regierungsbeteiligung auskommen – diese Pille ist schwer zu schlucken. Und eine Rückkehr in den Stadtrat dürfte in Zukunft kaum einfacher werden.

Die SVP hat im Wahlkampf zurecht auf ihre ausserparlamentarischen Erfolge, die beiden Urnengänge zum Dorfplatz in Illnau und zur Girhaldenpassarrelle, verwiesen. Dem Souverän scheint die SVP als Stachel im Fleisch des Politbetriebs offenbar willkommen. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Auch hier hält sie am Bewährten fest.

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