GLP gewinnt, SVP verliert – und die Skeptiker überraschen
Die GLP/GEU geht aus den Parlamentswahlen als Siegerin hervor: Die Partei gewann zu ihren sechs Sitzen zwei weitere dazu – und ist nun wieder die zweitstärkste Kraft im Dübendorfer Gemeinderat. Neben den Bisherigen werden künftig Nicole Zweifel, Christian Meyer und Rico Eberle im Rat politisieren.
«Sensationell!», findet der grünliberale Gemeinderat Thomas Maier das Resultat. Der Sieg sei einerseits sicher der politischen Grosswetterlage zu verdanken; die GLP sei nicht nur in Dübendorf in der Wählergunst gestiegen.
Auf der anderen Seite habe sich seine Partei in der Vergangenheit als «sachliche, konsensorientierte Kraft» zwischen den Polparteien etabliert. Und das sei wohl nicht unbemerkt geblieben.
Doch nicht nur die Mitte werde jetzt gestärkt, so Maier. Ökologische Anliegen und die Familienpolitik bekämen ebenfalls mehr Gewicht. «Auch wenn wir für Mehrheiten weiterhin werden kämpfen müssen.» Letztlich passe die lokale Politik jetzt mehr zu der dynamischen, modernen Stadt, die Dübendorf eigentlich sei. Maier: «Das bringt uns weiter.»
Wurde die SVP abgestraft?
Zerknirscht gibt sich Patrick Walder, Gemeinderat und Präsident der SVP: «Es ist nicht so gelaufen, wie erhofft», räumt er ein. Die Frage steht im Raum: Wurde die Partei abgestraft wegen dem Skandal um die Dübendorfer Sozialhilfe, für den ein externer Bericht SVP-Stadträtin Jacqueline Hofer mitverantwortlich machte?
«Das glaube ich nicht, und es wäre eine zu einfache Erklärung», so Walder. Auch am Wahlkampf habe es kaum gelegen, zumal man in den letzten vier Jahren in der Dübendorfer Politik stark präsent gewesen sei.
Im Moment herrschten für die SVP bei Wahlen schwierige Voraussetzungen. «Und zumindest einen Sitz haben wir wohl an Aufrecht Dübendorf verloren.» Insgesamt werde der Gemeinderat in sozialpolitischen Belangen sicher linker, bilanziert Walder den Wahlsonntag. «Wir werden aber alles daran setzen, damit sich in finanzpolitischer Hinsicht nichts ändert.»
Neu in den Gemeinderat geschafft haben es von der SVP-Liste Christian Ingold, der Sohn von Stadtpräsident André Ingold und Daniel Griesser – was für ihn ein kleiner Trost für den verpassten Einzug in den Stadtrat sein mag. Die Bisherigen Tanja Lips, Christoph Lutz und Daniel Egli scheiden aus. Mit zehn Sitzen ist die SVP immer noch die stärkste Kraft im Rat.
Vöhringer überholt Croci
Die SP hält ihre sieben Sitze. Neben den Bisherigen ziehen neu Leandra Columberg, Marcela Caballero Crousillat und Christian Gross in den Gemeinderat ein. Die Mitte verliert einen Sitz und hat jetzt noch fünf Mandate, von den Bisherigen wurde Benedikt Stockmann nicht wiedergewählt.
Die FDP wiederum hat nach einem Sitzgewinn nun fünf Vertreter im Rat. Neben den Bisherigen sind das Roger Gallati und Rafa Tajouri. Nicolas Facincani wäre ebenfalls gewählt gewesen, schaffte allerdings auch den Einzug in die Primarschulpflege, wo er nun die nächsten vier Jahre wirken wird.
Die Grünen behalten ihre drei Mandate, wobei der Bisherige Julian Croci auf Platz vier eigentlich das Nachsehen gehabt hätte. Weil die neu gewählte Nina Vöhringer aber ebenfalls in die Schulpflege wechselt, wird die Partei die nächsten vier Jahre mit dem bisherigen Trio im Rat vertreten sein.
Während die EVP ihren einen Sitz behält, scheidet die EDU, die Junior-Partnerin der SVP, aus dem Gemeinderat aus.
Aufrecht wollte mehr
Eine kleine Sensation schafft Aufrecht Dübendorf, der lokale, politische Arm von Impfgegnern und Massnahmenkritikern. Bei den Wahlen im Februar in Zürich hatten die Corona-Skeptiker als «Freie Liste» Schiffbruch erlitten. Und selbst im konservativen Kanton Nidwalden erlitt Aufrecht Schweiz vor zwei Wochen eine herbe Niederlage. Doch in Dübendorf schafft die selbsternannte Bürgerbewegung mit einem Mandat den Sprung in die Legislative.
Präsident und Bald-Parlamentarier Patrick Jetzer ist trotzdem «verwundert», wie er sagt. «Ich hätte mit drei oder vier Sitzen gerechnet.» Denn er sei davon ausgegangen, dass in den letzten zwei Jahren mehr Leute mit der Politik nicht einverstanden gewesen seien.
«Jetzt freue ich mich auf die Chance, die etablierte Politik zu hinterfragen.» Es gebe da einige Punkte, die er klären wolle, etwa zum Sozialhilfeskandal oder zur IT-Beschaffung. Wie gross sein Einfluss in den nächsten vier Jahren sein wird? «Das hängt auch davon ab, ob wir mit einer anderen Partei eine Fraktion bilden können.» Wenn Offenheit bei den anderen Parlamentariern besteht, lasse sich einiges bewegen.
