Aus Oberländer Feldern sollen nicht Feuchtgebiete werden
«Unser Ziel ist die ökologische Aufwertung dieses Gebiets», meinte Fabio Fässler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der kantonalen Fachstelle Naturschutz vor kurzem. Aus der knapp 18’000 Quadratmeter grossen Parzelle beim Seegräbner Weiler Aretshalden soll ab Herbst wieder ein Rietgebiet werden.
Auf den flacheren Teilen der heute extensiv genutzten Weide würde eine Pfeifengraswiese entstehen, so wie sie nebenan im sumpfigen Teil des Ägerstenriets bereits besteht. Im oberen Teil dürfte es eine blütenreiche Magerwiese geben.
Keine Begeisterung bei Landwirt
Von dieser Renaturierung nicht begeistert ist Ruedi Bachofen. Der Seegräbner Landwirt, der als SVP-Vertreter einige Jahre die damalige Sekundarschule Wetzikon-Seegräben präsidierte, bewirtschaftet im Auftrag des Kantons die Parzelle.
Auch wenn er den Schnitt «nur» als Streueinlage im Stall nutzen kann, bedauert er, dass mit der Umgestaltung «wertvolle Fruchtfolgefläche» verloren gehe. Für die Lebensmittelversorgung sei das keine gute Entwicklung.
Nun hat er von seiner Partei Schützenhilfe erhalten. In einer Anfrage, die vom Gossauer Kantonsrat Daniel Wäfler zusammen mit zwei Parteikollegen eingereicht worden ist, wollen die SVP-Politiker vom Regierungsrat wissen, wie der Kanton zusätzlich zur Versorgungssicherheit beitragen könne. Durch den Krieg in der Ukraine sei die globale Versorgung mit Nahrungsmitteln gefährdet. Es sei doch besser, vermehrt auf inländische Produkte zu setzen.
1300 Hektaren im Plan
Ein Dorn im Auge ist Wäfler etwa die vom Kanton vorgenommene «Festlegung der prioritären Potenzialflächen für Feuchtgebiete». Im Rahmen dieses Konzepts sollen kantonsweit 1300 Hektaren drainierte Böden in Feuchtgebiete zurückgeführt werden.
So wie die Wiese beim Seegräbner Ägerstenriet liegen viele dieser Flächen im Oberland. Vor allem rund um Pfäffiker- und Greifensee, aber auch entlang der Glatt, im Gossauer Riet sowie rund um Bubikon gruppieren sich die Gebiete, die als Ergänzungsflächen «gemeinsam mit den bestehenden Feuchtgebieten die Kerngebiete der ökologischen Infrastruktur für den Lebensraum Feuchtgebiete» bilden sollen, wie es etwas geschwollen auf der Informationsseite des Kantons heisst.
Kanton soll Projekt sistieren
Um die Lebensmittelproduktion und den Erhalt von ackerbaufähigem landwirtschaftlichem Kulturland zu sichern, fragt Wäfler den Regierungsrat, ob es «nicht sinnvoll» sei, das Potenzialflächen-Projekt zu sistieren.
Die Wiese beim Ägerstenriet ist gemäss kantonalem Bodenkataster als gute Fruchtfolgefläche ausgewiesen. «Durch einen künstlichen Eingriff» würde die Parzelle endgültig der Produktion von Nahrungsmitteln entzogen, mahnt die SVP.
Humus wird abgetragen
Für die Renaturierung der Wiese müsste die oberste 20 bis 30 Zentimeter dicke Humusschicht abgetragen werden. Je nachdem könnten es stellenweise aber auch mehr sein. Noch sei allerdings nichts fix, wie Naturschutz-Mitarbeiter Fässler Anfang März betonte. Jetzt wird erst das Vorprojekt erarbeitet.
Nach der Projektierung wird gemäss dem Naturschutzexperten ein Bauprojekt ausgearbeitet, das dann bei der Gemeinde zur Bewilligung eingegeben wird.
«Ob der Einsatz von Baumaschinen und Lastwagen zur Schaffung eines künstlichen Biotopes ökologischer und ethischer ist als die bisherige landwirtschaftliche Produktion, wird von der SVP bezweifelt», heisst es dazu in einer Medienmitteilung der Partei.
