Illnau-Effretikon lässt sich von Corona nicht aus der Bahn werfen
Alle Jahre wieder, so fühlt es sich an, darf Illnau-Effretikons Finanzvorsteher Philipp Wespi (FDP) die frohe Botschaft verkünden: Die Rechnung schliesst mit einem Ertragsüberschuss und besser als budgetiert, das Eigenkapital wurde erhöht und die Schulden gesenkt.
Angesichts der rekordverdächtig guten Abschlüsse in den beiden Vorjahren, als man 10,8 Millionen (2019) und 11,2 Millionen Franken (2020) Gewinn ausweisen konnte, scheinen die Zahlen für das Jahr 2021 nun fast schon moderat.
Die 4,2 Millionen Franken Überschuss bei einem Ertrag von 117 Millionen und einem Aufwand von 113 Millionen Franken sind aber alleweil ein respektables Ergebnis. Zumal der budgetierte Gewinn von 30’000 Franken erheblich übertroffen wurde.
Um eine Einordnung gebeten, sagt der Finanzvorsteher Wespi: «Ich würde sagen, das ist in Zeiten von Corona ein sehr solides Resultat.»
Die Ausschläge gegen oben
Dass der Abschluss einmal mehr über den Erwartungen ausgefallen ist, ist vor allem höherer Einnahmen bei den ordentlichen Steuern und tieferen Ausgaben bei der Sozialhilfe zu verdanken.
Weil Illnau-Effretikon im Verhältnis zur Bevölkerung wenig Firmen beheimatet, sind die Auswirkungen der wirtschaftlichen Lage auf den Fiskus beschränkt geblieben. Umgekehrt haben die staatlichen Hilfen im Bereich der Kurzarbeit und der Arbeitslosenversicherungen vielen Menschen den Gang zur Sozialhilfe erspart.
«Ich würde sagen, das ist in Zeiten von Corona ein sehr solides Resultat.»
Finanzvorsteher Philipp Wespi (FDP)
So konnten unter dem Strich 3,5 Millionen Franken mehr Steuern eingenommen und 1,3 Millionen Franken budgetierte wirtschaftliche Hilfe gespart werden. Weiter wird das Ergebnis durch tiefere kantonale Lohnkostenanteile an Lehrpersonen (0,7 Millionen), ein Buchgewinn bei einer Liegenschaft (0,6 Millionen) und eine Corona Sonderdividende der ZKB (0,6 Millionen) verbessert.
Die Ausschläge gegen unten
Das gute Ergebnis ist auch insofern bemerkenswert, als dass die Einnahmen durch die Grundstückgewinnsteuern um 3,2 Millionen Franken tiefer ausgefallen sind als budgetiert. Diese Gewinne sind freilich nicht verloren gegangen, sondern nur aufgeschoben worden, weil die entsprechenden Veranlagungen sich verzögert haben.
Überdies wurden 0,5 Millionen Franken an zusätzlichen Abgaben an den Zürcher Verkehrsbund fällig, der wegen der Pandemie nach wie vor mit tieferen Auslastungszahlen operieren muss. Das sei «nicht unerheblich», findet Philipp Wespi. Vor allem sieht er in diesem Punkt ein Indiz dafür, dass die Erwartungssicherheit nach wie vor von der Pandemie beeinträchtigt ist.
Der Blick nach vorne
Tatsächlich könnten im Bereich der Wohlfahrt noch verzögert Mehrkosten entstehen. Ebenso wenig sind aktuell auch die Folgen des Krieges in der Ukraine abzuschätzen. Doch orientiert man sich am Bestehenden, ist Illnau-Effretikon für den nun anstehenden Investitionszyklus – in den nächsten fünf Jahren sollen rund 100 Millionen Franken an Infrastruktur verbaut werden – gerüstet.
Nach mehreren guten Abschlüssen in Folge sind die Schulden auf 30 Millionen Franken reduziert und das Eigenkapital auf 95 Millionen angehoben worden. «Wir sind jetzt insbesondere bei der Verschuldung an einem Wendepunkt angelangt», sagt denn auch Finanzvorsteher Philipp Wespi.
Auf die obligate Steuerfussfrage zum Schluss will er sich dennoch nicht einlassen: «Alle Jahre wieder sage ich dazu nur, dass wir sie im Dezember im Rahmen der Budgetdebatte führen werden.»
