Park im Zentrum Dübendorfs bekommt erneut eine Abfuhr
Ein bisschen ins Träumen konnte schon kommen, wer am Montag an der Sitzung des Gemeinderats den Worten von Thomas Maier lauschte. Der grünliberale Gemeinderat teilte mit dem Parlament seine Vorstellung – oder eher seine Vision eines umgestalteten Adlerplatzes: Bäume, vielleicht ein Hain, Platz für Begegnungen, zum Sitzen und Spielen, im Winter ein Marroni-Stand, im Sommer eine «Wurstbude».
Ein kleines Paradies also, zwischen dem dicht befahrenen Verkehrsknoten Städtli-Kreuzung und den umliegenden Bauten mit typisch kleinstädtischer Gewerbe-Wohnen-Mischnutzung. Das wollten Maier und elf Mitunterzeichnende den Ratskollegen und dem Stadtrat mit einem Postulat schmackhaft machen. Und auch, dass die wegfallenden 23 Parkplätze ein kleiner Preis für mehr Aufenthaltsqualität seien.
Parkplätze sollen geopfert werden? Wer Dübendorf kennt, der wusste bereits zu diesem Zeitpunkt, dass diese Forderung nicht ohne Folgen bleiben würde.
«Flickwerk» und «Pflästerlipolitik»
Erst aber war der Stadtrat an der Reihe. Dieser hatte vor einigen Jahren ebenfalls mal vorgehabt, den Adlerplatz umzugestalten und autofrei zu machen. Der Gemeinderat strich ihm das Geld dafür aber Ende 2015 aus dem Budget, worauf das Vorhaben sistiert wurde.
Hochbauvorstand Dominic Müller (Die Mitte) teilte Maiers Begeisterung für die Idee allerdings nicht. «Es hat sich einiges bewegt in der Zwischenzeit», sagte er, und meinte damit die anstehende Gesamtrevision der Ortsplanung. Ziel sei ein ganzheitliches Konzept, und da passe ein isoliertes Vorhaben nicht rein.
Dem schloss sich Stefan Angliker (FDP) an, der von «Pflästerlipolitik» sprach und vor einem «Flickwerk» warnte. Ausserdem hinterfragte er in Anbetracht der Lage des Platzes die prognostizierte Attraktivitätssteigerung.
Mehr als genug Parkplätze
Auch Theo Johner (Die Mitte) wollte es lieber ganzheitlich haben. Der Platz sei zudem viel zu klein für eine sinnvolle Gestaltung. Und dann seien da auch noch die beliebten Parkplätze. Mit dem Chilbiplatz gebe es insgesamt zwar genügend Abstellmöglichkeiten für Autos, diese seien aber wochenweise belegt und es sei unrealistisch, zu glauben, die Leute würde ihr Einkaufswägeli über den Kiesplatz schieben und dann wieder zurückbringen.
«Eine Kreuzung und ein Parkplatz als Stadtzentrum sind einer modernen Stadt unwürdig.»
Julian Croci (Grüne), Gemeinderat
Damit war das Stichwort gefallen: Parkplätze. Susanne Schweizer (SP) hatte sie im Vorfeld gezählt und kam zum Schluss, dass es in der näheren Umgebung sowohl ober- als auch unterirdisch mehr als genug davon gebe. «Da fallen die 23 Parkplätze nicht ins Gewicht», sagte sie und hielt fest, dass die erhöhte Aufenthaltsqualität auch positive Auswirkungen auf das umliegende Gewerbe habe.
Schmunzeln wegen den Linken
Gut für die Bevölkerung, gut fürs Gewerbe – dem stimmte auch Stefanie Huber (GLP/GEU) zu, und sagte: «Es wäre doch wunderbar, wenn wir mal die Lebensqualität in den Mittelpunkt stellen würden und nicht immer den motorisierten Individualverkehr.»
Julian Croci (Grüne) stieg mit ein: «Eine Kreuzung und ein Parkplatz als Stadtzentrum sind einer modernen Stadt unwürdig», sagt er. Und: «Die Stadt Dübendorf hat ein belebtes Zentrum für alle verdient.»
Dass sich Links-Grün nun offenbar um das Wohl des Gewerbes sorge, habe ihn zum Schmunzeln gebracht, sagte Bruno Eggenberger (Die Mitte). Mit dieser plötzlichen Erkenntnis habe er Mühe, hielt er – allerdings ohne Schmunzeln – fest.
Daniel Burkhardt (SVP) jedenfalls konnte im Postulat keinen echten Vorteil für das Gewerbe erkennen. Im Gegenteil. So prognostizierte er, dass ohne die Parkplätze viele der heutigen Kunden ins Glatt oder Volkiland ausweichen würden.
Der Vorstoss sei Unsinn, ein «Wahlkampfschlager» und letztlich ein Angriff auf den motorisierten Individualverkehr. Ausserdem monierte Burkhardt, dass versucht werde, das Anliegen mittels eines Postulats unter Ausschluss der Stimmbevölkerung durchzubringen. Dies im Wissen, dass die Idee in der Bevölkerung hochkant durchfallen würde.
«Esoterisch» und «weltfremd»
Schliesslich setzte Orlando Wyss (SVP) zu einem fulminanten Rundumschlag an. Die linken Politiker lebten in einer Traumwelt, in der Konsumenten ihre Einkäufe mit dem Lastenvelo erledigten. Er lud seine politischen Konkurrenten ein, ihre geschützten Refugien wie etwa die Überbauung Zwicky Süd zu verlassen und in die «wirkliche Welt» hinauszugehen, also etwa zu Parkplätzen der oben erwähnten Einkaufszentren.
Wyss geisselte das Vorhaben als «esoterisch» und «weltfremd». Nun richtig in Fahrt gekommen, versprach er, man werde als «absolute Kämpfer für die direkte Demokratie» dafür sorgen, dass das Stimmvolk das letzte Wort habe, falls das Postulat überwiesen würde.
Doch das wird nicht nötig sein: Denn das Parlament erteilte den Plänen für einen Park im Zentrum eine deutliche Absage.
Sitzungen weiterhin per Livestream
Für einmal durften sich die Dübendorfer Parlamentarier am Montag während einer guten Stunde nur mit sich selbst beschäftigten; es ging nämlich um die totalrevidierte Geschäftsordnung des Gemeinderats, welche die Spielregeln, die Organisation und die Zuständigkeiten für den Ratsbetrieb regelt – und die am Ende einstimmig abgesegnet wurde.
Rund ein Dutzend Änderungsvorschläge wurden den Anwesenden vorgelegt, die meisten waren von Theo Zobrist (SP) und chancenlos. Zu einer Kontroverse führte die Frage, ob die Ratssitzungen auch nach Corona per Livestream übertragen werden sollen.
Werden Sitzungen zur «Show»?
Die Gegner wiesen darauf, dass das Kosten/Nutzen-Verhältnis nicht stimme, da die Übertragungen jeweils nur von wenigen Zuschauern verfolgt würden. Und es bestehe die Gefahr, dass die Sitzungen dadurch zur «Show» für die Zuschauer zu Hause verkommen könnten.
Die Befürworter hingegen argumentierten, die Übertragung würden einem grösseren Bevölkerungskreis die Politik und speziell die Arbeit des Gemeinderats näherbringen. Zumindest der im Vergleich zu den Online-Zuschauern bescheidene Publikumsaufmarsch gab ihnen am Montag Recht, verteilten sich doch gerade mal zwei Personen auf den Rängen; es war aber auch die erste Sitzung seit dem Ende der Corona-Massnahmen.
Zuletzt stimmte eine Mehrheit für eine Beibehaltung des Live-Streams, und auch dafür, dass die Aufnahmen gespeichert und nach der Sitzung auf der Website der Stadt zur Verfügung gestellt werden
Die Beschlüsse des Parlaments
• Der Gemeinderat genehmigte seine eigene totalrevidierte Geschäftsordnung einstimmig; zuvor hatte er sämtliche Änderungsanträge abgelehnt.
• Ein Kredit von 680’000 Franken für den Umbau der Station B1 im Alters- und Spitexzentrum wurde ohne Gegenstimme bewilligt.
• Das Parlament sprach sich mit 23 zu 14 Stimmen dagegen aus, das Postulat «Park im Zentrum» von Thomas Maier (GLP/GEU) und elf Mitunterzeichnenden an den Stadtrat zu überweisen.
• Orlando Wyss (SVP) verlas eine Fraktionserklärung, in der er die Berichterstattung im Glattaler über «Aufrecht Schweiz» kritisierte und wegen zerstörter und überklebter SVP-Plakate hart mit der Juso ins Gericht ging.
• Theo Zobrist (SP) stimmte mit einer persönlichen Erklärung auf die Debatte über die Geschäftsordnung ein.
