Als am Donnerstagabend der Industrie- und der Gewerbeverein Volketswil zur Wahl-Arena 2022 lud, wo sich die Kandidatinnen und Kandidaten für den Volketswiler Gemeinderat der Bevölkerung vorstellten, waren die linken Parteien SP und Grüne die grossen Abwesenden. Ihre Mitglieder stellen sich weder für den Gemeinderat noch für eine andere Behörde für die Erneuerungswahlen zur Verfügung.
Die SP tut sich schwer in Volketswil. Gemäss Bundesamt für Statistik hatte die Ortspartei, die 1943 gegründet wurde, letztmals 1993 Einsitz in der Exekutive. Barbara Bussmann, Ortsparteienleiterin der SP Volketswil, spricht Klartext: «Im Moment haben wir eine Durststrecke; kaum Mitglieder sind bereit für ein Amt.» In der Pandemie habe es die Partei verpasst, diese Situation zu verbessern.
Die Ortspartei sei wohl auch ein bisschen überaltert. Viele würden sich zwar gerne für die Partei engagieren, aber ein Amt würden sie nicht mehr bekleiden wollen. «Auch ich will nicht mehr für ein Amt kandidieren», sagt Bussmann. Die 66-Jährige hatte selber in den Jahren 2002 und 2006 versucht, einen Gemeinderatssitz in Volketswil zu erobern. Den Sprung in die Exekutive hat sie aber nicht geschafft. Bussmann war danach von 2004 bis 2019 SP-Kantonsrätin.
Attraktivere Parlamentsgemeinde
In Versammlungsgemeinden wie Volketswil sei es für die Partei grundsätzlich schwieriger, Leute für eine Kandidatur zu motivieren. Für Parlamentsgemeinden wie Dübendorf oder Uster liessen sich eher Interessierte finden, weil sich dort Leute erstmal auf die hinteren Plätze einer Wahlliste setzen lassen können. So könnten beispielsweise junge Leute Politikluft schnuppern, die eigentlich aber im ersten Anlauf nicht gewählt werden wollen und vielleicht erst vier Jahre später eine ernsthafte Kandidatur in Erwägung ziehen.

