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Die SP bekommt keinen Fuss auf die Volketswiler Politbühne

Volketswil war in der Vergangenheit definitiv kein Pflaster für die linken Parteien SP und Grüne. Das ändert sich auch nicht für die kommenden Behördenwahlen. Parteiverantwortliche und ein Politologe erklären, woran das liegen könnte.

Kandidatinnen und Kandidaten der linken Parteien SP und Grüne sucht man in der Volketswiler Politik bislang vergebens., Barbara Bussmann, Präsidentin der SP Bezirk Uster, hat selber einst versucht, für die Partei als Gemeinderätin Fuss zu fassen. , Tobias Ulrich, Kiki Jungfer und Jérôme Lefèvre (v.l.) gründeten gemeinsam die Grüne Ortspartei Volketswil-Schwerzenbach.

Foto: PD

Die SP bekommt keinen Fuss auf die Volketswiler Politbühne

Als am Donnerstagabend der Industrie- und der Gewerbeverein Volketswil zur Wahl-Arena 2022 lud, wo sich die Kandidatinnen und Kandidaten für den Volketswiler Gemeinderat der Bevölkerung vorstellten, waren die linken Parteien SP und Grüne die grossen Abwesenden. Ihre Mitglieder stellen sich weder für den Gemeinderat noch für eine andere Behörde für die Erneuerungswahlen zur Verfügung.

Die SP tut sich schwer in Volketswil. Gemäss Bundesamt für Statistik hatte die Ortspartei, die 1943 gegründet wurde, letztmals 1993 Einsitz in der Exekutive. Barbara Bussmann, Ortsparteienleiterin der SP Volketswil, spricht Klartext: «Im Moment haben wir eine Durststrecke; kaum Mitglieder sind bereit für ein Amt.» In der Pandemie habe es die Partei verpasst, diese Situation zu verbessern.

Die Ortspartei sei wohl auch ein bisschen überaltert. Viele würden sich zwar gerne für die Partei engagieren, aber ein Amt würden sie nicht mehr bekleiden wollen. «Auch ich will nicht mehr für ein Amt kandidieren», sagt Bussmann. Die 66-Jährige hatte selber in den Jahren 2002 und 2006 versucht, einen Gemeinderatssitz in Volketswil zu erobern. Den Sprung in die Exekutive hat sie aber nicht geschafft. Bussmann war danach von 2004 bis 2019 SP-Kantonsrätin.

Attraktivere Parlamentsgemeinde

In Versammlungsgemeinden wie Volketswil sei es für die Partei grundsätzlich schwieriger, Leute für eine Kandidatur zu motivieren. Für Parlamentsgemeinden wie Dübendorf oder Uster liessen sich eher Interessierte finden, weil sich dort Leute erstmal auf die hinteren Plätze einer Wahlliste setzen lassen können. So könnten beispielsweise junge Leute Politikluft schnuppern, die eigentlich aber im ersten Anlauf nicht gewählt werden wollen und vielleicht erst vier Jahre später eine ernsthafte Kandidatur in Erwägung ziehen.

«Letztlich ist ein Behördenamt – egal ob Parlaments- oder Versammlungsgemeinde – immer auch viel Arbeit.»

Barbara Bussmann, Ortsparteienleiterin SP Volketswil

Ob denn die Chancen für die SP steigen würden, wenn Volketswil dereinst zur Parlamentsgemeinde umfunktioniert wird, sei schwierig zu beantworten, sagt Bussmann. «Letztlich ist ein Behördenamt – egal ob Parlaments- oder Versammlungsgemeinde – immer auch viel Arbeit.»

Auch für Thomas Widmer, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Zürich, ist der Unterschied zwischen Parlaments- oder Versammlungsgemeinde ein Faktor, mit dem die Absenz der SP erklärt werden kann. «In Versammlungsgemeinden hat es öfters Lücken in der Existenz lokaler Parteisektionen.» Im Fall von Volketswil bestehe offenbar bei der SP eine solche Lücke.

«Häufig waren und sind diese Leute gar nicht stimmberechtigt, da ihnen die Schweizer Staatsbürgerschaft fehlt.»

Thomas Widmer, Professor für Politikwissenschaft Universität Zürich

Ein weiterer Aspekt könnte die Geschichte der Sozialdemokratie in der Schweiz sein. Diese hätte ihre lokalen Parteisektionen oft schon vor dem ersten Weltkrieg gegründet, allerdings vorwiegend in urbanen, industrialisierten Gemeinden. «Volketswil war zu dieser Zeit noch sehr ländlich geprägt und deswegen auch nicht ein Ort, der sich der SP für eine Parteigründung anbot.» Ländliche Gemeinden waren nicht im Fokus der SP.

Hippster wollen nach Uster

Mittlerweile habe sich Volketswil aber zur Agglomerationsgemeinde im städtischen Umfeld entwickelt. Dass mit der stärker urbanen Prägung die SP automatisch präsenter wird, sei aber nicht selbstverständlich, sagt Widmer. «Gründung und Aufbau einer lokalen Parteisektion sind arbeitsintensiv und der Erfolg hängt stark vom Engagement einzelner Personen ab.» Ausserdem hätten bei den jungen hippen Leuten grössere Städte wie Zürich, Winterthur, oder auch Dietikon und Uster eine weit höhere Anziehungskraft als Volketswil.

Ein weiterer möglicher Grund für die schwache Vertretung linker Parteien in Volketswil sei, dass deren klassische Klientel Personen aus dem Arbeitermilieu waren. «Häufig waren und sind diese Leute gar nicht stimmberechtigt, da ihnen die Schweizer Staatsbürgerschaft fehlt.»

«So kurzfristig haben wir leider keine Kandidierenden für ein Amt gefunden.»

Tobias Ulrich, Gründungsmitglied Grüne Volketswil

SP-Politikern Bussmann macht keinen Hehl daraus, dass ein stärkeres Engagement der aktiven Parteimitglieder helfen würde. Im Fall von Volketswil sei es wichtig, dass potentielle Kandidierende an Gemeindeversammlungen gehen und vielleicht auch mal das Wort ergreifen. «Das steigert die Bekanntschaft und so erreicht man auch hinsichtlich der Wahlen etwas. Das haben wir ein bisschen vernachlässigt in jüngster Zeit.»

Grüne sind noch grün hinter den Ohren

Eine historisch andere Ausgangslage haben die Grünen. Erst im vergangenen September wurde die Ortspartei in Volketswil gegründet. «So kurzfristig haben wir leider keine Kandidierenden für ein Amt gefunden», sagt Gründungsmitglied Tobias Ulrich. Zwar hätten sie zwischendurch eine Kandidatin für die Schulpflege gefunden, diese habe aber aus persönlichen Gründen dann doch verzichtet.

Auch Ulrich verzichtete darauf, an diesen Behördenwahlen anzutreten. Der 21-Jährige sagt, er wolle erst sein PH-Studium abschliessen und sich in dieser Zeit «auf anderen Wegen» politisch einsetzen.

Die Grünen Volketswil umfasst derzeit laut Ulrich gerade mal zehn Personen. «Wir sind noch nicht so etabliert in Volketswil. In vier Jahren wollen wir aber mit Kandidatinnen und Kandidaten antreten.»  

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