Rekurs gegen Baupläne der Migros
Im Oberland Märt in Wetzikon stehen die Zeichen auf Umbruch. In den nächsten fünf Jahren soll am heutigen Standort des Einkaufszentrums ein neues Gebäude mit Platz für Gewerbe sowie rund 100 Wohnungen entstehen. Die aufgestellten Bauvisiere geben einen Eindruck von der Dimension des Projektes. Bereits ist der «Do it + Garden» halb leergeräumt, der Umzug des Bau- und Hobbymarktes in die neue Migros-Filiale in Unterwetzikon, die am 24. März eröffnet wird, steht kurz bevor.
Bisher sei die Planung für den neuen Oberland Märt reibungslos verlaufen, sagt Silke Seichter, verantwortlich für die Baukommunikation der Migros Ostschweiz. Im Januar hat die Stadt Wetzikon das Baugesuch bewilligt. Doch nun streut der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) der Migros mit einem Rekurs gegen diesen Entscheid Sand ins Getriebe.
Disput um Parkplätze
Markus Knauss, Co-Geschäftsführer des VCS Sektion Zürich, begründet den Rekurs kurz und knapp: «Das Projekt steht nicht in Übereinstimmung mit den umweltschutzrechtlichen Vorgaben.» Heisst konkret: Die Anzahl geplanter Parkplätze stimme nicht mit den rechtlichen Vorgaben überein.
Je besser ein Einkaufszentrum an den öffentlichen Verkehr angebunden ist, desto weniger Parkplätze dürfen gebaut werden. «In Wetzikon wurde diesen Vorgaben nicht Rechnung getragen», sagt Knauss.
«Mit unseren Einsprachen hatten wir jeweils Erfolg.»
Markus Knauss, VCS Sektion Zürich
Dass der VCS einen Rekurs gegen ein solches Bauprojekt einreicht, ist nicht ungewöhnlich. Mittlerweile würden kaum noch neue Einkaufszentren gebaut. «Aber vor rund 20 Jahren, als viele neue Komplexe auf grüne Wiesen gestellt wurden, kam das noch viel öfter vor. Und mit unseren Einsprachen hatten wir jeweils Erfolg.» Momentan seien drei Einsprachen pendent.
Entscheid über Rekurs in nächsten sieben Monaten
Gestützt auf das Verbandsbeschwerderecht ist der VCS als Umweltschutzorganisation berechtigt, gegen bestimmte Projekte Einsprache oder Beschwerde zu erheben. « Die Berechnung der zulässigen Anzahl Parkplätze für das Einkaufszentrum und die darüberliegenden Wohnungen erfolgte gestützt auf die Parkplatzverordnung der Stadt Wetzikon », sagt Thomas Gerber, Leiter Geschäftsbereich Bau und Infrastruktur.
Diese Zahl habe dann aufgrund der Güteklasse des öffentlichen Verkehrs auf den «massgeblichen Bedarf» reduziert werden müssen. Die Güteklasse ergibt sich aus der Bedienungsqualität der Haltestelle sowie deren Erreichbarkeit und ist in einer kantonalen Wegleitung geregelt.
Der Kanton habe sich lediglich bei der Beurteilung des Umweltverträglichkeitsberichts aus Sicht Luft, Klima und Lärmschutz mit der Parkplatzzahl auseinandergesetzt. « Dabei kamen die involvierten Fachstellen jeweils zum Schluss, dass das Projekt mit den vorgesehenen Massnahmen umweltverträglich realisiert werden kann. » Gemäss Planungs- und Baugesetz entscheiden die kantonalen Behörden über ein Rechtsmittel bei Bauvorhaben mit einer Umweltverträglichkeitsprüfung innert sieben Monaten.

Der heutige Oberland Märt wird bald… (Archivfoto: Christian Brändli) src=”https://d2e1s0mc2ui2l2.cloudfront.net/zom/archiv/elvis-media/2022-03/1418_wetzikon_aussen_01_preview.jpg?itok=a4_erkn5″ width=”994″ height=”559″ alt=”… einem neubau weichen. (visualisierung: pd)” class=”no-tts image-style-np8-full” /> … einem Neubau weichen. (Visualisierung: PD)
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… einem Neubau weichen. (Visualisierung: PD)
«Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass es zu gar keinem Rekurs kommt», sagt Silke Seichter. «Aber wir sind trotzdem glücklich, dass es nur einer ist.» Man hoffe, mit dem VCS möglichst schnell eine Einigung zu erzielen, um den Zeitplan so gut wie möglich einhalten zu können.
Dieser sieht vor, nach der Eröffnung der neuen Migros an der Hofstrasse in Unterwetzikon am 24. März im Herbst mit den Bauarbeiten für das Migros-Provisorium auf dem Areal Färberwisen zu beginnen.
«Ursprünglich hatten wir geplant, mit dem Start für den Bau des Provisoriums zu warten, bis die Bewilligung für den neuen Oberland Märt rechtskräftig ist», sagt Seichter. Durch den Rekurs könnte dies nun eng werden. «Eventuell beginnen die Vorbereitungsarbeiten darum schon bevor eine definitive Einigung zustande kommt.»
Bezug Anfang 2027
Denn auch das Provisorium benötigt rund eineinhalb Jahre Bauzeit. Ende 2023 soll dann der Umzug vom Oberland Märt ins Provisorium über die Bühne gehen, damit dort mit dem Rückbau begonnen werden kann. Der Bezug des Neubaus ist auf Anfang 2027 geplant.
Bis dahin stehen im Provisorium im Gegensatz zu den heute 370 Kundenparkplätzen nur noch 85 zur Verfügung. Ist damit das Verkehrschaos vorprogrammiert? «Wir gehen davon aus, dass ein Teil unserer Kunden auf die neue Migrosfiliale in Unterwetzikon ausweichen wird», sagt Seichter. Im Provisorium sei schliesslich auch nur ein Teil des Angebots zu finden. «Durch die Reduktion der Anzahl der Geschäfte wird sich auch die Kundenzahl automatisch reduzieren.»
