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Wetzikon schickt RIZ an den Markt

Die Stimmbevölkerung gibt dem Wetziker Stadtrat grünes Licht, ihr Regionales Informatikzentrum (RIZ AG) zu veräussern. Der Entscheid freut den Stadtpräsidenten, die Gegenseite fordert nun Transparenz.

Wird in private Hände überführt: das RIZ in Wetzikon.

PD

Wetzikon schickt RIZ an den Markt

Der Stadtrat wollte es, das Parlament wollte es – und nun will es also auch das Stimmvolk. Mit 3657 Ja (71,2 Prozent) gegenüber 1479 Nein-Stimmen erteilt es dem Stadtrat das Mandat, mindestens die Mehrheit der Aktien seines Regionalen Informatikzentrums RIZ AG (siehe Box unten) zu verkaufen.

Das eindeutige Votum freut den Wetziker Stadtpräsidenten Ruedi Rüfenacht (EVP). Dem Stadtrat sei bewusst gewesen, dass die Vorlage an der Urne gute Chancen haben dürfte. «Dass das Ergebnis so klar ausfällt, hatten wir aber nicht erwartet. Umso mehr freuen wir uns darüber.»

Ruedi Rüfenacht, Stadtpräsident Wetzikon

Rüfenacht spricht von einem «wichtigen Zeichen», das die Stimmbevölkerung gesetzt habe: Sie habe den Stadtrat in seiner Ansicht bestätigt, dass das Führen einer Informatikunternehmung nicht zu seinen Kernaufgaben gehört. Denn: «Die IT-Welt und der Markt haben sich grundlegend verändert. Mit dem Verkauf kann das RIZ konkurrenzfähig bleiben.»

An der Urne besser abgeschnitten

Gänzlich oppositionslos war das Unterfangen nicht gewesen. Zwar hatte bereits das Parlament an seiner Sitzung vom 6. September mit 28:3-Stimmen dem Wunsch des Stadtrats entsprochen. Der damaligen Abstimmung war indessen eine lange und intensive Debatte vorausgegangen, in der die GLP/AW-Fraktion mächtig Gegensteuer gegeben hatte.

Wissend, dass angesichts der Ausgangslage an der Urne kaum eine Chance auf ein Nein bestand, kann die AW-Parlamentarierin und Stadtpräsidentschaftskandidatin Bigi Obrist dem Resultat auch Positives abgewinnen. «Fast 30 Prozent Nein: Das zeigt doch, dass wir mit unserer Meinung gut einen Drittel der Stimmenden vertreten», sagt sie. Und: «Das Verhältnis war massiv besser als im Parlament. Das sagt doch auch etwas.»

AW-Parlamentarierin Bigi Obrist

Was ihr dagegen Sorgen mache, sei der Umstand, dass sich auch die SP und die Grünen für die Vorlage ausgesprochen hatten: «Wenn sie so einem liberalen Anliegen folgen, dann bin ich gespannt, wie sie sich bei der nächsten Privatisierungsvorlage positionieren.»

Man fordere nun vom Stadtrat, dass er beim Verkauf mit offenen Karten spielt und über potenziell neue Eigentümer transparent informiert, sagt Bigi Obrist. «Vor allem aber hoffen wir, dass wir mit unseren Unkenrufen Unrecht hatten, und dass alles gut kommt.»

Die Stadt bleibt Kundin

Mit diesem Urnenentscheid hat der Stadtrat nun den Auftrag bekommen, alle, mindestens aber die Mehrheit seiner 1500 Aktien zu verkaufen. Er soll sich dabei am Ziel orientieren, einen Preis von nominal 1000 Franken pro Stück zu erzielen, was bei einem Gesamtverkauf der Summe des einst eingebrachten Eigenkapitals von 1,5 Millionen Franken entspräche. 

Der Stadtrat wird nun den Verkaufsprozess in die Wege leiten. Das Geschäftsverhältnis zwischen dem RIZ und der Stadt Wetzikon, die selbst Kundin ist, soll unabhängig davon weiterbestehen.

Die RIZ AG: eine gesunde Firma
Das Regionale Informatikzentrum beschäftigt aktuell rund 50 Mitarbeiter und bezeichnet sich selbst als «führende unabhängige IT-Dienstleisterin für den öffentlichen und sozialen Sektor». Ursprünglich war es 1996 aus der damaligen Informatikabteilung der Stadt Wetzikon hervorgegangen.
2008 wurde das Unternehmen nach einem Urnenentscheid zu einer AG umgewandelt – unter der Prämisse, dass die Stadt die Mehrheit des Aktienkapitals behalten wird.
Das RIZ, das war auch in der Parlamentsdebatte unbestritten, hat sich seither zu einer gesunden und profitablen Firma gemausert, die jedes Jahr Dividenden ausgeschüttet hat. Bis heute sind alle 1500 Aktien im Besitz der Stadt. (mmu)

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