«Öfters spürte ich, dass man selbst in unserer Region über den Ustertag zu wenig wusste»
13 Jahre lang sind Sie Obmann des Ustertagkomitees gewesen. Was hatten Sie sich für dieses Amt vorgenommen?
Werner Egli: Ich habe immer gerne an die Entstehungszeit des Ustertages von 1830 zurückgedacht. Für mich ist es ein Anliegen gewesen, die Botschaft von damals, die Entwicklung hin zu einer echten Demokratie mit der Gleichberechtigung von Stadt Zürich und Landschaft in Erinnerung zu behalten. Als Obmann konnte ich das jeweils an der Ustertagfeiern selbst, aber auch an Auftritten unter dem Jahr.
Welches waren die grössten Herausforderungen?
Öfters spürte ich, dass man selbst in unserer Region über den Ustertag zu wenig wusste und sich kaum mehr daran erinnerte , was damals hier in Uster geschah. Ich versuchte – nicht immer mit Erfolg, wie ich heute leider sagen muss – jene Botschaft aufzuzeigen. Schliesslich war diese Versammlung in Uster entscheidend für die weitere Entwicklung. Alt Bundesrat Villiger drückte es einst treffend aus: Was Sempach für die alte Eidgenossenschaft war, so prägend ist der Ustertag für die Neuzeit.
Welches waren für Sie die Höhepunkte Ihrer Obmannszeit?
Die Empfänge der Hauptredner war etwas sehr Schönes. Während einer gewissen Zeit – dem Apéro, am Mittagessen, während und nach der Feier – konnte ich mich auf sehr persönlicher Ebene mit einem Magistraten, einem Wirtschaftsführer, einem Wissenschafter unterhalten und durfte dabei auch spüren, was diese Leute denken. Ich konnte auch feststellen, wie unkompliziert die Redner waren.
Die Feier in der Kirche gefällt mir jeweils sehr gut – aber auch das Danach. Ich bin ja eher ein gemütlich gestimmter Mensch. Daher genoss ich auch überaus einige prägende, lustige Nachfeiern, weil sie nicht nur den Geist, sondern auch das Herz berührt haben.
Welche Lehren nehmen Sie mit?
In der heutigen schnelllebigen Zeit es schwierig, eine bald zweihundertjährige Geschichte am Leben zu halten. Viele Leute sind nicht mehr bereit, solche Traditionen in diesem Sinn aufrecht zu erhalten. Das hat auch mit dem bei manchen vorhandenen Egoismus zu tun, der in Kontrast zum damals aufgezeigten Kollektiv steht. Aber: Nur steter Tropfen – und noch einige mehr – vermögen den Stein zu höhlen und den Leuten damit die Bedeutung des Ustertages bewusst zu halten. Wir sollten in Dankbarkeit zurückschauen. Und bei mir gibt es auch noch den Gedanken, dass der Stadt Zürich in Uster einmal der Meister gezeigt worden ist.
Bleiben sie dem Ustertag erhalten?
Ich bin froh, dass wir einen guten Nachfolger für mich gefunden haben. Ich werde ihm dieses Jahr noch zur Seite stehen. Toll finde ich vor allem, dass wir einen jungen Obmann haben – ich selbst war bei der Amtsübernahme schon deutlich älter. Christoph Keller bringt frischen Wind und ihm dürfte es auch gelingen, die nötige Aufmerksamkeit zu gewinnen, um ein junges Publikum anzuziehen. Dieses ist nämlich grundsätzlich durchaus empfänglich. Als Komitee müssen wir schauen, dass die Besucherschaft nicht überaltert.
