Seegräbner sollen auch im Alter im Dorf wohnen können
Nach einer zehnjährigen Planungsphase nimmt das Projekt « Wohnen im Alter » nun konkrete Formen an. Am 1. März werden die Seegräbner an der Gemeindeversammlung entscheiden, ob eine rund 4200 Quadratmeter grosse Parzelle im Ortsteil Sack an die Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Zürich (WSGZ) verkauft werden soll.
Lange Suche
An einer Orientierungsversammlung am Dienstag ist das Geschäft vorgestellt worden. Rund 40 Ein- und Anwohner wollten sich vor Ort informieren. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, die Veranstaltung in einem Livestream mitzuverfolgen – was zehn auch taten.
Gesundheitsvorständin Katharina Hefti (parteilos/FDP) zeigte eingangs die lange Entstehungsgeschichte des Vorhabens auf und vor allem auch die Knackpunkte. So scheiterte zunächst die Suche nach privaten Parzellen, auf denen ein Bauprojekt für Generationenwohnen hätte realisiert werden können.
Fündig wurde die Gemeinde schliesslich im eigenen Bestand. Neben dem Kindergarten und dem Fussballplatz im Ortsteil Sack soll auf dem noch unbebauten Landstück das mittlerweile als altersdurchmischtes Wohnen bezeichnete Vorhaben realisiert werden.
Verkauf statt Baurecht
Wichtig ist der Gemeinde neben der Schaffung von Wohnraum für Ältere auch die Idee eines Quartiertreffpunktes. Im Sack fehlt ein solcher bisher. Ein solcher Raum könnte beispielsweise für Kaffeerunden, für Coiffeur-, Podologie- oder Spitexbesuche, allenfalls auch für eine temporäre Dependance des Dorfladens dienen.
2018 gab es einen herben Rückschlag. Für das Land, das im Baurecht hätte abgegeben werden sollen, gab es bei Genossenschaften « Null Interesse » , wie Hefti betonte. Daher schwenkte die Gemeinde um und suchte im Jahr darauf kaufwillige Genossenschaften. Von den drei Interessenten stieg die Gemeinde schliesslich mit der WSGZ in Vertragsverhandlungen.
Diese « eher bürgerlich » ausgerichtete Genossenschaft ist 1944 gegründet worden und verfügt aktuell über 1113 Wohnungen in 13 Gemeinden, so etwa in Uster, Dübendorf und Brüttisellen. « Nur als Grundeigentümerin können wir günstigere Mieten anbieten » , erklärte der WSGZ-Vertreter Andreas Rüegg, warum für sie nur ein Kauf und nicht etwa eine Übernahme im Baurecht in Frage kommt.
24 Wohnungen geplant
In drei zweigeschossigen Blöcken sollen 24 Wohnungen entstehen, 16 davon mit 3,5 Zimmern, 6 kleine mit 2,5 Zimmern sowie noch 2 grössere 4,5-Zimmer-Wohnungen. Inklusive Nebenkosten würde die Miete für die kleinste Kategorie laut Rüegg gut 1200 Franken kosten, die mittleren 1550 und die grossen 2070 Franken – « also im mittleren Preissegment » .
Hochbauvorstand Reto Gasser (SVP) unterstrich, dass im Verkaufsvertrag nicht nur der Wohnungsmix festgehalten sei, sondern auch die Erstellung eines Pavillons als Quartiertreff. Alle Wohnungen und Zugänge werden hindernisfrei realisiert, so dass dort auch ältere Menschen problemlos leben könnten.
Festgehalten ist im Vertrag auch, dass bei der Vermietung der Wohnungen prioritär Seegräbner berücksichtigt werden. In erster Linie sollen Einwohner ab 55 Jahren zum Zug kommen, dann Einzelpersonen und Familien aus Seegräben und dann auch Familien, welche neu in die Gemeinde zuziehen möchten. Schliesslich muss sich der Bau optisch auch gut ins Einfamilienhausquartier am Waldrand einfügen.
Auch Abstimmung über Gestaltungsplan
Zustande kommt der Verkauf allerdings nur, wenn die Gemeindeversammlung in einem Monat diesem Vertrag zustimmt, die WSGZ-Generalversammlung ebenfalls ihren Segen dazu gibt, schliesslich die Seegräbner an einer weiteren Gemeindeversammlung den privaten Gestaltungsplan gutheissen und letztlich die baurechtliche Bewilligung für das Projekt vorliegt.
Wenn das alles bis 2025 nicht abgewickelt werden kann, könnten beide Seiten vom Vertrag zurücktreten. So weit will es der Gemeinderat natürlich gar nicht kommen lassen. Der Fahrplan sieht laut Gasser vor, dass nach dem Okay zum Vertrag am 1. März an einer weiteren Gemeindeversammlung ein Jahr darauf der Gestaltungsplan gutgeheissen werden soll und danach noch im gleichen Jahr das Bauprojekt ausgearbeitet würde.
Viel Geld in die Gemeindekasse
Der Landverkauf würde viel Geld in die Gemeindekasse spülen: 6,3 Millionen Franken. Nach Abzug des Buchwertes würden somit gut 3,5 Millionen Franken Gewinn resultieren, wie Alfred Gerber, der Finanzberater der Gemeinde ausführte. Mit diesem Geld könnten zukünftige Aufwandüberschüsse ausgeglichen oder ein Teil der Darlehen von aktuell 4 Millionen Franken zurückbezahlt werden.
In der längeren Fragerunde wollten verschiedene Anwohner bereits Details über die Ausgestaltung der Bauten in Erfahrung bringen. Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) wies darauf hin, dass das jetzt noch nicht gesagt werden könne, sondern frühestens in einem Jahr, wenn der Gestaltungsplan vorliege.
Keine Verquickung mit Brückenprojekt
Von einzelnen Votanten wurden Zweifel angemeldet, ob der Standort für ein derartiges Alterswohnen im Einfamilienhausquartier geeignet sei. Ihnen wurde entgegnet, dass es schlicht keine Alternativen gebe. Ein Standort im Aatal sei in den Augen vieler Einwohner nicht attraktiv.
Und schliesslich wollte ein Anwesender noch wissen, ob das Geld aus dem Landverkauf nicht für den Brückenbau übers Aatal verwendet werden könnte. Auch hier trat Pezzatti auf die Bremse und mahnte, die beiden Geschäfte nicht miteinander zu verquicken. Bei den Investitionen gehe es darum, Schritt um Schritt vorwärts zu gehen. « Jetzt starten wir zuerst ein tolles Projekt für unsere älter werdende Bevölkerung. »
