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Eine oder zwei neue Turnhallen für Adetswil?

Am 13. Februar entscheidet das Bäretswiler Stimmvolk über den Neubau der Turnhalle Adetswil. Einer Initiative, die zwei Hallen fordert, steht der Gegenvorschlag des Gemeinderates mit einer Halle gegenüber.

Die Turnhalle beim Schulhaus Adetswil ist sanierungsbedürftig., Doch der Sanierungsbedarf ist derart gross, dass eine Neubau die bessere Option darstellt., Darum stellt sich die Frage, wie gross der Neubau werden soll.

Seraina Boner

Eine oder zwei neue Turnhallen für Adetswil?

Über Flyer in Briefkästen, Inserate in der Bäri-Post oder Aufrufe über Facebook – in Bäretswil läuft der Abstimmungskampf um die Zukunft der Turnhalle Adetswil. Klar ist: Die 1966 erbaute Turnhalle muss saniert werden.

Und klar sind auch die Fronten: Die politischen Akteure Gemeinderat, Rechnungsprüfungskommission (RPK) und Schulpflege sowie die Ortsparteien SVP, FDP und EVP wollen einen Ersatzneubau der Einfachturnhalle Adetswil – die IG Turnhalle Adetswil einen Neubau mit zwei Turnhallen (siehe Box).

Die IG Turnhalle Adetswil besteht aus folgenden Vereinen: Fussballclub Bäretswil, Unihockeyclub DT Bäretswil, EHC Fortuna Bäretswil Grizzlys, Turnverein Bäretswil, Frauen- und Männerriege, Faustball Bäretswil, Skiclub Bäretswil, Turnen für Senioren, Badminton Club, Polysportiver Club, Crazy B Country Line Dance sowie Musikverein Bäretswil. In diesen Vereinen sind rund 600 Personen, welche die Sportanlagen aktiv nutzen.

Denn die Belegungswünsche der Vereine können gemäss der IG knapp nicht erfüllt werden. Sie hat darum die Einzelinitiative «Ersatz der Turnhalle Adetswil durch 2 Einfachhallen mit Geräteraumverbindung» eingereicht.

Der Gemeinderat hat diese im November für gültig erklärt und gleich einen Gegenvorschlag präsentiert. Dieser sieht den Neubau mit einer vergrösserten Einfachhalle vor. Am 13. Februar wird die Bevölkerung den Grundsatzentscheid für das weitere Vorgehen fällen.

Unterschiedliche Ausstattung

«Eigentlich ist es schade, dass es danach Gewinner und Verlierer geben wird», sagt Jürg Nägeli, Präsident der IG. Er selber ist Mitglied der Crazy B Country Line Dancer, die aktuell nur im Sommer in der Turnhalle trainieren können. «Nur dann hat es Platz für uns, da der Fussballclub seine Trainings meist draussen durchführen kann.» Im Winter muss wieder in einem Mehrzweckraum mit hartem Plattenboden getanzt werden.

Auf dem Foto ist die alte Turnhalle in Adetswil zu sehen.

«Dem Mangel an Hallenkapazitäten würde mit dem Bau einer zusätzlichen Sporthalle Rechnung getragen», so Nägeli. Die beiden Hallen könnten mit unterschiedlichen Böden ausgerüstet werden, sodass etwa auch Rollstuhlsport ausgeübt werden kann. Nur eine der beiden Hallen soll dabei eine kostenintensive Geräteinfrastruktur erhalten – die zweite als Spielhalle konzipiert werden.

«Der Bau von zwei Einfachhallen in dieser Kombination ist langfristig die kostengünstigere Lösung als der spätere Bau einer weiteren Halle an einem anderen Standort, falls sich dies durch das weitere Wachstum der Gemeinde aufdrängt», sagt Nägeli.

Konzentration auf Kernaufgaben

Die Investitionskosten belaufen sich gemäss der Weisung für die Urnenabstimmung auf rund 5,5 Millionen Franken für eine Einfachturnhalle und auf 9 Millionen Franken für zwei Einfachhallen mit Geräteraumverbindung. Darin nicht enthalten sind Aufwendungen für eine neue Aula (1,2 bis 1,3 Millionen Franken) und Abbruch der bestehenden Halle, Kosten für Planung sowie Aufwendungen für Parkplätze, Umgebungsgestaltung, Allwetterplatz und Rasenfeld von rund einer Million Franken.

Bereits heute ist in Bäretswil mehr Hallenkapazität vorhanden, als für den Schulbetrieb zwingend benötigt wird. Heisst es in der Weisung weiter. Den Wunsch der Vereine nach einer neuen Halle kann Gemeindepräsident Teodoro Megliola (parteilos) zwar verstehen. Aber: «Wir können uns nicht in jedem Themengebiet für die Maximallösung entscheiden, das liegt finanziell nicht drin.»

So lehnt auch die Rechnungsprüfungskommission die zweite Halle ab. Denn deren Bau wäre «mit einer Steuererhöhung und zusätzlicher Verschuldung verbunden, was aufgrund der weiter anstehenden notwendigen Investitionen unvernünftig wäre und diese einschränken könnte», schreibt die RPK in ihrer Stellungnahme.

Auf dem Bild ist der Bäretswiler Gemeindepräsident Teodoro Megliola zu sehen.

«Die goldenen Jahre sind wirklich vorbei», sagt Megliola. «Und wir wollen den Jungen auch nicht übermässige Schulden für die Zukunft überlassen.» Zudem würden die Vereine bereits jetzt mit rund 600’000 Franken im Jahr unterstützt.

«Als Gemeinderat ist es unsere Aufgabe, uns auf die Kernaufgaben in der Gemeinde zu konzentrieren», so der Gemeindepräsident. Eine Halle, die nur in den Spitzenzeiten im Winter am Abend voll ausgelastet ist, gehöre nicht dazu. «Und damit wird die Existenz der Vereine auch nicht gefährdet.»

Diskussion um Pausenraum

Dass eine zweite Halle mehr Platz auf dem Schulareal benötigen würde, stösst zudem der Schulpflege sauer auf. Sie ruft dazu auf, die Initiative abzulehnen, da der Pausenraum, den diese besetzen würde, von den Schulkindern gebraucht werde. «Als langjährige Schulbehördemitglieder wissen wir, wovon wir sprechen und welche Bedürfnisse die Schule hat.»

Einwände, die Jürg Nägeli nicht nachvollziehen kann. «Denn auch beim Gegenvorschlag mit vergrösserter Einzelhalle ist nicht definiert, wo der verloren gegangene Pausenplatz neu entstehen soll.»

Die Grafik zeigt den Platzbedarf für Initiative und Gegenvorschlag auf einer Karte gegenübergestellt.

Mit separaten Beschlüssen haben sich Schulpflege und Gemeinderat bereits für den Bau einer Aula und eines Blockzeitenraums ausgesprochen. Die entsprechenden Kosten belaufen sich auf rund 1,3 Millionen Franken für einen freistehenden Bau, im Falle einer Integration beim Neubau der Turnhalle auf 1,2 Millionen Franken. Die Aula ist weder Teil der Initiative noch des Gegenvorschlags, weil dieses Anliegen unabhängig ist von der Hallenkapazität.

Weitere Entscheide stehen an

Noch sind jegliche Zahlen und Grundrisse, die für den Neubau der Turnhalle verglichen werden, Grobplanungen. Die Bäretswiler Bevölkerung wird nach dem Grundsatzentscheid im Februar sowohl über den Projektierungskredit als auch den Baukredit befinden müssen.

In den Vereinen wird derzeit aktiv für die Initiative geworben. Dass Sportvereine in einer Gemeinde oft erfolgreich mobil machen, zeigt sich immer wieder. «Wir haben klar eine Chance», sagt Nägeli.

Auch Teodoro Megliola ist sich dessen bewusst. «Die Stimmbevölkerung soll sich jetzt dazu äussern, wie viel Sportinfrastruktur man sich mit den Steuergeldern leisten will. »

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