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«Ich bin nicht bereit, die Verantwortung zu übernehmen»

​​​​​​​Die entmachtete Sozialvorsteherin Jacqueline Hofer (SVP) gilt als eine der Hauptschuldigen für die Missstände auf dem Dübendorfer Sozialamt. Jetzt wehrt sie sich gegen die Vorwürfe.

Jacqueline Hofer bekommt das Dossier Soziales bis zum Ende ihrer Amtszeit nicht mehr zurück.

PD

«Ich bin nicht bereit, die Verantwortung zu übernehmen»

Frau Hofer, im Laufe der langwierigen Administrativuntersuchung wurden Sie wiederholt befragt, wie haben Sie den ganzen Vorgang erlebt?
Jacqueline Hofer: Ich habe die Untersuchung von Anfang an unterstützt. Aber ich bin nicht bereit, die Verantwortung für Vorgänge zu übernehmen, die vor meiner Amtszeit geschehen sind oder die aufgrund der geteilten Organisationsstruktur gar nicht in meine Zuständigkeit fallen und für die ich keinen Zugang zu den relevanten Informationen hatte.

Wie beurteilen Sie das Fazit des Berichts?
Die Untersuchung ist zur richtigen Feststellung gelangt, dass die in der Sozialhilfe bestehende Aufgabenteilung zwischen Stadtrat und  Sozialbehörde die Hauptursache der aufgezeigten Probleme darstellt und selbst für die politischen Verantwortlichen auf beiden Seiten nicht verständlich ist.

«Unabhängig davon kenne ich den Unterschied zwischen Notwohnungen und Asylunterkünften.»

Sie haben nach der Wahl gesagt, dass Sie fachlich und vernetzungsmässig für das Ressort Sicherheit wesentlich besser geeignet wären. Hat der Stadtrat einen Fehler gemacht, Ihnen diesen Wunsch nicht zu erfüllen?
Einen Stadtratsentscheid gilt es zu respektieren. Ich strebte ursprünglich das Ressort Sicherheit an, für das ich die nötigen Qualifikationen besitze. Für das mir zugewiesene Amt als Sozialvorsteherin musste ich mir die nötigen Qualifikationen «on the Job» aneignen, bei meinem Amtsantritt gab es keine offizielle Amtsübergabe von meinem Vorgänger. Dieses Los teile ich mit vielen Kolleginnen und Kollegen, die in solche Ämter gewählt werden.

Der Bericht spricht Ihnen die fachlichen Fähigkeiten für die Arbeit als Sozialvorsteherin ab. So sei Ihnen zum Beispiel der Unterschied von Notwohnungen und Asylunterkünften nicht bekannt. Wie stehen Sie dazu?
Der Empfehlung des Untersuchungsberichts, im Bereich des kommunalen Rechts und des Sozialhilferechts eine Fachschulung zu absolvieren, stehe ich offen gegenüber. Unabhängig davon kenne ich den Unterschied zwischen Notwohnungen und Asylunterkünften.

«Es braucht Kontroll- und Sicherungsmassnahmen.»

Was sagen Sie zum Vorwurf, Sie hätten Ihre Führungsfunktion gegenüber der Leiterin Sozialhilfe dem Leiter Soziales nicht wahrgenommen und insgesamt zum Kader eine zu grosse, unkritische Nähe gehabt? Der Bericht spricht auch von mangelndem Durchsetzungsvermögen…
Die bisherige Untersuchung ist zu wenig differenziert, um individuelle Schuldzuweisungen zu treffen. Die Rollenunklarheit war bereits weit vor meinem Amtsantritt im Juli 2018 festzustellen. Solche strukturellen Mängel verunmöglichen im Ansatz eine effiziente Führungsarbeit. Aus diesem Grund unterstütze ich die Forderung des Untersuchungsleiters, dass die fachliche und personelle Trennung im Bereich Soziales aufgehoben und die Aufgaben neu aus einer Hand bewältigt werden. Zudem braucht es Kontroll- und Sicherungsmassnahmen.

(Das Interview wurde auf Wunsch von Jacqueline Hofer schriftlich geführt.)

Jacqueline Hofer tritt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl an. Das Dossier Soziales wurde ihr im September 2020 im Hinblick auf die Administrativuntersuchung entzogen und liegt noch bis Ende der Legislatur am 30. Juni in der Verantwortung von Stadtpräsident André Ingold (SVP).

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