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Nachfrage nach Lieferdiensten verdoppelt

Den Zmittag oder Znacht einfach per Mausklick bestellen – seit Beginn der Corona-Pandemie hat dieses Angebot einen extremen Aufschwung erlebt. Zwei Oberländer Gastronomen erzählen, wie sie diese Zeit erleben.

Immer mehr Restaurants bieten ihre Speisen auch mit Lieferdienst an., Das Hinwiler «Pirates» etwa hat vor zwei Jahren mit Lieferungen begonnen – mitten im Lockdown., Shefali Ismaili und sein «Big Burger»-Team sind derweil alte Hasen im Liefer-Geschäft.

Archivfoto: PD

Nachfrage nach Lieferdiensten verdoppelt

Burger, Pizza Margherita und Pommes Frites sind gemäss den Lieferdiensten «Uber Eats» und «Just Eat» die Top-Favoriten der Schweizer Bevölkerung, wenn es um Essensbestellungen geht. Mit dem ersten Lockdown im Frühling 2020 stiegen die Verkaufszahlen von Menüs, die direkt an die Tür gebracht werden, rasant an.

Manche Gastronomen, die zuvor alleine auf Speisen vor Ort setzten, haben denn vor zwei Jahren überhaupt erst einen Lieferdienst eröffnet. «Gab man damals in der Suchmaske Hinwil ein, zeigte es rund 30 Anbieter auf dem Markt an», sagt Andy Gröbli, Leiter Gastronomie des Hinwiler Restaurant Pirates. «Jetzt sind wir bei knapp 70.»

«Der Lieferdienst startete wie eine Rakete.»

Andy Gröbli, Leiter Gastronomie Pirates

Gröbli und sein Team, die neben dem « Pirates » unter anderem das « Porter House » in Uster oder die «Werkstatt 6» in Gossau betreiben, haben im ersten Lockdown zum ersten Mal mit einem Lieferdienst Essen ausgeliefert. «Dieser startete wie eine Rakete.»

Auf dem Bild sind drei Männer zu sehen, ganz rechts Andy Gröbli vom Pirates.

Der Boom habe rund fünf Monate angehalten und sich dann auf «hohem Niveau» eingependelt. Seither sei die Nachfrage allerdings wieder gesunken – unter anderem aufgrund des grösseren Angebots, vermutet Gröbli. «Das führt dazu, dass das Bestellverhalten abgenommen hat, obschon ein Digitalisierungspush stattgefunden hat.»

Kundenzahl stabil

Die Restaurantkette «Big Burger», die unter anderem zwei Standorte in Wetzikon und einen in Dübendorf hat, setzt seit je her auf Lieferdienste. Auch bei ihnen stieg die Nachfrage zu Beginn der Pandemie klar an. Aber: «Die Anzahl Kunden hat weder zu- noch abgenommen», sagt der Wetziker Geschäftsführer Shefali Ismaili.

Der Lieferdienst sei mehr beansprucht worden. «Die Restaurantbesucher haben leider durch diverse Einschränkungen die Lust auf den Besuch verloren, was dazu führte, dass wir in unseren Restaurants Umsatzeinbussen haben.» Daher sei man froh, dass durch den Lieferdienst der Verlust verringert wird.

Da «Big Burger» schon seit je her primär auf den Lieferservice setzt, werden rund 80 Prozent ihrer Speisen ausgeliefert. Trotzdem habe man aufrüsten müssen, um der Quantität an Bestellungen gerecht werden zu können.

Bei den Hinwiler Piraten beträgt das Liefergeschäft rund 25 Prozent des Gesamtumsatzes. Diese Zahl sei jedoch mit Vorsicht zu geniessen, sagt Andy Gröbli. «Pandemiebedingt sind die Gastroumsätze eingebrochen. Im Vergleich zu den Vorjahren ohne Covid würde das Liefergeschäft noch zirka 10 Prozent ausmachen.»

Das Pirates sei eher bekannt als Ausgeh- und nicht als Speiselokal. «Aber da die Küchen sowieso offen haben und die Struktur gelegt ist, können Lieferungen als verbesserte Auslastung der Geschäfte angesehen werden und werden ein wichtiger Bestandteil bleiben.»

Lieferplattformen zu Werbezwecken

Die Speisekarte des « Pirates » kann sowohl direkt beim Restaurant, als auch via «Uber Eats» oder «Just Eat» (ehemals «eat.ch») bestellt werden. «Wir bedienen gerne alle Plattformen, da diese ja zusätzlich Werbung machen», sagt Gröbli. «Für uns spielt es keine Rolle, über welchen Kanal die Bestellung reinkommt.»

«Wir rechnen nicht mit einem baldigen Rückgang. »

Séverine Götz, Pressesprecherin  «Just Eat»

Die Provisionen, die entrichtet werden müssen, seien nur minim anders. Abholungen und Bestellungen direkt über die Webshops seien natürlich provisionsfrei. «Und daher am beliebtesten.»

Auch Shefali Ismaili arbeitet zusätzlich zum eigenen Webshop mit «Just Eat» zusammen. Das verursache zwar Kosten. «Dank der einfachen Handhabung und wohl auch aus Gewohnheit stossen viele Kunden durch ‹ Just Eat › auf unsere Produkte. Dadurch können wir unseren Bekanntheitsradius erweitern.»

Mehr Lust auf Sündiges

Bei «Just Eat» verzeichnete man bereits im Januar 2020 einen neuen Rekord von 500’000 Bestellungen in der Schweiz. «Während dem Lockdown hat sich das Bestellvolumen in gewissen Regionen und zu gewissen Zeiten verdoppelt bis verdreifacht», sagt Pressesprecherin Séverine Götz.

Dabei habe sich das Bestellverhalten der Kunden verändert und so seien die Bestellungen im Verlaufe der Zeit vielfältiger geworden: Die Nachfrage nach dem griechischen Fladenbrot Pita stieg im Lockdown mit 150 Prozent am schnellsten, gefolgt von der japanisch-hawaiianischen Bowl (+102 Prozent) und der tibetischen Teigtasche Momo (+63 Prozent).

Auf dem Bild greifen zwei Hände nach einem Hamburger.

Dass das Verlangen nach zuckerreichen Mahlzeiten oder einem Glas Wein in herausfordernden Zeiten steigt, bestätigen die Daten über Süsses und Alkohol: Zu den Gerichten bestellten die Schweizerinnen und Schweizer fast doppelt so viel Bier (+98 Prozent), 70 Prozent mehr Wein, 70 Prozent mehr Mousse au Chocolat und 80 Prozent mehr Tiramisu. 

«Die Nachfrage ist noch immer hoch und wir wachsen weiterhin», sagt Götz. «Wir rechnen nicht mit einem baldigen Rückgang, denn die Lieferung von Mahlzeiten ist ein Bedürfnis einer mobilen und digitalen Gesellschaft.»

Dabei sieht sie die Lieferdienste nicht als Konkurrenz für Restaurants. «Über Food Delivery können Restaurants ihre Gäste auch so erreichen und weitere dazu gewinnen, während die Fixkosten gleichbleiben.»

In Zukunft wird weiter geliefert

Eine Hoffnung, die auch Shefali Ismaili teilt. «Die Freiheit, welche uns in Pandemiezeiten beschränkt zur Verfügung steht, wird wohl einen gewissen Aufschwung in unseren Restaurants bringen. Doch der Hauslieferdienst wird immer gefragt sein.»

Da sich die Kunden an die Lieferdienste gwöhnt haben, werden sie in ihrer Gesamtheit zunehmen, vermutet Andy Gröbli. «Es ist ja schliesslich bequem, von der stetig wachsenden Vielfalt zu wählen.» Doch nach der Pandemie, wenn die Restaurants wieder mehr besucht werden, werde es eine Bereinigung geben. «Sodass das Wachstum bei den Lieferanten wieder zunimmt, die dranbleiben.»

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