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Die Neujahrsrede, die nicht gehalten wurde

Als eine der letzten Oberländer Gemeinden hat Uster einen Neujahrsempfang durchführen wollen. Doch nun hat Corona auch diese Stadt schachmatt gesetzt.

Das Coronavirus hat auch die Stadt Uster mit ihrem Neujahrsempfang schachmatt gesetzt.

Christian Brändli

Die Neujahrsrede, die nicht gehalten wurde

Statt Absperrgitter säumen das Zeughausareal am Sonntag einige kleine Plakatständer: «Abgesagt» steht auf einem roten Balken, der über die Einladung zum Neujahrsempfang der Stadt Uster gelegt worden ist. Und so sind auf dem Gelände am Sonntagmorgen statt emsiger Vorbereitungen für den nachmittäglichen Anlass nur eine Familie am Rollschuhlaufen zu sehen.

Der Silvesterknaller

Uster wollte als eine der wenigen Gemeinden trotz Pandemie am Neujahrsapéro festhalten. Entsprechend war auch vorgesorgt worden: Der Anlass hätte an der frischen Luft stattfinden sollen und Einlass sollte nur erhalten, wer ein Covid-Zertifikat vorweisen könnte. Doch statt schöner Klänge von der Stadtmusik, der Rede der Stadtpräsidentin und diversen Häppchen sowie Getränken zum Anstossen gibt es nun – nichts.

Noch im alten Jahr am 29. Dezember kapitulierte das benachbarte kleine Seegräben vor dem Virus und verschob den auf den 2. Januar angesetzten Neujahrsapéro auf den April. Uster wartete noch zwei Tage länger zu. Doch an Silvester hiess es aufgrund der «neuesten Empfehlungen der Abteilung Sicherheit und des Bundesrates zur Pandemie-Situation» Stopp.

Veränderungen als Chance

Dabei hatte Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP) das Zeughausareal mit Bedacht als Veranstaltungsort ausgewählt. Wie der auf der städtischen Website aufgeschalteten – langen – Rede zu entnehmen ist, sollte dieser Ort dafür stehen, dass «Veränderungen auch Chancen» seien. Die Entwicklung des Areals sei für die Stadt sogar eine «grosse Chance».

 

Die Tore zum Zeughausareal sind zwar offen, doch das Virus blockiert den Zutritt.

Nach dem klaren Ja zum Projektierungskredit für ein Kultur- und Begegnungszentrum auf dem Gelände gelte es, nun zusammen mit der Bevölkerung weiter am Vorhaben zu arbeiten. Ende Januar werde die sogenannte Echogruppe ein erstes Mal zusammenkommen. In diesem Gremium sind Personen aus der Politik, der Wirtschaft, Kultur und Bildung sowie Anwohner vertreten. In rund zwei Jahren werde das Stimmvolk über das definitive Bauprojekt entscheiden.

Neues Parkraumregime in Vorbereitung

In ihrer nicht gehaltenen Rede wollte Thalmann auch auf die Entwicklung des Stadtzentrums zu sprechen kommen. Es habe sich gezeigt, dass die Ustermer sich ein Zentrum zum Verweilen und mit weniger Verkehr wünsche. Der Stadtrat fühle sich durch diese Rückmeldungen in seiner «Strategie Uster 2030» bestärkt.

In seiner letzten Sitzung im alten Jahr habe sich der Stadtrat damit befasst, wie der Verkehr im Zentrum in Zukunft «geführt und beruhigt» werden soll. Ein Ausfluss davon werde ein Parkraumkonzept, das nun in diesem Jahr erarbeitet werde.

Zu einer Belebung des Zentrums beigetragen habe die Verlegung des Wochenmarktes. Noch nicht richtig angekommen sei dagegen der Samstagmarkt. Dessen Weiterführung sei «vorerst» auf zwei Jahre beschränkt. «Der Samstagmarkt muss seine Bewährungsprobe erst noch bestehen.»

Das liebe Geld

Zu sprechen kommen wollte die Stadtpräsidentin auch auf das Inklusionsprojekt – eine «Stadt für alle» -, mit welchem «Uster Massstäbe gesetzt» habe. Obwohl das Projekt im 2021 fristgemäss nach vier Jahren beendet worden sei, finde die Inklusion in Uster eine Fortsetzung. Nun gelte es, dieses Thema in den Alltag zu überführen. Integrationsangebote gebe es aber auch für Sozialhilfebezüger, Asylsuchende und Flüchtlinge. Diese zielten alle darauf ab, diese Leute in die Arbeitswelt zu integrieren.

Schon 2021 gab es keinen Neujahrsapéro: Barbara Thalmann während der Aufzeichnung ihrer damaligen Videoansprache.

Zu den Veränderungen zählt Thalmann auch den Ausbau der Tagesschulen sowie das neue Angebot der Heime: Ab Mitte Januar wollen diese auch tage- oder nächteweise Platz bieten. Damit sollen Angehörige, die die Senioren sonst betreuen, vorübergehend entlastet werden.

Das das alles kostet, verhehlt die Stadtpräsidentin nicht. So seinen die Finanzen denn auch die grösste Herausforderung. Quasi als Beruhigungspille für das coronagebeutelte Volk meint sie aber, «dass die schlimmsten Szenarien diesbezüglich nicht eingetreten sind». So habe der Stadtrat denn dem Gemeinderat auch beantragt, «keine weitere Steuererhöhung» durchzuführen.

Hoffnung am See

Und schliesslich wollte Thalmann im Zusammenhang mit dem ewigen Projekt eines neuen Seerestaurants gleich auch schon etwas Wahlkampf betreiben: «Seit 2014 ist die Stadt Uster an diesem Projekt dran, zwei Stadtpräsidenten haben schon gehofft, das Gebäude einweihen zu können. Ich bin jetzt die Dritte in der Warteschleife, aber so gut wie diesmal hat es noch nie ausgesehen! Ich wage jetzt tatsächlich die Aussage, dass ich in meiner Amtszeit, sofern die Wahlen so verlaufen wie erhofft, das neue Seerestaurant werde einweihen können!» Aber eben, diese Rede konnte sie wegen Corona ja gar nie halten.

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