Herr Trachsel, Sie leiten die Intensivstation Uster seit 2015 und haben die Pandemie in dieser Funktion also von Anfang an erlebt. Können Sie sich noch an die Gefühlslage der ersten Monate erinnern?
Christian Trachsel: Im Frühling 2020 waren wir noch in einer leicht euphorisierten Stimmung. Es war eine völlig neue Krankheit. Wir machten selbst neue Erfahrungen, dazu kamen immer neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Mit der Zeit hat man sich dann ein wenig daran gewöhnt. In der zweiten Welle zwischen Herbst 2020 und Frühling 2021, hatten wir oft bis zu fünf Covid-Patienten gleichzeitig auf der Station. Durch die grosse Zahl hat sich eine gewisse Routine eingestellt.
Routine?
Ja, das Betreuungsteam hat ständig dazugelernt und wir konnten uns in der Beatmung schwerst kranker Lungen und Patienten weiterentwickeln. Daneben gab es aber auch viele tragische Verläufe, es mussten unzählige Gespräche mit Angehörigen geführt werden. Manche Patienten konnten trotz wochenlanger Bemühungen am Ende nicht am Leben erhalten werden.

