Wetziker Stadtrat hält an Westtangente fest
Der Entscheid des Kantons, das Projekt der Westtangente nicht mehr weiterzuverfolgen, hatte im Herbst hohe Wellen geworfen. Die im kantonalen Richtplan verankerte Umfahrungsstrasse hat die Wetziker Verkehrs- und Stadtplanung jahrelang mitgeprägt, dementsprechend emotional wurde der Entscheid in der Region aufgenommen und diskutiert.
In seinem neuesten Stadtratsbeschluss nimmt nun auch die Wetziker Exekutive zu diesem Entscheid deutlich Stellung. «Die gemeinsame Kommunikation vom 10. September 2021, das Projekt aus umweltrechtlicher Sicht nicht weiterzuverfolgen, ist keine Beipflichtung», hält der Stadtrat fest.
Nur über die Rosinlistrasse
Im Weiteren erklärt er schliesslich ausführlich, warum für ihn die auch weiterhin an der Westtangente festhalten möchte. «Diese Strasse ist planungsrechtlich die einzige Lösung, die Wetzikon vom Verkehr entlasten kann. Bislang gibt es keine andere gleichwertige Alternative», sagt Stadtpräsident Ruedi Rüfenacht (EVP). Und: «Es wäre gut, wenn der Kanton noch einmal auf seinen Beschluss zurückkommen würde.»
Angesichts des Umstands, dass der Moorschutzperimeter nicht mehr verschoben werden kann, müssten für diese Lösung zwar zwei erst 2011 errichtete Mehrfamilienhäuser an der Rosinlistrasse abgebrochen und die Eigentümer folglich enteignet werden. Der Kanton hatte hier die Verhältnismässigkeit nicht gegeben gesehen.
«Es wäre gut, wenn der Kanton noch einmal auf seinen Beschluss zurückkommen würde.»
Ruedi Rüfenacht, Stadtpräsident Wetzikon (EVP)
Bei der Stadt Wetzikon sieht man das ganz anders. In seinem Beschluss stuft der Stadtrat das Vorhaben als «politisch durchsetzbar» ein. «Dieser Weg wäre für die Liegenschaftsbesitzer zweifelsohne einschneidend, umgekehrt würde aber ganz Wetzikon davon profitieren», unterstreicht Stadtpräsident Rüfenacht.
Ohne Westtangente, so gibt er zu bedenken, würde rund um den jetzt schon überlasteten Ochsenkreisel im Norden mehr Platz für Abbiegungen benötigt. Zwar müssten auch mit der Westtangente mittelfristig je ein Gebäude an der Pfäffiker- und an der Hinwilerstrasse zumindest teilweise abgerissen werden. Ohne Westtangente wären dagegen fünf Liegenschaften, zwei davon auch an der Bahnhofstrasse, betroffen.
Kanton bleibt bei seiner Einschätzung
«Dass unter diesem Gesichtspunkt die Enteignungen an der Rosinlistrasse nicht einmal diskutiert wurden, können wir nicht nachvollziehen», sagt Rüfenacht. Ebenso unklar sei folglich auch die Antwort auf die Frage einer allfälligen Finanzierung. «Auch das konnten wir uns nicht gemeinsam mit dem Kanton anschauen.»
Die Verkehrsalternativen Wetzikons – ein Glossar
17.12.2021

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Beim Kantonalen Amt für Mobilität gibt man sich in der Frage zurückhaltend. Die stellvertretende Kommunikationsbeauftragte Lucia Frei sagt, dass sich an der Einschätzung Stand Heute nichts verändert habe. Weiter verweist sie auf die Gespräche, die Anfang 2022 aufgenommen werden: «Wir wollen einzelne Varianten und Vorschläge zuerst mit dem Wetziker Stadtrat diskutieren, bevor wir sie gegenüber den Medien kommentieren.»
Alternativen völlig unklar
Illusionen macht sich Rüfenacht aber keine. Er sagt: «Nach dem Beschluss der Volkswirtschaftsdirektion, sehen wir grundsätzlich keine Chance mehr auf eine Realisierung.» Frühestens bis im Sommer 2022, wenn die Westtangente aus dem Richtplan gestrichen werden soll, gebe es überhaupt erst wieder Handhabe. Deshalb sei es nun an der Zeit, mit dem Kanton an Alternativen zu arbeiten.
Darüber wiederum zeigt man sich beim Amt für Mobilität froh. «Wir begrüssen den Vorschlag, das weitere Vorgehen zu klären und gemeinsam Massnahmen auszuarbeiten, wie der der Verkehr in Wetzikon unter den neuen Voraussetzungen verbessert werden kann», sagt Lucia Frei.
Wie diese allerdings aussehen könnten, steht freilich noch in den Sternen. Klar ist nach diesem Stadtratsbeschluss eigentlich nur, dass die Wetzikon seine Position dargelegt hat. Die Suche kann beginnen.
