Eisiges Kunstspektakel in Dübendorf
Gerade erst schnitzte er in Genf ägyptische Gottheiten aus Eis, nun hat er in Dübendorf Station gemacht: Am Wochenende gab der Eisskulpteur Kurt Wüst vor der Oberen Mühle Einblick in die Entstehung seiner Werke.
Vier Figuren – ja, eine davon ist natürlich ein Einhorn, das Dübendorfer Wappentier – stellte der Walliser an zwei Abenden her. Der grobe Zuschnitt nahm er mit der Kettensäge vor, der Feinschliff erfolgte danach mit Werkzeug, das auch für die Holzverarbeitung gebraucht wird, wobei Wüst auf Klingen aus kaltgeschmiedetem Stahl japanischer Machart zählt.
Zu kalt ist nicht gut
Die 120 Kilo schweren Eisblöcke kommen aus eigener Produktion, ein Kältetechniker hat ihm hierfür eine spezielle Anlage konstruiert. Das Eis wird jeweils, gut verpackt, per Lieferwagen an den gewünschten Ort transportiert.
Nach der mehrstündigen Fahrt haben die Blöcke dann auch gleich die richtige Bearbeitungstemperatur. «Ideal sind fünf bis sechs Grad minus», sagt Wüst. «Bearbeitet man das Eis direkt aus dem Tiefkühler, zerspringt es.»
Der Bock schmilzt zur Geiss
Der pensionierte Bäckermeister ist ein gefragter Mann, hat seine Skulpturen schon für verschiedene namhafte Unternehmen im In- und Ausland hergestellt. Im Europapark fräste und schnitzte er gar einmal riesiges Matterhorn aus dem Eis – 50 Blöcke mit einem Gesamtgewicht von 6 Tonnen waren dafür nötig.
Dass die Temperaturen in Dübendorf in den nächsten Tagen auf bis zu fünf Grad steigen, beunruhigt Wüst nicht. «Ein paar Plusgrade sind nicht weiter schlimm», sagt er. «Wenn nicht gerade die Sonne direkt reinscheint, halten die Skulpturen schon ein paar Tage.»
Damit die Stabilität gewährleistet bleibt, behilft sich Wüst eines Tricks: «Wenn ich zum Beispiel einen Steinbock mache, dann einen alten, mit dicken, kräftigen Beinen. Wenn das Eis dann schmilzt, wird der Bock mehr und mehr zu einer jungen, schlanken Geiss – ohne dass die Skulptur einstürzt.»
