Dübendorfer Expo-Pläne bleiben unkonkret
Die Begeisterung und Aufbruchstimmung war förmlich mit den Händen greifbar, als die Initianten hinter dem Projekt «X27» im Mai 2017 ihre Pläne für eine Landesausstellung auf dem Flugplatz Dübendorf vorstellten. Es gab viele grosse Ideen, richtige Visionen gar, aber – im Anfangsstadium von grossen Vorhaben durchaus üblich – wenig Konkretes. Nur eines schien sicher: Der Flugplatz Dübendorf soll in dem Ganzen eine tragende Rolle spielen. Das wurde mit ersten Visualisierungen unterstrichen.
Die politischen Verantwortlichen reagierten so, wie sie in solchen Fällen immer reagieren: grundsätzlich positiv gestimmt, aber auch abwartend und mit gewissen Vorbehalten. Seither fanden keine vertiefenden Gespräche mehr statt. Die Initianten ihrerseits lieferten auf dem Militärflugplatz noch zwei Updates über den Stand des Projekts, waren in der Region ab 2019 aber kaum mehr öffentlich wahrnehmbar; der Austausch fand seither vorwiegend im digitalen Raum statt.
Ist Dübendorf aus dem Spiel?
Stattdessen trat die Konkurrenz ins Rampenlicht. Die zehn grössten Schweizer Städte festigten ihre Pläne für eine dezentrale Landesausstellung, die Idee für eine Alpen-Expo wurde geboren, und die Nordwestschweiz kündigte an, Mitte November das Siegerprojekt für ihre eigene Landesausstellung «Svizra27» vorzustellen.
«Der Flugplatz Dübendorf wäre nach wie vor ideal und ist unser priorisierter Standort, aber ein Ort allein macht noch keine Expo.»
Peter Sauter, dem Co-Präsidenten des Vereins X27
Und die «X27»? Nachdem die Idee stets untrennbar mit dem Flugplatz Dübendorf verbunden schien, zitierte die NZZ diesen Sommer auf einmal relativierende Aussagen von Peter Sauter, dem Co-Präsidenten des Vereins X27. Er könne sich auch andere Orte vorstellen, war da zu lesen. Wo die Expo stattfinde, stehe nicht im Vordergrund.
Ist Dübendorf damit mehr oder weniger aus dem Spiel? «Nein», sagt Sauter, «der Flugplatz Dübendorf wäre nach wie vor ideal und ist unser priorisierter Standort.» Wenn es dort nicht möglich sei, bedeute das aber nicht, dass es keine Landesausstellung gebe. «Ein Ort allein macht noch keine Expo.»
Eigentlich hat sie schon begonnen
Diese Aussage macht Sauter vor dem Hintergrund, dass die «X27» aus Sicht der Initianten in Form eines Prozesses eigentlich schon seit der Lancierung der Idee im Jahr 2017 läuft. Und auch noch über das Jahr 2027 hinaus laufen soll. Denn der Kern der Expo sind sogenannte «Bogenprojekte», ortsunabhängige Initiativen aus der Zivilgesellschaft.
Sie beschäftigen sich etwa mit der Frage, wie eine abfalllose Zukunft gestaltet oder die soziale Gesundheit der Bevölkerung verbessert werden kann. Sie betreiben ein Leihlager für Werkzeuge, Fotokameras und Kindersitze. Oder sie loten aus, wie die ökologische und soziale Spaltung der Gesellschaft verkleinert werden könnte. Gemäss Sauter sind es aktuell 45 Bogenprojekte, rund 200 Kontakte zu weiteren Initiativen habe man noch nicht vertiefen können. Das Potenzial schätzt er auf 1000 Projekte.
Der Kulminationspunkt dieser Initiativen soll dann die eigentliche Landesausstellung an einem Ort wie dem Militärflugplatz in Dübendorf sein. Dieses «Rendez-vous der Schweiz», wie es die Leute hinter «X27» nennen, muss laut Co-Präsident Sauter nicht wie die «Expo.02» fünf Monate dauern und zehn Millionen Besucher anziehen. «Es wäre auch möglich, das Ganze in einem kleineren Rahmen und nur während eines Monats durchzuführen, auf jeden Fall aber wird es ein grosses Fest, bei dem sich Gross und Klein aus allen Landesteilen der Schweiz treffen werden.»
In ihren Plänen bestätigt fühlen sich die «X27»-Macher von der Reaktion der Konferenz der Kantonsregierungen, der sie ihr Projekt im Sommer vorgestellt und die Anwesenden auch gleich mittels eines kleinen Workshops in die Arbeit einbezogen hätten, wie Sauter sagt. «Die Regierungsrätinnen und Regierungsräte waren überrascht und auch begeistert.»
Wie beim Frauenstreik
Sauter erhofft sich durch «eine stark inhaltlich geprägte Landesausstellung» und deren Höhepunkt, dem «Rendez-vous der Schweiz», einen ähnlichen Impuls für das Land wie zum Beispiel durch den ersten Frauenstreiktag im Jahr 1991. «Damals gab es im Vorfeld auch viele Initiativen und gute Ideen von verschiedenen Organisationen. Man hat geredet, sich zusammengerauft und am Streiktag gemeinsam einen sehr wichtigen Schritt in die Zukunft gemacht.»
Das ist auch der Grund, wieso die «X27»-Macher wenig davon halten, dass derzeit vier Gruppierungen separate Ideen für eine Expo entwickeln. «Wir sind der Meinung, dass wir unsere Kräfte bündeln sollten», sagt Sauter. Dass die Projekte sehr unterschiedlich seien, könne dabei nur ein Vorteil sein, weil sie die Vielfalt und gleichzeitig die Einheit der Schweiz symbolisierten. «Gespräche mit den Initianten sind im Gange.»
