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Wetzikon soll mehr Geld fürs Frauenhaus zahlen

Das Problem der häuslichen Gewalt beschäftigt derzeit die Schweiz. Auch der Grosse Gemeinderat in Wetzikon nahm sich an der Sitzung vom Montagabend dem Thema an und bezog dabei klar Position. Nun muss der Stadtrat handeln.

Die aktuelle Sotomo-Studie hält fest, dass 42 Prozent aller Frauen bereits Erfahrungen mit häuslicher Gewalt gemacht haben.

PD

Wetzikon soll mehr Geld fürs Frauenhaus zahlen

Es sind erschreckende Zahlen, die die Forschungsstelle Sotomo heute in ihrer neuen Studie zu häuslicher Gewalt veröffentlichte. Nicht weniger als 42 Prozent der befragten Frauen und 24 Prozent der Männer in der Schweiz haben bereits Gewalt in der Partnerschaft erlebt. Für viele gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder seien deshalb Frauenhäuser eine wichtige Anlaufstelle und gleichzeitig eine Chance, die Gewaltspirale verlassen zu können.

Wie dringlich das Thema ist, zeigt sich auch am Umstand, dass es just am Abend zuvor im Grossen Gemeinderat Wetzikon behandelt wurde. Die SP-Gemeinderätin Brigitte Meier Hitz hatte den Stadtrat in einem Postulat aufgefordert, das Frauenhaus Zürcher Oberland mit einem jährlichen Betriebsbeitrag zu unterstützen – so wie er es bereits bis Ende 2013 getan hatte. Überdies solle auch ein Investitionsbeitrag für den Aufbau eines Männerhauses im Kanton Zürich geleistet werden.

Letztmals 2018 beteiligt

Der zuständige Stadtrat Remo Vogel (Die Mitte) wies in seiner Antwort die Forderung zurück. « Selbstverständlich » werde im Einzelfall subsidiär eine Kostengutsprache durch die Sozialbehörde erteilt. Letztmals sei das im Januar 2018  geschehen. In diesem Jahr seien zwei Anträge geprüft, aber kein Betrag bewilligt worden. Bei den Männern habe dagegen noch gar nie ein solches Gesuch behandelt werden müssen.

Für die Wiedereinführung der regelmässigen Beiträge ans Frauenhaus, die damals wegen einer « angespannten Finanzlage » gestrichen wurde, sieht er folglich keinen Anlass. Denn: « Gemäss seiner Bilanz steht das Frauenhaus Zürcher Oberland auf einem soliden Fundament. »

Die Postulantin zeigte sich angesichts dieser Antwort « enttäuscht » und warf dem Stadtrat eine Verkennung der Lage vor. Das Thema sei dringender denn je, in der Schweiz würden hunderte Plätze fehlen. « Speziell in der Corona-Pandemie sind die Plätze knapp geworden » , mahnte sei.

Sockelfinanzierung zielführender

Eine Sockelfinanzierung von der öffentlichen Hand sei zielführender als über Spenden oder die von Wetzikon verfolgte Strategie der subsidiären Kostenbeiträge in Einzelfällen, weil sie weniger administrativen Aufwand verursachen. « Wenn sich Gemeinden wie Wetzikon um die Verantwortung drücken regelmässige Betriebsbeiträge zu bezahlen, gefährden sie die Existenz der Frauenhäuser und damit auch einen Ausweg für Frauen und Kinder in akuter Not und die Möglichkeit zur Krisenintervention. »

Stephan Mathez (Grüne) untermauerte darauf die Aussagen von Meier Hitz mit Zahlen. Im letzten Jahr seien schweizweit rund 20‘000 Fälle polizeilich registriert worden. « Heruntergebrochen auf Wetzikon wären das rund 60 Fälle, wobei deren 20 Männer betreffen würden » , rechnet er vor.

« Wenn sich Gemeinden wie Wetzikon um die Verantwortung drücken regelmässige Betriebsbeiträge zu bezahlen, gefährden sie die Existenz der Frauenhäuser. »

Brigitte Meier Hitz (SP)

Von den Handvoll Fällen, die der Stadtrat suggeriere, dürfe man also nicht ausgehen. Im Gegenteil: Man müsse sich bewusst sein, dass es sich nur um die Spitze des Eisbergs handle und die Dunkelziffer dementsprechend gross sei.

Gute Lage für ein Männerhaus

Wichtig war Mathez auch, die Frage nach dem Männerhaus, respektive Wetzikon als möglichen Standort dafür noch einmal ins Zentrum zu rücken. « Wetzikon ist verkehrstechnisch sehr gut gelegen und würde sich dafür anbieten » , meinte er. Da es sich um ein ausgewiesenes gesamtgesellschaftliches Anliegen handle könnte man hier vorangehen und davon profitieren. « Das ist auch eine Chance. »

Mit ihren Appellen, so zeigte sich zum Schluss, hatten die beiden Vertreter aus dem links-grünen Lager offensichtlich nicht nur den Nerv der Zeit getroffen, sondern auch ihre Mitparlamentarier überzeugt. Das Postulat wurde in der Schlussabstimmung mit deutlicher Mehrheit überwiesen. Der Stadtrat hat nun bis zum 4. Juli 2022 Zeit zur Berichterstattung und Antragsstellung.

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