Ustermer Schauspieler flimmert in Kinostreifen über die Leinwand
Der 60-jährige Ustermer Schauspieler Ingo Ospelt spielt im neuen Film «Und morgen seid ihr tot» des Zürcher Regisseurs Michael Steiner einen Vater in einer Extremsituation. Im Film wird er damit konfrontiert, dass seine Tochter während einer Busreise mit ihrem Partner in Pakistan von Banditen entführt wird. Das Paar wird an die Taliban verkauft und über acht Monate in Gefangenschaft gehalten.
Die Schweizer Ämter verhandeln währenddessen mit dem pakistanischen Staat und den Taliban über die Befreiung des Paares sowie Lösegeldforderungen. Schliesslich gelingt den Geiseln eine spektakuläre Flucht und sie kehren in die Schweiz zurück. Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Buch, das die reale Entführungsgeschichte des Schweizer Paares Daniela Widmer und David Och im Jahr 2011 erzählt.
Auf die Freude folgte der Schock
Die Figur von Ospelt hat im Film eine gewichtige Präsenz. Zuerst musste er den Job aber überhaupt ergattern. «Das Casting für so eine Rolle in einer grossen Schweizer Produktion ist immer eine grosse Unbekannte», so der Schauspieler. «Man weiss nie, was die Produktion genau will.»
«Ich hatte Existenzängste und fragte mich, ob es die Schauspielerei überhaupt noch braucht.»
Ingo Ospelt, Ustermer Schauspieler
Ospelt, der bisher in diversen Schweizer Grossproduktionen wie «Die göttliche Ordnung», «Der Kreis» oder «Zwingli» in Nebenrollen zu sehen war, musste beim Vorsprechen zwei vorgegebene Szenen vorspielen. «Dann beginnt das Warten. Man sagt sich, auch aus einem gewissen Selbstschutz vor der Enttäuschung einer Absage, dass die Chancen eher gering sind», so der Schauspieler. Umso mehr freute er sich dann über die Zusage.
Auf die Freude folgte jedoch der Schock: Der Corona-Lockdown im April des vergangenen Jahres stellte die Realisierung des ganzen Filmprojekts in Frage. «Ich hatte in der Folge Existenzängste und fragte mich ernsthaft, ob es die Schauspielerei überhaupt noch braucht», so der Ustermer.
Innige Umarmung trotz Stopp-Rufen
Im Juni 2020 wurde schliesslich im völlig verwaisten Zürcher Flughafen gedreht. «Es war eine zugleich gespenstische, aber auch inspirierende Atmosphäre», erinnert sich Ospelt. Besonders die Ankunftsszene der befreiten Geiseln, in der der Vater seine Tochter gemeinsam mit der Mutter innig umarmt, sei «emotional speziell aufgeladen» gewesen. «Ich kannte Morgane Ferru, die im Film meine Tochter spielt, vorher kaum. Irgendetwas ist beim Spielen der Szene aus uns drei herausgebrochen und wir wollten trotz ‘Stopp-Rufen’ der Regie nicht mehr von uns lassen.»
Ospelt fühlte sich insgesamt so gut auf die Rolle vorbereitet, dass er im Vorfeld gar ein Treffen mit dem betroffenen Vater ausgeschlagen hat. «Als Vater von drei erwachsenen Kindern konnte ich mich grundsätzlich gut genug in die Rolle einfühlen», so der Schauspieler. «Ich wusste, dass der reale Vater ein zupackender Unternehmer ist, der sich aus eigener Kraft emporgearbeitet hatte. Darauf konnte ich aufbauen und der Rolle gleichzeitig eine eigene darstellerische Note geben.»
Ingo Ospelt hat den Film bisher zwei Mal gesehen. «Das erste Mal an der Premiere am Zürcher Film Festival. Da war viel Trubel und ich war zu nervös, um den Film wirklich analytisch zu sehen.» Nach dem ruhigeren zweiten Betrachten sei er sowohl mit seiner Leistung, wie auch mit dem Film als Ganzes sehr zufrieden, so Ospelt. Er hegt jedoch weiterhin einen grossen Traum: Das Spielen einer Kinofilm-Hauptrolle. «Wir werden sehen. Mit dieser aktuellen Rolle bleibe ich in jedem Fall im Gespräch – das ist wichtig. Und: Schauspielerisch kann ich noch mehr.» (Andreas Leisi)
Geheimnis um staatliche Lösegeldzahlungen
Der Film «Und morgen seid ihr tot» deutet am Schluss auf die Kontroverse hin, welche der reale Entführungsfall im Jahr 2011 ausgelöst hatte: Bis heute ist unklar, ob die Schweiz Lösegeld für die Befreiung der Geiseln gezahlt hatte. Während das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) jegliche Zahlungen kategorisch abstritt, wurde gemäss Recherchen diverser Medien angeblich eine Zahlung von fünf Millionen US-Dollar in die Wege geleitet. Die Flucht der Geiseln machte die Überweisung dann jedoch überflüssig.
Diverse Medien zweifelten die Fluchtversion des entführten Paars jedoch an und stellten die Vermutung in den Raum, dass die Befreiung tatsächlich auf Lösegeldzahlungen fusste. Zudem wurde dem Paar Leichtsinn und zum Teil gar eine Mitschuld vorgeworfen, weil sie sich durch das Bereisen des als gefährlich bekannten Gebiets selbst in Gefahr gebrachten hatten. Es wurde gefordert, dass das Paar einen Teil der Staatskosten, die durch die monatelangen Verhandlungen entstanden seien, selbst übernehmen solle.
Daniela Widmer und David Och hatten sich einige Zeit nach ihrer Befreiung getrennt, sind aber gemäss eigenen Aussagen weiterhin freundschaftlich verbunden. Beide haben zwischenzeitlich eigene Familien gegründet.
«Und morgen seid ihr tot» läuft am Sonntag, 7. November, um 18 Uhr und 20.30 Uhr; und am Montag, 8. November, um 20.30 Uhr im Kino Qtopia in Uster. Infos unter www.qtopia.ch (lei)

