Einen Standpunkt zu schreiben, ist einfach: Eigentlich ist es wie ein Ein-Frau-Stammtisch, wo mir niemand reinredet, aber mir trotzdem viele zuhören. Ich muss mit niemandem die Klingen kreuzen, niemand widerspricht meinen Argumenten – vielleicht im Stummen Zuhause, vielleicht in einem Leserbrief, aber nicht direkt. Ich kann einfach in dem Glauben leben, dass das, was ich hier schreibe, das einzig Wahre ist.
Das glaube ich nicht. Und trotzdem beschäftigt es mich. Ich hatte in den vergangenen Monaten viele Unterhaltungen rund um das Thema, ob man heute «überhaupt noch seine Meinung sagen darf». Ich bin der Überzeugung, dass man das kann und darf, ja, dürfen und können muss. Ich bin aber auch der Überzeugung, dass uns eines abhanden gekommen ist. Und das ist Toleranz.
«Aber sind wir einmal ehrlich: So wirklich tolerant sind wir alle nicht mehr.»
Genau wie nie jemand ein Rassist oder ein Sexist sein will, genauso wenig lässt sich jemand als intolerant betiteln. Für alles findet man immer eine Ausrede. Aber sind wir einmal ehrlich: So wirklich tolerant sind wir alle nicht mehr. Denn tolerant zu sein bedeutet, seinen eigenen Standpunkt zu haben und trotzdem zu akzeptieren, dass andere es vielleicht anders sehen.
«Andere» sind deswegen nicht dumm oder haben zu wenig nachgedacht. Nein: Sie sehen es schlichtweg anders oder gewichten andere Dinge stärker. Ist das gut? Ist das schlecht? Weder noch. Und da liegt die Krux, die viele von uns heute nicht mehr akzeptieren können: Es gibt nicht immer ein «Besser» oder ein «Schlechter» – manchmal, da ist es einfach nur «anders». Und das ist gut so.

