Dritter Impfstoff kommt – was sagen die Experten?
Impftempo laut Bund immer noch zu niedrig
Obwohl die Impfzahlen in den vergangenen Wochen gestiegen sind, ist das Impftempo laut dem Bund immer noch zu niedrig. Im Vergleich zum Ausland laufe die Schweiz hinterher.
66 Prozent aller über 12-Jährigen seien komplett geimpft, sagte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle im Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Mittwoch vor den Medien in Bern. «Das ist immer noch zu wenig, um eine genügende Immunisierung bis im Winter zu erreichen.»
Masserey warb erneut für die Impfung. Die aktuelle ruhige epidemiologische Lage sei der ideale Zeitpunkt, sich impfen zu lassen. «Wir müssen die Lage ausnützen.» Die Situation könne sich leider schnell ändern, beispielsweise bei einem Wetterwechsel.
Die Belegung der Spitäler geht laut dem Bund zwar allmählich zurück. Doch es könne schnell gehen, bis es wieder kritisch werde. Masserey erinnerte daran: «Es liegen vor allem ungeimpfte junge Personen in den Spitälern.»
Tests für Zertifikate sollen nicht zwingend gratis bleiben
Tests nur für ein Zertifikat sollen nicht zwingend gratis bleiben. Dieser Meinung ist Linda Nartey, Vizepräsidentin der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte (VKS).
Wichtig sei, dass Tests erhältlich seien, vor allem für Personen mit Symptomen, sagte Nartey am Mittwoch vor den Medien in Bern. In Schulen und Gesundheitszentren seien die Tests weiterhin gratis. Aus Sicht der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte müsse eine möglichst hohe Durchimpfung erreicht werden, sagte Nartey.
Vektorimpfstoff braucht nur eine kleine Minderheit
Medizinisch angezeigt ist der Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson eigentlich nur für eine verschwindend kleine Minderheit der Bevölkerung. Christoph Berger von der Schweizer Impfkommission sagte am Mittwoch, die beiden gebräuchlichen mNRA-Impfungen von Pfizer/Biontech und Moderna könnten weniger als 100 Menschen im Land nicht vertragen.
Der nach herkömmlicher Methode hergestellte Adeno-virale Impfstoff eröffnet aber eine neue Möglichkeit für Menschen mit einer Skepsis gegenüber den mRNA-Impfungen, wie Berger, der Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (Ekif), am Mittwoch vor den Medien in Bern erklärte.
Das Produkt schütze fast ebenso zuverlässig wie die mNRA-Impfstoffe vor einem schweren Krankheitsverlauf oder einer Ansteckung. Die Ekif hat gemäss Berger ihre Impfempfehlungen für den ab nächste Woche erhältlichen Impfstoff angepasst.
Demnach kann Personen über 18 Jahren die Einmaldosis der Impfung verabreicht werden, die aus medizinischen Gründen die mRNA-Impfungen nicht vertragen. Allergiker können sich grundsätzlich problemlos mit einem mRNA-Impfstoff immunisieren lassen.
Es gibt den Angaben zufolge nur ganz wenige medizinische Indikationen, die gegen die Verwendung von mNRA-Impfungen sprechen. Dazu gehören schwere allergische Reaktionen auf einen Inhaltsstoff. Wird eine solche befürchtet, sollte das im Vorfeld fachärztlich abgeklärt werden.
Thrombose-Risiko
Schwangere und Menschen mit Immundefiziten sollen sich nicht mit dem Produkt von Johnson & Johnson impfen lassen. Auf jeden Fall muss gemäss Berger das Risiko zwischen der Impfung mit dem Adeno-viralen Mittel und einer Covid-19-Erkrankung abgewogen werden. Bei der Impfung nämlich können in seltenen Fällen bei Frauen unter 60 Jahren Thrombosen auftreten. Dieses Risiko besteht bei den mRNA-Impfungen nicht.
Zur Auffrischungsimpfung sagte Berger, bisher seien noch alle vollständig Geimpften ausreichend geschützt. Die Lage werde aber laufend beobachtet. Sicher sei, dass die Bevölkerung im Erwerbsalter sie vorerst nicht brauche.
(sda)

