Wenn Politiker nach ihrem Erweckungsmoment gefragt werden, erinnern sie sich nicht selten an ein bestimmtes Ereignis. Eines, das ihnen die Augen geöffnet, sie in ihrer Meinung bestärkt oder sie wütend gemacht hat. So ein Erlebnis kennt auch Kilian Meier.
Der neue Ratspräsident der Stadt Illnau-Effretikon sitzt an diesem schönen Spätsommerabend auf der Terrasse des Sportzentrums Eselriet. Er nimmt einen Schluck aus seiner Rivella-Flasche und erinnert sich an seine Jugend.
«Ich war ein Befürworter der Ausschaffungsinitiative und habe mich enorm daran gestört, dass es ständig hiess, sie könne nicht umgesetzt werden. Ich habe sogar meine Maturarbeit zum Thema «Umsetzung von Volksinitiativen» verfasst.»
Mit dieser Arbeit, sagt Meier, habe schliesslich sein Weg zur Einsicht begonnen, dass die Dinge nicht einfach «nur schwarz und weiss» sind. Das wiederum habe seine Faszination für die Politik genährt. «Heute weiss ich, dass es für jedes komplexe Problem eine einfache Lösung gibt. Und dass diese immer falsch ist.»
Nüchtern mit Ausrufezeichen
Es ist einer dieser pointierten Sätze, in dem sich Kilian Meiers Wesen ziemlich gut spiegelt. Im Verlauf des Gesprächs wird er noch weitere einstreuen, er scheint diese Kunst zu beherrschen. Der junge Jurist spricht flüssig und viel, er kann sich gut ausdrücken und trotz betonter Nüchternheit auch mal ein Ausrufezeichen setzen. Das sind wichtige Qualitäten für einen Politiker.

