Vom Toni-Gumpe zum «Sunnebad» und hinab ins sagenumwobene Hagheerenloch
In nur acht Minuten fährt man mit dem Postauto vom Bahnhof Turbenthal nach Tablat zum Start der Wanderung. Dort, auf dem Weg zur Tössbrücke, steht die Hinweistafel über Jakob Stutz, den Volksdichter, Aufklärer und Zeitzeugen des 19. Jahrhunderts.
Die Richtung links der Töss entlang führt zum sogenannten Toni-Gumpe. Ein künstlicher Wasserfall, der auf der gesamten Breite mächtig über die Schwelle hinabstürzt und von Gross und Klein im Sommer häufig als Badeplatz besucht wird.
Daneben im Waldschatten bieten sich für Erholungssuchende grosszügige Grillstellen an. Links geht es nun kurz leicht bergauf zur Manzenhubstrasse, die schon nach wenigen Metern rechts für den gut markierten Weg zur Burgstelle Hochlandenberg zu verlassen ist. Auf der steilen Bergflanke gibt der lichte Laubwald immer wieder den Blick frei hinunter ins Tösstal.
Hinauf nach Hohenlandenberg
Das erste Zwischenziel, die Burgstelle, auch Hohenlandenberg genannt, ist über etliche Treppenstufen zu erklimmen. Von der Burg, die auf einem Hügel erbaut wurde, ist nichts mehr übriggeblieben.
Heute laden Tisch und Bank sowie weitere Sitzgelegenheiten und eine Feuerstelle zum Verweilen ein. Der letzte Besitzer, Beringer II, wurde der Räuberei und Falschmünzerei beschuldigt und 1344 schleiften die Untertanen des Herzogs von Österreich zusammen mit Stadtzürchern die Burg.
Einer seiner Nachfahren, Hugo der IV von Hochlandenberg, wurde zur Zeit der Reformation Bischof von Konstanz. Auf der Beschreibung zur Burg ist zu lesen, dass die Landenberger bis 1798 Gerichtsherren waren für Wila und Turbenthal. Daher führen die Wappen dieser beiden Gemeinden drei Ringe, die Symbole des mittelalterlichen Adelsgeschlechts.
Der Abstieg nach Vordereich ermöglicht nochmals eine Fernsicht bis weit über die Albiskette. Auf der Tüeleneggstrasse geht der markierte Weg weiter um den Hügel Ghönggwald herum.
Die Klause von Jakob Stutz
Manch überraschende Blume wie der gelbe Sonnenhut leuchtet am Waldweg und bunte Schmetterlinge naschen vom Nektarangebot. Im Weiler Manzenhub lohnt sich ein Halt im Restaurant Heubode.
Am Dorfbrunnen vorbei geht es dann steil hinauf bis zum Reservoir auf 813 Metern. Nun spendet der Wald wieder Schatten bis zum Waldrand oberhalb Matt, wo einst Jakob Stutz 14 Jahre in seiner Klause lebte, in der er das Buch «Sieben mal sieben Jahre aus meinem Leben» schrieb.
Die gelben Markierungen weisen nun auf den Wanderweg nach Sternenberg hin, der nun grösstenteils in der Nähe der Fahrstrasse liegt. Am Fusse des Schatzbööls lädt ein hölzerner Torbogen ein, den Hügel zugunsten einer beeindruckenden Rundsicht zu erklimmen. Was sich auf jeden Fall lohnt.
Von der Anhöhe lassen sich bei optimaler Fernsicht der Schwarzwald, die prächtige Alpenkette vom Pilatus bis zum Säntis und Gipfel im österreichischen Nachbarland erkennen.
Der Abstieg an der Sternwarte vorbei ist kurz und an der Strasse angekommen, biegt man sogleich rechts in die Zufahrt zum Gasthof und Seminarhotel Sunnebad ein. Die bezaubernde Gartenanlage mit Wasserspiel und Pavillon bietet ein angenehmes Ambiente für die Mittagsrast in Sternenberg.
Russischer Besuch in Sternenberg
1364 wird Sternenberg erstmals erwähnt in einem Urbarium des Klosters St. Gallen. Seit dem 19. Jahrhundert hat der Ort einen Grossteil seiner Einwohner verloren. Von einst 1430 Personen der damals höchstgelegenen Zürcher Gemeinde, ging die Einwohnerzahl im Jahre 2014 auf rund 360 zurück. P er 1. Januar 2015 fusionierte Sternenberg mit der Gemeinde Bauma.
Auch der Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn, Schriftsteller und Systemkritiker, lebte kurze Zeit in Sternenberg. Der russische Autor von «Archipel Gulag» wurde 1974 aus der Sowjetunion ausgewiesen und kam nach Zürich. Dort wurde er von vielen Journalisten belagert und der damalige Stadtpräsident Sigmund Widmer bot dem Verfolgten sein Ferienhaus in Sternenberg als Unterkunft an.
Das Buch «Archipel Gulag» beschreibt die «Säuberungen» unter Stalin, der mit seiner totalitären Diktatur eine klassenlose Gesellschaft errichten wollte. Diesem Vorhaben sind angeblich bis zu 10 Millionen Menschen zum Opfer gefallen.
Die Wanderung führt jetzt der Dorfstrasse entlang am Kirchlein vorbei ans andere Ende von Sternenberg. Alternativ kann man den Rundweg von der Kirche aus über Haberrüti wählen, deren Anhöhe eine zusätzliche Weitsicht Richtung Bodensee, Alpengipfel und Wallfahrtsort St. Iddaburg ermöglicht.
An der Wegkreuzung der Fahrstrasse nach Gfell und dem zuführenden Weg von der Haberrüti zweigt eine asphaltierte Zufahrt ab zum oberen Langfurriweg, der bequem entlang der Krete führt. Von hier aus geniesst man die Aussicht über die vielen Hügel des Tössberglandes, zum Beispeil Hörnli, Schnebelhorn und die Schneeberge Tödi, Glärnisch und so weiter.
Schauriger Schlossherr
Beim Weiler Höchstock zeigt der Wegweiser links hinunter zum Waldrand. Ein Feldweg führt zuerst über Wiesland und dann hinab auf schmalem stotzigen Weg ins Tobel zum sagenumwobenen Hagheerenloch. Diese Höhle ist 12 bis 15 Meter breit, rund 30 Meter tief und die Raumhöhe variiert zwischen 1,5 und 2,5 Meter. In diesem feuchten Unterschlupf sollen sich einst Wiedertäufer versteckt haben.
Schaurig ist die Sage, wonach einst ein armes Mädchen sich dort an einem Schatz bedienen wollte und dabei von einem Drachen verschlungen wurde. Der Begriff Hagherr bedeutet Gewaltherrscher oder Schlossherr. So könnte die Höhle auch als Gefängnis eines Burgherrn gedient haben.
Durch den schwach tropfenden Wasservorhang gelangt man leicht ins Innere und ist überrascht, dass man unmittelbar an einem seichten Teich steht. Die Handytaschenlampen erleuchten die Höhle nur schemenhaft. Es ist lehmig und glitschig und doch etwas unheimlich.
Der weitere Weg ist leicht abfallend und führt dem Seitenarm des Tobelbachs entlang. Beim Verlassen des Waldes unten im Tal folgt man rund 500 Meter der Tüfenbachstrasse. Wanderer werden in Hintertüfenbach mit einem besonderen Hinweis darauf aufmerksam gemacht, dass die Strasse nun nach links verlassen werden muss, um einen Umweg auf geteerter Strasse zu vermeiden.
Über die Fussgängerbrücke Richtung Seewadel gelangt man auf die linke Seite der Töss. Der nur für Wanderer zugelassene flache Uferweg bis zum Bahnhof Bauma bietet auf seinen noch etwa zwei Kilometern Sitzgelegenheiten und Zugänge zur Töss. (Edith Spörri, Seniorenwandergruppe Turbenthal)
Informationen zur Wanderung
Start: Tablat bei Wila
Ziel: Bauma
Wanderung:
Route: Tablat – Manzenhub – Sternenberg – Hagheerenloch – Bauma
Strecke: 14 km guter Wanderweg
Aufstiege: etwa 520 Meter
Abstiege: etwa 460 Meter
Wanderzeit: rund 5 Stunden
Öffentlicher Verkehr:
Hinreise: BUS 807 bis Tablat
Rückreise: SBB S 26 bis Turbenthal
Verpflegung:
Morgenkaffee im Café Bistro Ehriker Beck, Turbenthal
Mittagessen im Gasthof Sunnebad, Sternenberg
Die nächsten Wanderungen der Seniorenwandergruppe Turbenthal finden am Dienstag, 28. September 2021, und am Donnerstag, 30. September 2021, statt. Mit Erika Gysin und Fredi Wälti lernen wir in der Region Husemersee ein Flachmoor von nationaler Bedeutung kennen. Weitere Angaben unter www.senioren.clubdesk.com.

