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20 Ustermer starten einen Demokratie-Versuch

Entstehen in einer ausgelosten, bezahlten Teilnehmerrunde neue Ideen für den Klimaschutz? In Uster wird das getestet.

In einem Speed-Dating lernen sich die Teilnehmer des ersten Bürgerpanels näher kennen., Das Bürgerpanel soll Ideen für den Klimaschutz in Uster ausbrüten., Ob hier die Erleuchtung kommt? Im reformierten Ustermer Kirchgemeindehaus wird das Bürgerpanel lanciert. , Wo bin ich in Uster zuhause? Die Teilnehmer suchen ihre Position um eine imaginäre Mitte., Die 20 Teilnehmer wurden nach fünf Kriterien ausgesucht., Wie wird in Uster das Klima geschützt? Erste Resultate liegen vor., In Kleingruppen werden Ideen gesucht., Wofür steht schon wieder die Faust? In der Runde werden Handzeichen vereinbart., Das Bürgerpanel wird von Mitarbeiterinnen der Universität Zürich wissenschaftlich ausgewertet., Das vom Moderator erhoffte Wachstum des Blumenstrausses trat bis zum Mittag nicht ein.

Christian Brändli

20 Ustermer starten einen Demokratie-Versuch

Sie haben zwischen 393 und rund 29‘000 Nächte in Uster geschlafen und wohnen ganz nahe bei Usters gefühlter Mitte – dem Stadtpark – bis in die Peripherie hinaus in Riedikon oder Nänikon. Sie sind jene 20 ausgelosten Ustermerinnen und Ustermer, die herausfinden sollen, wie in der drittgrössten Zürcher Stadt das Klima geschützt, bewusst konsumiert und Abfall vermieden werden kann. Und dann sind sie auch alle ein wenig Versuchskaninchen. Denn sie gehören dem ersten Bürgerpanel an, das in der Deutschschweiz durchgeführt wird.

Kanton zahlt

Deshalb stehen sie alle unter besonderer Beobachtung. Zum Start des vier Tage dauernden Versuchs am Samstag ist das Zentrum für Demokratie der Universität Zürich, das dieses Projekt wissenschaftlich begleitet, gleich mit vier Vertretern präsent. Hinzu kommen zwei Moderatoren. Und auch die kantonale Direktion der Justiz und des Innern ist vertreten.    

Uster lost Teilnehmer fürs Bürgerpanel aus

23.06.2021

20 Interessierte diskutieren übers Klima

Wie soll die Stadt Uster ihre Klimaprobleme angehen? Beitrag in Merkliste speichern Wie Céline Colombo, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Generalsekretariats, erklärt, wirft der Kanton für dieses Panel 100‘000 Franken auf. « Für uns steht nicht die Frage nach dem Klimaschutz im Zentrum, sondern wir wollen vielmehr erfahren, ob sich ein solches Panel für Gemeinden lohnt, ob es einen Mehrwert aus dieser Partizipation gibt und was dieser Prozess aus den Leuten macht. » So gehe es auch darum zu sehen, ob die Teilnehmer als Multiplikatoren in ihren Kreisen wirken. Im nächsten Jahr will der Kanton auch in Winterthur und Thalwil solche Panels finanzieren.

Speed-Dating und ein Blick in die Augen

Am ersten Morgen werden die 20 Ustermerinnen und Ustermer zunächst willkommen geheissen « im Kreis der glücklichen Gewinner » und dann gleich auf Trab gehalten. In der langen Vorstellungsrunde müssen sie mal im Kreis parlieren, nach Wohnort oder Wohnsitzdauer oder Augenfarbe Aufstellung nehmen oder sich im Stil eines Speed-Datings in zwei Reihen ihrem Gegenüber offenbaren.  

Zehn Teilnehmer stellen sich in die « Freude » -Ecke, als nach den Gefühlen gefragt wird, mit denen sie zu diesem Versuch gekommen sind. « Ich freue mich darauf, andere Leute und Meinungen kennenzulernen » , meint Norbert. Zu den drei Skeptikern gehört Simon: « Ich kann mir schlecht vorstellen, was Konkretes aus dieser Runde herausschauen soll. » Und Ernst Ott, der sich als « Silberrücken » in der Gruppe sieht, meint: « Skepsis ist bei mir mehr eine Grundhaltung. »

Offen geben sich fünf. « Ich habe mir nicht viele Gedanken gemacht » , gesteht eine Dame und eine andere meint, dass sie zum Klimaschutz kritisch eingestellt sei, auch wenn sie schon in Spitzbergen oben mitgeholfen hat aufzuräumen. « Aber ich freue mich auch, dass ich überhaupt einmal zu meiner Meinung gefragt werde. » Zu den zwei « Anderes » gehört Kirsten « Kiri » Buttauer: « Ich habe einen grossen Latz, bin aber zu faul, um mich zu informieren. Und dann bin ich wütend über mich selbst, dass unser Kübelsack jeweils so rasch wieder voll ist. »  

Gleichrichtung oder andere Meinungen?

Nach dem grossen Palaver werden die Spielregeln für die vier Panel-Tage festgelegt. Dazu gehören auch Handzeichen, vom Daumen hoch über die Faust bis zur wackelnden Hand. Und aus der zum Thema kritischer eingestellten Ecke kommt noch eine Ergänzung zum Moderatorenvorschlag: Andere Meinungen solle man gelten lassen und nichts persönlich nehmen.

Die Moderatoren dagegen wünschen sich vor allem, dass jeder und jede erkenne, dass er in Sachen Klimaschutz auch selbst etwas machen könne. Und daher stellen sie auch gleich die ersten Aufgabe. Alle sollen sich doch fragen, wie man zum Klimaschutz stehe, welches die grossen Herausforderungen seien oder welche Anstösse und Lösungsvorschläge sie geben könnten. So wird in kleinen Gruppen über Plastikverpackungen, den Kleiderkauf, das Essverhalten, Informationsstellen und Elektrogeräte philosophiert.

Ein Bürgerbrief

Am Nachmittag dann hören die Teilnehmer neben Stadträtin Karin Fehr (Grüne) den Gewerbeverband Uster und den Klimastreik Züri Oberland an. Am Sonntag steht wieder ein volles Programm von 9 bis 18 Uhr an. Es referieren sieben Expertinnen und Experten, ehe am zweiten Wochenende die 20 Versuchskaninchen diskutieren und Ideen entwickeln sollen.

Das Ganze soll in einen Bürgerbrief münden, der an den Stadtrat gerichtet wird. Um den Durchhaltewillen zu stärken, winken jenen Teilnehmern, die die ganzen vier Tage absolvieren, je 600 Franken.

Bezahlt hier, gratis dort

Neben den Medien ist FDP-Vorstandsmitglied Martin Voegeli am Samstag der einzige, der das Angebot nutzt, sich selbst ein Bild des Geschehens zu machen. Er darf definitiv auch zu den Skeptikern gezählt werden. So kritisiert er, dass in diesem Panel die Fragestellung nicht offen formuliert sei, sondern alles in eine Richtung ziele. Es gehe nicht darum, ob das Klima geschützt werden müsse, sondern nur um das Wie. Zudem kann er dem Umstand nicht viel abgewinnen, dass hier mit Geld vom Staat die Auseinandersetzung mit politischen Fragen gefördert werde, während die Parteien ihre Arbeit für den Staat kostenlos machten.

Ob das Panel ein Erfolg wird, werde sich daran zeigen, ob dessen Arbeit in vier Jahren Spuren in Uster hinterlassen habe, meint eine Teilnehmerin. Und greift zum Kugelschreiber, um einige Gedanken aufs Papier zu bringen.  

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