Dass sich in der Schweiz viele Paare wieder trennen, zeigt sich mitunter an der hohen Scheidungsrate von über vierzig Prozent. Mit familiären Problemen hatte die Psychotherapeutin Denise Moser mit eigener Praxis in Schwerzenbach zu Zeiten von Pandemie und Lockdown noch häufiger zu tun als sonst. Einen wiederkehrenden Konflikt thematisiert sie in ihrem neuen Buch «Nicht meine Schuld».
Das Buch, das psychologische Lebenshilfe in eine Kindergeschichte verpackt, richtet sich gemäss Moser an Kinder und Erwachsene. Im Zentrum steht ein Persönlichkeitsmodell, das betroffenen Kindern dazu verhelfen soll, sich bei zerbrechenden Partnerschaften nicht schuldig zu fühlen und ihren inneren Frieden wiederzufinden.
Denise Moser, wie häufig sind Schuldgefühle bei Scheidungs- oder Trennungskindern ein Thema?
Denise Moser: Aus der Therapie kenne ich viele Kinder, die nach der Trennung der Eltern Schuldgefühle entwickeln. Oft fühlen sich Kinder für die familiäre Harmonie verantwortlich, geben sich selber die Schuld an Streitereien oder glauben, dass sie die Trennung durch störendes Verhalten beeinflusst hätten. Dazu kommen auch oft Loyalitätskonflikte gegenüber dem einen oder anderen Elternteil, was ebenfalls mit Schuldgefühlen verbunden ist.
Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
Viele Elternpaare sind in einem Trennungsprozess sehr stark mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, sprechen vielleicht weniger mit den Kindern und nehmen deren Gefühle zu wenig wahr. So suchen Kinder auf eigene Faust nach einer Erklärung für die Probleme und glauben, diese bei sich selbst zu finden.

