Während ich den Jungs ihr Morgenmüsli zubereite mit frischen Pflaumen aus unserem Garten (es hat trotz der unzähligen Frostnächte im Frühling reichlich am Baum), stöbern die beiden in den Tageszeitungen. «Mueti», fragt mich nun der eine, «hast du eine Hungersnot schon erlebt?» So alt sei ich nun auch wieder nicht, entgegne ich schmunzelnd. «Dann erleben wir wohl miteinander zum ersten Mal eine», ist sein trockenes Fazit.
Ich stelle ihnen die vollen Schalen auf den Tisch und gucke auf die aufgeschlagenen Seiten. Die Klimaerwärmung ist offenbar heute das grosse Thema. «Wir müssen uns keine Sorgen machen!», resümiert sein Bruder ironisch. «Politiker werden sich im November über mögliche Massnahmen zur Erhaltung unserer Erde beraten.»
Ich schildere ihnen die letzten Hungersjahre in der Schweiz, welche viele Opfer – unabhängig vom Status – forderte. Während der kleinen Eiszeit war die Schweiz durch viele Kriegswirren und Plünderungen bereits stark geschwächt. Die Jahre 1816 bis 1818 waren jedoch verheerend. 1816 folgte nach einem kalten schneereichen Winter ein frostiger Sommer.
Bis im Juni lag Schnee in tiefen Lagen. Die Wintersaat verfaulte, Frühjahrssaaten konnten nicht ausgebracht werden. Im Frühling darauf schmolzen die riesigen Schneemassen und führten zu Überschwemmungen. Auswandern in solcher Not war damals schon aktuell. So wie heute. Nur sind jetzt viel mehr Menschen unterwegs.
« Einer jedoch hat sich über die kühlen, nassen Sommertage gefreut. »

