Es gibt ein Lied von Toni Vescoli, das fast 50 Jahre alt ist – es ist genauso aktuell wie damals. Der Popstar aus dem Zürcher Oberland widmet sich da dem Thema Stadt-Land: «Si heisst Susann, wohnt uf em Land, uf eme Hof bi Wila umenand. Doch ire stinkts, si möcht i d Stadt. Si fänd's dött eifach schaurig glatt. Dänn uf em Land isch doch nüt Los. Dött i de Stadt, dött würt's dänn Grooss.»
Wir alle kennen die Fortsetzung und die Pointe der Geschichte – ein Hin und Her und man denkt etwas an den Hans-Dampf-Im-Schnäggeloch.
Das Lied passt bestens in die neueste Sommerferien-Aufregung: Der Ökonom Reiner Eichenberger hat vor einigen Wochen mit einer steilen These für Unruhe gesorgt: Die Städte, so meinte er, leben vom Land und würden sich ihren Luxuskonsum von der Landbevölkerung finanzieren lassen. Beweise blieb der Professor aber einmal mehr schuldig. Dafür hat der SVP-Präsident Marco Chiesa in seiner Rede zum 1. August die These aufgenommen.
Aus den Medien bläst ihm ein scharfer Wind entgegen. Das Fernsehen SRF, Die «Neue Zürcher Zeitung» und sogar der «Blick» widersprechen. «Es gibt den Graben, aber er ist deutlich kleiner, als aktuell diskutiert wird», sagt etwa der Politikwissenschaftler Urs Bieri. Die NZZ rechnet auf einer ganzen Zeitungsseite die ökonomischen Hintergründe auf.
«Ausgerechnet die ländlichen Hochburgen der SVP profitieren am meisten von den Transferzahlungen aus den reicheren Gemeinden.»

