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Wetzikon setzt auf Holz am Haus statt im Ofen

Verbauen und nicht verbrennen: So sieht der Wetziker Stadtrat die Zukunft des Rohstoffs aus den einheimischen Wäldern.

Stefan Burch (links) und der Hinwiler Christoph Grimm setzen sich für den Ausbau von Holzschnitzelheizungen ein., Im Forstrevier Hinwil-Wetzikon gibt es jährlich rund 9000 Kubikmeter Holz, das verarbeitet werden kann.

Tina Schöni

Wetzikon setzt auf Holz am Haus statt im Ofen

Er weibelt, wo er kann, für den Rohstoff Holz. Das verwundert nicht, schliesslich ist der Wetziker EVP-Gemeinderat Stefan Burch Förster des Reviers Hinwil-Wetzikon.

Vor einem Jahr lancierte er in Hinwil eine Petition mit dem Ziel, das Holz aus der Region verstärkt als Energieträger zu nutzen. Und im April dieses Jahres setzte er in Wetzikon mit einer Interpellation nach.

Viel Feuer, weniger Flamme

Mit seinem Vorstoss will er den Wetziker Stadtrat motivieren, mehr Projekte mit dem heimischen Rohstoff umzusetzen, von der Wärmeverbundanlage bis hin zum Holzbau. Von Burchs Feuer anstecken liessen sich nicht weniger als 26 Parlamentarierinnen und Parlamentarier – bei total 36 Gemeinderäten – , die die Interpellation mitunterzeichneten. 

« Die negativen Seiten der Holzenergie dürfen aber nicht ausgeklammert werden. »

Stadtrat Wetzikon

Etwas weniger Feuer und Flamme ist der Wetziker Stadtrat, wie sich nun in seiner Antwort zeigt. Vor allem wenn es um Verbrennen des Rohstoffs geht. Unbestritten seien die Vorteile der Holzenergie wie CO 2 -Neutralität und Erneuerbarkeit. Mit der Energieholznutzung aus der Region finde auch die Wertschöpfung statt und zudem könnten Arbeitsplätze geschaffen werden.

Dann folgt das grosse Aber: « Die negativen Seiten der Holzenergie dürfen aber nicht ausgeklammert werden. Holzheizungen, auch moderne, emittieren viel mehr Feinstaub als andere Feuerungen » , unterstreicht der Stadtrat.

Ungeeignet für Städte

Er folgt den Überlegungen der Umweltkommission, die SP-Stadtrat Pascal Bassu präsidiert. Der Anteil der Feinstaubemissionen aus den verhältnismässig wenigen Holzfeuerungen mache immerhin 16 Prozent der gesamten Feinstaubemissionen in der Schweiz aus.

« Aus lufthygienischer Sicht ist eine Nutzung von Holz für die Wärmebereitstellung in dicht bebauten Gebieten nicht zu empfehlen. »

Stadtrat Wetzikon

« Damit sind Holzfeuerungen mit Abstand die grösste Quelle für krebserregenden Feinstaub aus der Verbrennung. » Auch bei den Luftschadstoffen wie Stickoxiden, Kohlenmonoxid und flüchtigen organischen Verbindungen stünden Holzfeuerungen viel schlechter da als bei Öl- oder Gasfeuerungen.

Der Schluss ist für den Stadtrat deshalb klar: « Aus lufthygienischer Sicht ist eine Nutzung von Holz für die Wärmebereitstellung in dicht bebauten Gebieten nicht zu empfehlen. » In Frage kämen Holzheizungen eher in weniger dicht bebauten Gebieten. Aber auch dort seien Wärmeverbunde anzustreben, da insbesondere kleine Holzfeuerungen überproportional viele Schadstoffe ausstossen würden.

Beschränktes Potenzial

Ganz zuschlagen will der Stadtrat die Ofentüre aber nicht. Heute werden in Wetzikon bereits 8,8 Gigawattstunden Wärme aus Holz produziert. Das entspricht dem maximalen Ziel im Energieplan. Im Einsatz stehen auf Stadtgebiet 14 grössere Anlagen mit einer Leistung von über 70 Kilowatt sowie 120 kleinere Heizanlagen. Hinzu kommen noch rund 800 Cheminées und Zimmeröfen, welche aber nicht wirklich dem Heizen dienten.

Das zusätzliche Potenzial an Energieholz im Forstrevier Hinwil-Wetzikon wird auf 4 Gigawattstunden geschätzt. Das würde nach Angaben der Umweltkommission fürs Beheizung von rund 40 Mehrfamilienhäusern reichen. « Das lokale Potenzial an Energieholz ist also begrenzt. Eine moderate Steigerung der Nutzung ist aber sinnvoll » , hält der Stadtrat fest.

Dabei denkt er aber weniger an die städtischen Liegenschaften. Zwar müssen bis in zehn Jahren gleich in drei Schulanlagen, dem Stadthaus und auch im Alterswohnheim Am Wildbach die Heizungen ersetzt werden.

Diese möchte der Stadtrat dereinst lieber ans Kezo-Fernwärmenetz anschliessen, « sollte die Stimmbevölkerung dem Bauprojekt zustimmen » . Das würde die Wirtschaftlichkeit des Verbundes steigern und habe zudem auch Vorbildwirkung. So hofft Bassu, auch Private für die Kezo-Verbundlösung gewinnen zu können.

Holzeinsatz in der Industrie

Wenn Holz schon verfeuert werde, werde es zukünftig ohnehin weniger für die Wärmenutzung, als vielmehr für die sogenannte Prozessenergie genutzt. Dabei wird Wärmeengerie im Bereich von über 100 Grad für gewerbliche und industrielle Produktions- und Fertigungsverfahren genutzt. « Für den Ersatz von Öl und Erdgas im hohen Temperaturbereich ist Holz eine wichtige erneuerbare Alternative neben Biogas und erneuerbaren, synthetischen Gasen » , unterstreicht die Umweltkommission.

Von Kindergärten bis zum Werkhof

Das eigentliche Potenzial des natürlichen Rohstoffes sieht die Wetziker Exekutive aber woanders: « Der Stadtrat steht einer Verwendung von Holz am Bau sehr positiv gegenüber. » So werde etwa bereits der neue Werkhof in Medikon mit Holz gebaut.

Und in der Pipeline sei auch ein Projektierungskredit für die vier neuen Doppelkindergärten Goldbühl, Kempten, Baumgarten und Egg  in Holzmodulbauweise. Zu den Investitionen in der Höhe von 990‘000 Franken muss das Parlament nun noch ja sagen.

« Holz als Baustoff macht klimapolitisch Sinn. »

Stadtrat Wetzikon

Die Verwendung von Holz werde auch bei weiteren Projekten geprüft. Schliesslich werde die Frage nach einer Steigerung der Verwendung von Holz als Baustoff auch bei der Definition der neuen energiepolitischen Ziele diskutiert.

D och für den Stadtrat ist bereits jetzt klar: « Holz als Baustoff macht klimapolitisch Sinn, da das im Holz gebundene CO2 der Atmosphäre über lange Zeit entzogen wird. Am Ende der Lebensdauer kann Holz aus dem Bau energetisch genutzt werden, beispielsweise für die Bereitstellung von Prozessenergie. »

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