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Politik

«Ich fühle mich gesund, obwohl ich es nicht bin»

Nach einer siebenmonatigen Auszeit zur Behandlung seiner Krebserkrankung kehrt Rütis Gemeindepräsident Peter Luginbühl (FDP) heute ins Amt zurück. Im Interview spricht er offen über seine Krankheit und was sie mit ihm gemacht hat.

Peter Luginbühl, der 16. August 2021: Welche Bedeutung hat dieser Tag für Sie?
Eine grosse, schliesslich ist es der formelle Tag meiner Rückkehr in die Politik. All die Menschen, mit denen ich über die vielen Jahren im Amt zusammengearbeitet hatte, wieder in meinem Alltag zu haben – das ist schon sehr schön. Zumal ich viele von ihnen in den letzten sieben Monaten von einer neuen, sehr herzlichen Seite kennenlernen durfte.

Sind Sie vollständig geheilt?
Nein. Ich fühle mich gesund, obschon ich es nicht bin. Krebs ist nicht nur „gesund oder tot“. Es gibt einen grossen Zwischenbereich mit einer chronischen Komponente. Rein schulmedizinisch bin ich nicht gesund und ich werde es wohl auch nicht mehr werden. Das ist Fakt. Wenn ich aber die Naturheilmedizin einbeziehe, dann finde ich viele Beispiele von Menschen, die es schaffen, doch wieder gesund zu werden.

Sie lassen sich alternativ behandeln?
Ich habe eine Ärztin und zwei Ärzte, eine schul- und zwei naturheilmedizinische. Alle wissen genau, was die anderen machen. Das Vertrauen ist dabei absolut zentral. Es hat viele Leute irritiert, als ich ihnen erzählte, dass ich mich jeweils wie ein kleines Kind auf meine Chemotherapie freue. Ich selbst wusste dagegen, wie wichtig sie für mich ist. Wenn zum Schluss der Vorberatung alle Experten zusammen die passende Strategie beschliessen und mir diese glaubhaft erklären, dann gibt es keinen Grund zu zweifeln. Ich glaube, diese Einstellung hat dazu beigetragen, dass ich keine nennenswerten Nebenwirkungen erdulden musste und so auch meinen Beruf weiter ausüben konnte.

«Es hat viele Leute irritiert, als ich Ihnen erzählte, dass ich mich jeweils wie ein kleines Kind auf die Chemotherapie freue.»
Peter Luginbühl

Sie haben Ihr politisches Amt niedergelegt, Ihren Job aber weitergeführt. Warum haben Sie nicht vollständig ausgesetzt?
Ich arbeite sehr gern. Aber ich musste mich vorab fragen, wie ich die Energie richtig einsetze und wie ich auf unerwartete Situationen reagieren könnte. Ein Pensum kurzfristig zu reduzieren, Vakanzen abzudecken – all das ist in meiner Position bei der Bank möglich. Als Gemeindepräsident kann man dagegen nicht mal ein wenig da sein und mal nicht. Im Wissen, dass ich meine Projekte und die Verantwortung in die Hände meiner Stellvertreter Carmen Müller Fehlmann und Peter Weidinger legen kann, habe ich mich auf den Beruf fokussiert. Ich konnte einen klaren Schnitt machen.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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