Politik

«​​​​​​​Ich war schon vorher gut im Sausenlassen von Einladungen»​​​​​​​

In einer neuen Serie erzählen Menschen aus der Region, wie sich ihr Leben durch die Corona-Pandemie verändert hat. Heute mit Daniel Wüthrich, Radiomoderator aus Effretikon.

«​​​​​​​Ich war schon vorher gut im Sausenlassen von Einladungen»​​​​​​​

Sie beschäftigt uns schon seit eineinhalb Jahren und wird dies wohl auch noch eine Weile tun – die Corona-Pandemie. Während in den Sommermonaten Lockerungen für einen lang ersehnten Lichtblick sorgen, steigen die Fallzahlen wieder an. Bevor wir uns mit einer möglichen vierten Welle konfrontiert sehen, möchte die Redaktion von Züriost jedoch einen Moment innehalten und einen Rück- und Ausblick wagen.

Wie erleben Oberländerinnen und Oberländer die andauernde Ausnahmesituation? Wie bewältigen sie die Herausforderungen der Pandemie – beruflich und persönlich? Inspiriert von Max Frischs Fragebogen hat die Redaktion 10 Fragen zusammengestellt und Persönlichkeiten aus der Region damit konfrontiert. Heute mit Daniel Wüthrich, Radiomoderator aus Effretikon.

Wo hätten Sie, wenn Sie die Wahl gehabt hätten, die Pandemie am liebsten ausgesessen?
Daniel Wüthrich: Auf der Ferieninsel Maui! Jedoch gab es selten so ein Ereignis, das die ganze Welt beschäftigte, verängstigte und lahmlegte. Darum kam mir das Radio-Studio als weiterer Wahl-Ort sehr gelegen. Wir informierten die Hörerinnen und Hörer und versuchten den enormen Wissensdurst zu stillen. Und versuchen es übrigens immer noch.

Wenn Sie ehrlich mit sich selbst sind, nach Homeoffice-Pflicht und/oder Quarantäne: Wie sehr mögen Sie Ihre Wohnung noch?
Immer noch sehr. Ich bin gerne Zuhause. Aber sagen wir es mal so: Während dem Lockdown war ich froh um die Terrasse.

Gibt es eine Person in Ihrem Umfeld, bei der Arbeit oder in der Familie, die Sie während der Pandemie mit neuen Augen gesehen haben?
Mich bedrückte die Einsamkeit und Isolation der älteren Menschen. Auch dachte ich viel über die Pflegenden und Ärztinnen und Ärzte nach. Der Pflegenotstand war auch vor Corona schon prekär. Das Pflegepersonal leistete tagtäglich Überstunden. In der Schweiz sind über 10‘000 Stellen im Gesundheitswesen offen.

Was haben Sie in der Coronazeit über sich gelernt?
Wie gut die Entschleunigung dem Körper und Geist tut.

Welches Laster, das Sie sich in den letzten Monaten angeeignet haben, würden Sie nun am liebsten wieder loswerden?
Langweilige Antwort: Keines! Ich rauche nicht. Ich trinke nicht viel Alkohol. Ich treibe regelmässig Sport. Dies vor, während und auch nach Corona. 

Hat sich ihr Verhältnis zum Tod geändert? Wenn ja, wie?
Nein. Das Leben ist tödlich.

Wofür sind Sie besonders dankbar?
Für die 0.1 Prozent Chance in der Schweiz auf die Welt gekommen zu sein. Der Mensch kann sich nicht aussuchen, wo er geboren wird.

Welches Buch, das Sie während der Corona-Pandemie gelesen haben, würden Sie besonders weiter empfehlen und warum?
Ich bin soeben mit  « Ich hinter der Maske »  fertig geworden, die Autobiografie über Tyson Fury, den britischen Boxer und aktuellen Weltmeister im Schwergewicht.  Er beschreibt, wie er gegen Deontay Wilder, Wladimir Klitschko und gegen die Depression kämpfte.

Hand aufs Herz: Wie viele Einladungen haben Sie unter dem Vorwand der Selbstisolation sausen lassen?
Ich war schon vor der Pandemie gut im Sausenlassen von Einladungen.  

Die Welt ist buchstäblich still gestanden. Geht nun alles weiter wie zuvor? Wird die Entschleunigung, das Rückbesinnen auf Wichtiges, Bestand haben?
Nein. Der Mensch vergisst schnell und wird nach der Schweinegrippe, Vogelgrippe und Covid-19 weiterhin neue Erreger züchten. Wir sollten unsere Ernährung mal grundlegend überdenken. Müssen wir wirklich immer Fleisch auf dem Teller haben? Von wo nehmen wir ignoranten Menschen uns das Recht, Tiere derart auszubeuten?

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