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Stadt will Eltern bei den Kita-Kosten stärker unter die Arme greifen

Die Stadt Wetzikon gehört bei den Beiträgen an die externe Kinderbetreuung schweizweit zu den Schlusslichtern. Das soll sich nun ändern.

Wetziker Eltern sollen von der Stadt mehr Geld für die Betreuung von Kindern in Kitas - hier jene der GZO - erhalten.

Seraina Boner

Stadt will Eltern bei den Kita-Kosten stärker unter die Arme greifen

Die Kinderbetreuung in Kindertagesstätten geht in der Schweiz zünftig ins Geld. Am teuersten kommt sie Eltern in den Kantonen Bern, Zug und Zürich zu stehen. Da ist es wichtig, dass die Gemeinden die Plätze subventionieren. Ohne diese Unterstützung könnten sich selbst Eltern mit durchschnittlichem Einkommen die externe Kinderbetreuung gar nicht leisten. Wie eine aktuelle Studie der Credit Suisse zeigt, klafft die Spannweite der Kosten, die Eltern selbst zu tragen haben, sehr weit auseinander.

Durchgerechnet hat sie dies anhand einer Durchschnittfamilie: ein Paar mit zwei Kleinkinder von zwei und drei Jahren, die pro Woche je zwei Tage eine Kita besuchen. Das Modellpaar verdient bei einem gemeinsamen Arbeitspensum von 140 Prozent brutto 110‘000 Franken und verfügt über ein Vermögen von 100‘000 Franken. 

Gewaltige Spannweite

Diese Musterfamilie müsste in Wollerau (SZ) oder Mendrisio (TI) rund 4700 Franken zahlen. Im Median aller erhobenen Gemeinden – die eine Hälfte liegt darunter, die andere darüber – betragen die jährlichen Betreuungskosten gut 12’100 Franken.

« Unsere Stadt ziert das andere, unrühmliche Ende der Fahnenstange mit 24’200 Franken

Advije Delihasani, Gemeinderätin (SP)

Und Wetzikon? «Un sere Stadt ziert das andere, unrühmliche Ende der Fahnenstange mit 24’200 Franken » , kritisiert die SP-Gemeinderätin Advije Delihasani. « Das sind fünfmal mehr als in den günstigsten Gemeinden und immer noch das Doppelte des Medians » , rechnete sie an der letzten Parlamentssitzung vor.

Median als Massstab

Sie hat darum zusammen mit ihren anderen vier Fraktionskolleginnen und -kollegen eine Motion eingereicht. Darin verlangen sie, dass der Stadtrat einen Kredit für die familienergänzende Kinderbetreuung vorlegt. Dieser soll es ermöglichen, dass die Kosten für eine Durchschnittsfamilie maximal dem Median der Gemeinden entsprechen.

Es sei auch im Sinn der Wirtschaft, wenn möglichst viele Arbeitskräfte zur Verfügung stünden. « Wenn der Lohn aber praktisch für die Kita draufgeht, lohnt sich das Arbeiten schlicht nicht » , findet die SP-Politikerin. Wenn nicht beide Elternteile arbeiteten, generierten sie auch kein so grosses Einkommen und damit würden die Steuereinnahmen fehlen.

Kritik von Eltern

Der Stadtrat hat rasch auf die Motion reagiert und ist bereit, über die Bücher zu gehen. « Der Geschäftsbereich Bildung + Jugend hat in letzter Zeit festgestellt, dass Eltern ab und zu die Beitragszahlungen der Stadt Wetzikon im Vergleich zu anderen Gemeinden im Bezirk Hinwil oder im ganzen Kanton Zürich als eher tief bemängeln » , gesteht die Abteilung ein, der der FDP-Stadtrat Jürg Schuler vorsteht.

« Allenfalls gilt es in letzter Konsequenz dem Parlament einen Antrag zu stellen, den Stimmberechtigten eine Krediterhöhung zu beantragen. »

Stadtrat Wetzikon

Es sei angezeigt, das Angebot an familienergänzender Betreuung von Kindern im Vorschulalter (FEB) zu überprüfen. Dann wird der Stadtrat in seinem Beschluss vorsichtig und schreibt, um « allenfalls dann in letzter Konsequenz dem Parlament einen Antrag zu stellen, den Stimmberechtigten an der Urne eine Krediterhöhung für die Subventionierung der FEB zu beantragen. »

Bisher knapp eine halbe Million

Seit 2013 stehen jährlich 480‘000 Franken für die Finanzierung von Gemeindebeiträgen an Eltern zur Verfügung. « Dies reichte vorerst gut aus, um die fortan eintreffenden Unterstützungsanträge bearbeiten zu können » , hält der Stadtrat in seinem Bericht fest.

Er gesteht aber ein, dass sich mit der Zeit jedoch gezeigt habe, « dass die vorhandenen Ressourcen eher knapp bemessen waren » . Daher wurde eine Anpassung des Beitragsreglements vorgenommen. 2018 wurde die Verordnung für die Ausrichtung von Gemeindebeiträgen an die FEB-Kosten überarbeitet. Der Rahmenkredit blieb allerdings trotz der bereits zu Tage getretenen Finanzierungslücken auf der bisherigen Höhe.

Sechs private Anbieter

Zufrieden ist der Stadtrat mit der Organisation der FEB. Die Betreuung wird seit Beginn durch private Institutionen gewährleistet. Zurzeit hat die Stadt mit sechs privaten Betreuungseinrichtungen in Wetzikon Leistungsvereinbarungen abgeschlossen.

« Dieses Modell hat sich bis heute sehr bewährt. »

Stadtrat Wetzikon

« Dieses Modell hat sich bis heute sehr bewährt. Allerdings hat dabei die Stadt Wetzikon keinen Einfluss auf die Höhe der Betreuungsansätze » , hält der Stadtrat fest. Der Beitrag der Stadt bemesse sich alleine an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Familien. Nun wird sich zeigen, ob es hier Anpassungen bei den Kompetenzen geben wird.   

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