Gäbe es Fritz Fuhrer nicht, müsste man ihn für diesen Artikel erfinden. Der 59-jährige Landwirt aus dem Tösstal hat allen eine Erfahrung voraus, die das Jammern über diesen verregneten Sommer etwas relativiert. Er weiss, dass es auch in normalen Jahren im Kanton Zürich Orte gibt, die deutlich nasser sind als andere.
Dort, wo am allermeisten Wasser vom Himmel fällt, hat die Familie Fuhrer seit hundert Jahren ihren Hof: in Saland, einem Dorf nahe bei Bauma. Entscheidend ist aber, dass Fritz Fuhrer mehrere Jahre lang als Akkordholzer in Andelfingen im Weinland gearbeitet hat.
Grosse Unterschiede auf kleinem Raum
Dieser Arbeitsweg führte ihn, regentechnisch gesprochen, vom Norwegen ins Spanien des Kantons Zürich. «Das ist mir damals extrem aufgefallen», erzählt Fuhrer. «Da bin ich am Morgen im Regen abgefahren, bei Winterthur haben sich dann die Wolken gelichtet, und kaum war ich in Andelfingen, schien schon fast die Sonne. Die Leute waren dort den ganzen Tag auf den Feldern und haben gearbeitet. Als ich am Abend wieder nach Hause kam, sagten sie mir: Bei uns hat es den ganzen Tag geregnet.» Er lacht. «Das gibts doch nicht!»
Angesichts dessen, dass es von hier nach dort nur eine Dreiviertelstunde mit dem Auto ist, sind die Unterschiede punkto Regenmenge erstaunlich: In Bauma ist laut den Daten von Meteo Schweiz seit Ende der Neunziger im Schnitt jedes Jahr 70 Prozent mehr Wasser vom Himmel gekommen als in Andelfingen. In absoluten Zahlen waren es 1595 Millimeter Regen gegenüber 930 Millimeter – oder: dreieinhalb gut gefüllte Badewannen in Bauma gegenüber deren zwei in Andelfingen.

