Drei Platanen dürfen fallen
Es dürfte zwar noch zwei Jahre dauern, bis mit dem Bau des neuen Oberland Märts in Wetzikon begonnen wird. Doch die ersten Entscheide für die Umgestaltung des Eingangsbereichs hin zur Bahnhofstrasse sind jetzt gefallen. Sie betreffen die vier im kommunalen Natur- und Landschaftsschutzinventar als « sehr wertvoll » eingestuften Plantanen.
Neuer Platz ist geplant
Ganz so wertvoll sind die bis zu 13 Meter hohen Bäume offensichtlich doch nicht. Denn drei der vier Platanen können nun gefällt werden, wie der Wetziker Stadtrat entschieden hat. Sie stehen dem geplanten « grossen städtischen Platz » im Weg, der der Exekutive im Rahmen der Aufwertung des Zentrums von Oberwetzikon vorschwebt.
Dieser Platz soll nicht nur den Bereich zwischen Oberland Märt und Bahnhofstrasse umfassen, sondern auch den Leuenplatz vis-à-vis, wo jeweils der Wuchemärt stattfindet. Für die Neugestaltung des Oberland-Märt-Vorplatzes besteht zwischen der Stadt, der der Platz zum Grossteil gehört, und der Migros eine Planungsvereinbarung. Beide stimmen ihre Vorhaben aufeinander ab.
Dazu gehört, dass das Terrain angepasst werden soll. « Das Niveau des Erdgeschosses des Neubaus des Oberland Märts wird so abgesenkt, dass ein durchgängiger Platz ohne Absätze vom Haupteingang bis zur Bahnhofstrasse entsteht » , hält Migros-Sprecherin Silke Seichter fest.
Fremde Bäume mit tiefem Öko-Wert
Zum Verhängnis wird den Plantanen, dass sie hier nicht heimisch sind. Und damit sind sie aus ökologischer Sicht eben doch nicht so wertvoll. Sie schaffen es auf einem Index «Ökologischer Wert von Stadtbaumarten» mit dem Höchstwert von 5 auf gerade einmal 1,6. Keine berauschende Note.
«Der Baum hat nach dem Abbruch des Wartehäuschens ein sehr seltsames Erscheinungsbild.»
Baumgutachten
Und zudem haben die Experten noch einen weiteren Minuspunkt ausgemacht, der das Schicksal besiegelt: « Eine der Platanen wird von einem Buswartehäuschen bedrängt, was zu einem schiefen Wuchs geführt hat. » Dadurch werde der Baum nach dem geplanten Abbruch des Wartehäuschens « ein sehr seltsames Erscheinungsbild » abgeben, finden die Baumexperten. Mit der neuen Platzgestaltung soll auch die Bushaltestelle verschoben werden.
Lieber Ersatzpflanzungen
Die zwei Platanen beim Veloständer würden durch die Niveauanpassung zu tief unter die Erde kommen. « Bei einer Realisierung des geplanten Bauprojekts und der damit verbundenen Umgestaltung des Aussenraums ist der langfristige Erhalt der Bäume unrealistisch. Es bedürfte bedeutender Anpassungen am Projekt, ohne dass ein Erfolg für den Erhalt garantiert wäre. In Anbetracht dieser Umstände ist ein Erhalt unverhältnismässig. Die Kosten für den eingesparten Baumschutz sollten besser in die Qualität der Ersatzpflanzungen investiert werden » , lautet das Fazit im Baumgutachten.
Und genau das soll geschehen: So hat der Stadtrat entschieden, dass der Platz mit standortgerechten, ökologisch wertvollen Bäumen zu bepflanzen ist. Ihm schweben etwa Winter-Linden vor. Jene Baumart, die er vor kurzem an der Tödistrasse hinter dem heutigen Trompete-Komplex unter Schutz gestellt hat.
Schatten für ein Café
Immerhin eine der vier Platanen kann aber dank einer kleinen Projektanpassung erhalten werden. Das sei einerseits « für die städtebauliche Situation ein Gewinn » , findet die Umweltkommission, erlaube dies doch « beispielsweise, unter dem stattlichen Baum beschattete Sitzplätze für ein Café oder Restaurant zu schaffen » . Andererseits gehe die Stadt mit einem guten Beispiel voran, auch bei Neugestaltungen zu versuchen, wichtige Teile des Baumbestandes zu erhalten.
« Die Kosten für die Neugestaltung des Platzes werden von der Migros und der Stadt anteilig getragen. »
Silke Seichter, Migros-Sprecherin
« Die Kosten für die gesamte Neugestaltung des Platzes werden von der Migros Ostschweiz und der Stadt Wetzikon anteilig getragen » , erklärt Seichter. Doch die Migros will rund um den neuen Oberland Märt weitere Bäume und Plätze schaffen.
Grün um und auf dem Neubau
Vorgesehen ist etwa eine Gruppe von Platanen hinter dem Einkaufszentrum zur Überbauung Hirschwiesen hin. Am Ende der Pappelnstrasse sollen Baumgruppen mit mächtigen Linden und Ahornen « visuelle Ruhe in den Bereich der Anlieferung » bringen, wie die Migros auf ihrer Projektsseite schreibt.
Migros reicht Baugesuch für neuen Oberland Märt ein
17.12.2020

Grossverteiler plant 93 Wohnungen in Wetzikon
Oben wohnen, unten einkaufen: Die Migros will im Neubau des Oberland Märts in Wetzikon nicht nur Beitrag in Merkliste speichern Grün soll es auch auf dem neuen Gebäude werden. So ist ein grosser Dachgarten vorgesehen, den die Mieter der Wohnungen, die geplant sind, sowie auch die Zentrumsbesucher nutzen können. Der Garten soll « in seinem Charakter an das Bild einer Flussaue » erinnern. Das heisst Kies mit lockerem Bewuchs. Sogar heimische Kleinbäume wie Birken, Zitterpappeln und Weiden sind vorgesehen.
Bewilligung für Provisorium
Unter dem Vorbehalt von möglichen Rekursen sollte der Ende des letzten Jahres aufgestellte Fahrplan eingehalten werden können. Die Baubewilligung für das Provisorium auf der Färberwiese liegt laut Seichter nun vor, so dass im Frühling 2022 mit dessen Bau begonnen werden kann. Dies werde allerdings nur geschehen, wenn dann auch die Baubewilligung für den neuen Oberland Märt vorliege, wie die Migros-Sprecherin betont.
Im Frühling 2023 soll das Provisorium eröffnet werden und gleichzeitig der Baustart für den neuen Oberland Märt erfolgen. Dieser soll dann drei Jahre später, im Frühling 2026, eröffnet werden.
