«Ich habe mein ganzes Leben nie Vorhänge gehabt»
Gabriela Kasperski ist zurück in Mönchaltorf. Hier hat sie 16 Jahre gelebt, an diesem stürmischen Donnerstag ist sie hier für drei Lesungen in Schulkassen – und um ihr Auto in den Service zu geben. Ebendieses stellt sie nun auf dem Parkplatz der Seebadi Egg ab. Neben ihrem Lieblingsgaragisten gibt es auch ihre Lieblingsplätze, wie eben die Badi, die die Mönchaltorfer insgeheim als ihre sehen. «Hier bin zig Kilometer geschwommen.» Schwimme sie hier raus, so habe sie das Gefühl, allein in einer Wildnis zu sein. Im Zürichsee sei das anders, dort seien immer zig Gebäude um sie rum.
Der Greifensee bietet Schauplätze für ihre Bücher, aber auch eigene Erlebnisse projiziert sie in ihre Werke. So sei sie einst im Herbst rausgeschwommen, als plötzlich unmittelbar vor ihr im Nebel ein Ruderboot aufgetaucht sei. Diese Szene werde sie im nächsten Krimi «verbraten», der im Januar erscheine, sagt Kasperski. Und auf dem Buchcover von «Sicht Unsichtbar» ist der Steg der Seebadi abgebildet.
«Ich zieh nie an einen Ort, wo ‹Ochsen› und Volg das Zentrum bilden.»
Gabriela Kasperski, Buchautorin
Ein Dorf wie Mönchaltorf habe sie einst nicht gesucht. «Im Herzen bin ich eigentlich ein Stadtmensch.»
Noch ohne Mönchaltorfer Wohnsitz war sie früher als Theaterschauspielerin jahrelang im Oberland unterwegs und habe damals jede Mehrzweckhalle und Gasthofbühne kennengelernt. Mit der Zeit sei sie als Stadtzürcherin des dörflichen Charakters müde geworden. «Ich habe zu meinem Mann gesagt: Ich zieh nie an einen Ort, wo ‹Ochsen› und Volg das Zentrum bilden.» Doch 2002 zog sie dennoch nach Mönchaltorf, wo «Ochsen» und Volg im Zentrum standen.

