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Lindenallee wird vor Baustart unter Schutz gestellt

Bald soll es mit dem Grossprojekt Metropol losgehen. Doch der Umbau des maroden Wetziker Einkaufszentrums Trompete bedroht eine alte Baumreihe. Nun hat der Stadtrat gehandelt.

Seit Januar wird die Tödistrasse saniert. Um die Linden zu schützen, werden die Werkleitungen alle hangseitig verlegt., Die alten Winterlinden gelten als sehr wertvoll., Die Baugespanne für die Neubauten auf dem Trompete-Areal kommen den geschützen Bäumen sehr nahe., Ursprünglich reichte die Lindenallee auf der Tödistrasse bis hinunter zum heutigen Coop-Kreisel.

Christian Brändli

Lindenallee wird vor Baustart unter Schutz gestellt

Winterlinden werden nicht nur bis 30 Meter hoch und deren Stamm bis zu drei Meter dick, sie können in Ausnahmefällen über 1000 Jahre alt werden. « Die Linde kommt 300 Jahre – steht 300 Jahre und vergeht 300 Jahre » , lautet eine Weisheit unter Baumkennern.

Schon 1946 erkennbar

Wie alt die sieben grossen Exemplare sind, die in der elf Linden umfassenden Allee an der Wetziker Tödistrasse stehen, wissen auch die Fachleute nicht genau. Klar ist für sie aber, dass sie noch für eine lange Zeit erhalten bleiben sollen und dies aus eigener Kraft auch während mindestens 40 weiteren Jahren können.

Die Reihe ist bereits auf Luftbildern aus dem Jahr 1946 erkennbar. Damals war sie allerdings noch wesentlich länger und führte vom heutigen Anfangspunkt beim Jörg Schneider-Park bis zur Einfahrt des Parkhauses des heutigen Coop Supermarktes. Die Baumreihe ist damit nur noch etwa halb so lang wie die ursprüngliche. Aber wenigstens das soll sie auch bleiben – trotz Strassensanierung und dem Grossprojekt Metropol.

Das heutige, heruntergekommene Einkaufszentrum Trompete mit den aufgesetzten Mehrfamilienhäusern soll umgebaut und erweitert werden. Im Erdgeschoss sind mehrere Läden, im Untergeschoss eine Tiefgarage und in den oberen Geschossen Büro- und Wohnräume geplant.

« Wichtige sinnliche Erfahrungen »

Beim Beschreiben der alten Bäume kommen die Fachleute ins Schwärmen: « Die Baumreihe hat für das Quartier eine prägende ästhetische und strukturierende Wirkung. Blütenduft und Herbstfärbung sind wichtige sinnliche Erfahrungen, die viele Menschen als bereichernd erleben » , heisst es im Gutachten zur Schutzwürdigkeit.

Und weiter: « Zusammen mit der üppigen Randbegrünung des Jörg-Schneider-Parks auf der gegenüberliegenden Seite bildet die Allee über die Strasse einen einmaligen grünen Tunnel, der neben der grossen optischen Wirkung auch für Schatten und angenehmes Klima sorgt. Zudem übernimmt die Allee die Rolle einer natürlichen Strassenführung und hat im Stadtraum eine wichtige orientierende Funktion, gleichzeitig wirkt sie beruhigend auf den Verkehrsverlauf. »

7 alte entsprechen 240 jungen Bäumen

Doch die Allee wird nicht nur aus gestalterischer Sicht als sehr wertvoll angesehen. Auch ökologisch ist sie wichtig: « Vor allem die alten Bäume der Baumreihe weisen einen sehr hohen ökologischen Wert auf. Es sind viele verschiedene Mikrohabitate erkennbar, welche auf eine hohe Biodiversität schliessen lassen. »

Die sieben Altbäume mit Stammdurchmessern von 30 bis 70 Zentimetern erbringen laut den Fachleuten die Ökosystemleistung – also etwa bezüglich Feinstaubfilterung, Kühlung oder auch Stadtentwässerung – von 27 durchschnittlich grossen Bäumen. Um die gleiche Leistung zu erbringen, müssten 240 Jungbäume gepflanzt werden.

Die Lindenallee wurde im Jahr 2012 ins Natur- und Landschaftsinventar der Stadt Wetzikon als « sehr wertvoll » aufgenommen. Zudem wurde schon damals angemerkt, dass die Bäume unter Schutz gestellt werden sollten.

Werkleitungen verlegt

Genau das hat der Stadtrat nun gemacht, « aus eigenem Antrieb » , wie der Wetziker Tiefbauvorstand Pascal Bassu (SP) betont. Anstösse aus dem Quartier habe es keine gegeben. Zudem hat er für den Schutz bereits konkrete Massnahmen angeordnet, denn seit Januar und noch bis Mitte 2022 wird die Tödistrasse zwischen dem Coop-Kreisel und dem Weberweg erneuert. Dabei werden auch neue Leitungen gelegt.

Um das Potenzial der Linden nicht zu gefährden, werden alle Werkleitungen an den gegenüberliegenden Strassenrand verlegt. Gleichzeitig wird die Strasse leicht Richtung Park verschoben. Der Gehweg wird neu vor der Lindenallee geführt. « Während der ganzen Bauarbeiten schauen wir dafür, dass die Bäume nicht tangiert werden » , betont Bassu. Dafür werden auch spezielle Schutzgitter aufgestellt.

Nahe bei den Wurzeln

Die grössere Gefahr für die Allee machen die Fachleute aber beim geplanten Erweiterungsbau Metropol aus. Dieser kommt nämlich mit der jüngsten Projektänderung am Hang den Bäumen ziemlich nahe – « bis hart an den Wurzelraum » . Zudem soll die Zufahrt zum Komplex teilweise über die Tödistrasse erfolgen. Die geplante Ein- und Ausfahrt zu den Parkgeschossen führt exakt zwischen zwei inventarisierten Alleebäumen hindurch. Schliesslich befindet sich die Rangierfläche der Anlieferung im Baumkronenbereich der Linden.

« Einzelne Zufahrtsbereiche und insbesondere die Feuerwehrstellflächen reichen gemäss Baugesuchunterlagen bis in den Wurzelbereich der Baumreihe. Die Erstellung dieser Flächen bringen Grab-, Verdichtungs- und Belagsarbeiten mit sich, die im Wurzelbereich der Linden zu Schäden führen können » , hält der Stadtrat fest.

Jüngere Bäume dürfen gefällt werden

In ihrem jetzigen Schutz-Beschluss hält die Exekutive fest, dass die Bauherrschaft seit der ersten Baueingabe im Jahr 2012 wiederholt auf die Notwendigkeit zum Erhalt der inventarisierten Baumreihe aufmerksam gemacht und zu entsprechenden Abklärungen verpflichtet worden sei.

Einzig bei den vier jungen Alleebäume sieht der Stadtrat noch Spielraum. Diese seien bedeutend weniger wertvoll. Daher wird der Bauherrschaft zugestanden, dass sie diese fällen kann, sofern dies durch die Bauarbeiten zwingend erforderlich ist. Allerdings müssen dort nach Abschluss des Baus neue Winterlinden gepflanzt werden.

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