Letzte Chance für die Westtangente
Vor gut zwei Jahren informierten der Kanton und die Stadt Wetzikon letztmals offiziell über die Westtangente, die das Zentrum von Kempten und Oberwetzikon vom Verkehr entlasten soll. Schon damals war allerdings klar, dass es bei der Realisierung des letzten Stücks zwischen der Industriestrasse und der Anbindung an die Pfäffikerstrasse auf Höhe der Breitistrasse Probleme geben wird.
Gröbere Probleme, wie nun klar ist. Die damals vorgesehene Strassenführung liegt nämlich am südöstlichen Rand des bundesrechtlich geschützten Pfäffikerseegebiets. Und sie tangiert an zwei Stellen Gebiete, die im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) sind respektive als Moorlandschaft von nationaler Bedeutung gelten.
Schutzzone ist tabu
Nachdem die Politik und die Bevölkerung seither über das weitere Vorgehen im Unklaren gelassen worden sind, schafft die Antwort des Stadtrates auf eine Interpellation von Elmar Weilenmann (BDP) nun Klarheit: « Die Erkenntnisse aus den bisherigen Planungen zeigen, dass es keine zweckmässige Linienführung für die Westtangente gibt, ohne den Perimeter der Schutzzone zu tangieren oder starke Eingriffe in Privatgrundstücke vorzunehmen (Gebäudeabbruch) » , schreibt die Wetziker Exekutive.
Auch aus der erhofften Überprüfung und Anpassung des Schutzperimeters, die den Strassenbau doch noch möglich gemacht hätte, wird nichts. Das Bundesamt für Umwelt hat diesen Plänen eine Absage erteilt. Und das Bundesgericht hat in analogen Fällen schon mehrfach bestätigt, dass das nicht zulässig wäre. Und so kommt der Wetziker Stadtrat zum Schluss: « Die Realisierung der Westtangente muss folglich zwingend ausserhalb des bestehenden Schutzperimeters erfolgen. »
Rosinlistrasse unter der Lupe
Ist das überhaupt realistisch? « Ich kann nicht bestätigen, dass die Westtangente ‹ gestorben › ist » , lässt sich der Wetziker Tiefbauvorstand Pascal Bassu, (SP) zitieren. Dabei klammert er sich etwa an den Strohhalm Rosinlistrasse. Diese läge knapp ausserhalb der Schutzzone. Doch für den Ausbau zu einer Westtangente stehen noch einige Häuser im Weg. Und es ist mit Mehrkosten zu rechnen, für die auch die Stadt geradestehen müsste.
Laut Bassu hat das Amt für Mobilität in der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich mittlerweile die Grundlagen für mögliche Alternativlösungen erarbeitet. Nun gelte es, diese abschliessend zu beurteilen. « Bis im Herbst werden wir wissen, ob wir eine Alternativlösung haben » , hält der Tiefbauvorstand fest. Dann werde auch darüber informiert.
Verzögerungen wahrscheinlich
Möglich ist aber auch, dass dann das Projekt Westtangente abgeblasen wird. « Wichtig ist, dass wir jetzt mal weitermachen. Es gibt kein richtig oder falsch. » Auf jeden Fall umgesetzt würden die Massnahmen der Variante 0+.
Je nachdem, wie juristisch anfechtbar die im Herbst zu präsentierende Lösung sein wird, werde es zu Verzögerungen kommen. Gemäss dem ursprünglichen Plan sollte die Westtangente bis 2025 fertiggestellt sein. Damit rechnet Bassu aber auf Nachfrage kaum mehr: « Bei einem Rechtsstreit kann es auch 2030 werden. »
Artenreichtum dank Traxeinsatz
In seiner Interpellation zur Westtangente erkundigte sich Elmar Weilenmann (BDP) auch noch, was es eigentlich mit den Bodenarbeiten durch grosse Baumaschinen innerhalb des Moorschutzgebietes auf sich habe, die im letzten Sommer westlich der Bahnlinie Kempten-Pfäffikon vorgenommen worden seien. Dazu hält der Stadtrat fest, dass das Ziel jenes Projekts nicht etwa eine Terrainveränderung, sondern die Aufwertung des Schutzgebiets gewesen sei. So sei mit Genehmigung der Baudirektion der Oberboden abgetragen worden.
« Obwohl das Projektgebiet seit 20 Jahren extensiv bewirtschaftet wurde, war die Vegetation vor dem Eingriff wenig artenreich. Bewirtschaftungsmassnahmen reichten nicht aus, um in einem naturschutzfachlich nötigen Zeitraum einen mageren Standort zu schaffen, auf dem die gewünschten Zielarten gedeihen können » , schreibt der Stadtrat. Angrenzende Wiesen in diesem Naturschutzgebiet seien bereits früher aufgewertet worden und heute besonders artenreich.
Durch den Bodenabtrag und die Direktbegrünung werden Bedingungen geschaffen, welche für regionstypische, seltene und gefährdete Arten der wechselfeuchten bis wechseltrockenen und trockenen Magerwiesen beste Lebensraumbedingungen bieten. Dieses Vorgehen entspreche den Schutzzielen der Verordnung über den Schutz der Flachmoore von nationaler Bedeutung und decke sich auch mit den Zielen des Naturschutz-Gesamtkonzepts des Kantons.
