Im Zimmer der ersten Klasse projiziert ein Licht farbige Punkte an die Wand. «In einer Disco wird nicht geschrien», sagt die Lehrerin. Lipgloss. Musik von Shakira. Ekstase. Auch die Schülerinnen und Schüler der zweiten und dritten Klasse im Primarschulhaus Egg in Wetzikon tanzen zur gleichen Zeit in ihren Klassenzimmern. Über einen kleinen Laptop-Bildschirm können sich alle sehen.
Die Idee zu dieser halbvirtuellen Schul-Disco kam von den Schülern selbst. Es ist so etwas wie die neue Normalität. Alle tanzen eng vor der Kamera und ziehen Grimassen. «Du tanzisch komisch. Hesch du Corona?», fragt ein Meitli ihre Freundin.
Die Schule Egg in Wetzikon – das sind 6 Klassen, 2 Kindergärten, 170 Kinder und 21 Lehrpersonen. Das sind Argenta, Fabian und Hamza, so steht es auf den Schildern an der Garderobe. Und das sind eine Kette mit Jesus-Emblemen, ein Tupperware und ein Lederportemonnaie, die liegen geblieben sind und in einer Vitrine schmoren.
Neben dieser Vitrine klebt das laminierte Bild einer Sonne, darauf mit Filzstift geschrieben: «Klein aber oho», die Identität dieser Schule. Die Pandemie hat das «oho» im Schulhaus Egg leiser gemacht und die Sonne verdunkelt. Die Corona-Schutzmassnahmen haben diesem Beton-Holz-Klotz, in dem Menschen lernen, ein Stück weit das Leben ausgesaugt.

