Wer in Zürcher Gemeinden regiert, hat wenig damit zu tun, welche Partei die Bevölkerung wählt. Das zeigt eine Datenanalyse dieser Zeitung. Wir haben ausgewertet, wie Zürichs Lokalexekutiven – sprich Gemeinde- und Stadträte – zusammengesetzt sind. Das Ergebnis: wie ein Panettone – mit zusammengewürfelten Zutaten.
Das viele Mehl: die Parteilosen. Die kandierten Früchte: die FDP. Und dann sind da noch die Schokoladensplitter: die SVP. Aber der Reihe nach.
1. Parteilose übernehmen Macht
Niederweningen hat ein Mammutmuseum. Darin zu sehen: ein 2,5 Meter langer Stosszahn eines dieser längst ausgestorbenen Urzeitwesen. Ebenso ausgestorben im Dorf: die Parteien, wenigstens was die Exekutive anbelangt. Die politische Herkunft der vier Gemeinderäte: parteilos, parteilos, parteilos, parteilos sowie Gemeindepräsidentin Andrea Weber: parteilos.
«Ich bin seit 2006 Gemeindepräsidentin, zwischendurch hatten wir einen Kollegen von den Grünen und von der FDP, ansonsten waren immer alle parteilos», sagt Weber. Damit ist sie in guter Gesellschaft. Mehr als ein Drittel (35,8 Prozent) aller Exekutivmitglieder im Kanton sind parteilos. 20 Gemeinden werden komplett von Rätinnen und Räten ohne Parteibuch regiert. Niederweningen ist mit 3000 Einwohnern die grösste Gemeinde ohne politisch verortete Amtsträger. Generell gilt: Je kleiner eine Gemeinde, desto unwichtiger ist die Parteipolitik.

