Es ist wieder EM, wenn...
…die Autocorsos wieder um den Ustermer Nüsslikreisel kurven.
Der Schlusspfiff des Spiels ist gleichzeitig das Startsignal für die dritte Halbzeit. Fallen sich die Spieler jubelnd auf dem Feld in die Arme, kurven die Fans schon laut hupend und johlend durch die Städte. Ein Sieg gehört schliesslich ordentlich gefeiert. Besonders praktisch in diesem Jahr: Die Feiermethode ist absolut Corona-konform.
… Sie vor lauter Fahnen nicht mehr aus dem Auto schauen können.
An der EM wird Flagge gezeigt wie sonst nur am 1. August. Ob auf der Motorhaube, an den Rückspiegeln, auf der Heckscheibe oder ganz klassisch eingeklemmt in die Fenster: Manch ein Auto mutiert während des Fussballfestes zum Patriotismus-Vehikel. Wie frei der Blick auf die Strasse dabei bleibt, ist meist nur zweitrangig.
…im Büro jene Person das Tippspiel gewinnt, die am wenigsten Ahnung hat.
Während die Fussball-Fanatiker schon seit Wochen kein anderes Thema mehr als die anstehende EM kennen, erfährt der Fussball-Muffel nur durch Zufall, dass wieder ein grosses Turnier ansteht. Zum Tippspiel muss man ihn schon fast zwingen. Zu Beginn belächelt und die richtig getippten Resultate als reine Zufallstreffer abgetan, zeichnet sich je länger das Turnier dauert, der Sieg des Underdogs ab. Aber sind wir ehrlich: Nichts ist im Sport schöner als ein Überraschungssieger.
…Mami und Papi wieder mehr Panini-Bildli als die Kleinen tauschen.
Auspacken, tauschen und Listen mit fehlenden Nummern erstellen: Das Sammeln der Panini-Bilder gehört seit jeher bei vielen Kindern zum festen Bestandteil der grossen Fussballturniere. Ist mit dem ersten Päckli die Freude bei den Kleinen noch auf dem Höhepunkt, verfliegt der Elan meist nach kurzer Zeit und das zur Hälfte gefüllte Album würde schon vor dem Eröffnungsspiel in der Ecke landen. Wenn da nicht Mama und Papa wären. Ob aus Reue um das bereits ausgegebene Geld oder weil ihnen das Sammeln tatsächlich Spass macht, wird im Büro und mit den Vereinskolleginnen und –kollegen fleissig getauscht, bis das vollständige Album zufrieden ins Regal geschoben werden kann.
…am Morgen nach dem Nati-Spiel das Büro völlig verlassen ist.
Kopfschmerzen, ein Kratzen im Hals und ein leichtes Schwächegefühl. Da schrillen inzwischen bei jedem die Alarmglocken: Corona! Wahrscheinlich dürften aber eher das vierte Bier, das laute Anfeuern und die emotionale Achterbahnfahrt für den angeschlagenen Zustand verantwortlich sein. Ein klassischer Kater eben. Da wirkt das Homeoffice doch gleich noch etwas verlockender.
…der nervige Kollege Ihnen wieder sämtliche Spielzüge vom Vorabend erklären will.
Sind Sie jener EM-Muffel, der am Ende das Tippspiel gewinnt? Dann kennen Sie diese Situation bestimmt. Total euphorisiert (oder desillusioniert) werden Sie am Morgen nach dem Nati-Spiel bestürmt: «Dieser Spielzug war einfach grossartig!» «Hätte Shaqiri doch nur diesen Pass gespielt…» «Das Handspiel hast Du doch auch gesehen!?». Da hilft meistens nichts, ausser freundlich zu lächeln einen Schluck aus der Kaffeetasse zu nehmen – und sich an einem Gedanken festzuhalten: Auch diese EM geht irgendwann vorbei.

