Das Foto, das Guy Parmelin einen Platz in den Geschichtsbüchern sichert, wird um 13.20 Uhr geschossen. Da steht er, der frühere Weinbauer aus dem Waadtland, zwischen Joe Biden und Wladimir Putin – und begrüsst die Präsidenten von Amerika und Russland zu ihrem allerersten Gipfeltreffen überhaupt. «In Genf, der Stadt des Friedens», wie Parmelin vor der Weltöffentlichkeit erklärt.
Er wirkt in diesem Moment fast ein wenig wie ein gütiger Vater, der seine längst erwachsenen, aber zerstrittenen Kinder sanft dazu bewegen will, sich doch wieder zu vertragen. Neben Parmelin erkennt man jetzt auch, wie vergleichsweise klein Wladimir Putin im realen Leben eigentlich ist. Und selbst den gross gewachsenen Joe Biden überragt Parmelin noch um mehrere Zentimeter.
Zu diesem Zeitpunkt haben Parmelin und die Schweizer Diplomatie die erste Zitterpartie des Tages bereits glücklich überstanden. Denn eine der im Vorfeld absolut nicht planbaren Fragen lautete: Würde sich Putin für einmal an die Spielregeln halten? Oder würde er seinen Gesprächspartner wieder einmal extra warten lassen – wie schon so oft in der Vergangenheit?
Doch in der Schweiz, für ihre Pünktlichkeit bewundert und verspottet, erlaubt sich auch ein Putin keine Verspätung.
Guy Parmelins Kurt-Furgler-Moment

