Auf die Sicherheit und die Freiheit nach dem Piks freuen sich wohl alle, die sich impfen lassen. Auf den Nadelstich selbst wohl nur die allerwenigsten. Dabei leisten einige Behörden vollen Einsatz, um das Impfen selbst zu einem positiven Erlebnis zu machen: Im Kanton Solothurn gibt es gleich drei Impf-Drive-ins, die jeden Tag bis jeweils um 21 Uhr den Piks im eigenen Auto ermöglichen. Im Kanton Thurgau gab es gar ein Impfschiff – leider nur bis Ende Mai. Aber kein Grund zur Trauer. Auch andere Schweizer Kantone warten mit Räumlichkeiten auf, in denen die Impfung ein Ereignis ist.
Schloss Charlottenfels, Neuhausen – Impfen als grossbürgerliches Ereigni
Bienen stieben aus ihrem Häuschen am Wiesenhang. Das Sonnenlicht fällt durch die geöffneten Flügelfenster im grossbürgerlichen Salon, wo wir nach dem Piks noch für 15 Minuten beobachtet werden: So schön also kann das Impfen sein. Zumindest im Schloss Charlottenfels in Neuhausen am Rheinfall. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Landschloss vom Uhrmacher Heinrich Moser nach seiner Rückkehr aus Russland gebaut. Nun dient es dem Kanton Schaffhausen als Impfzentrum.
Ein Bijou mit Säulenkolonnade, Parkett und Jagdtrophäen an den Wänden. Dazu der Blick auf den Rhein. Im Mai war Alain Berset im Impfschloss zu Besuch, um ein paar schicke Fotos zu machen. Ein Besuch lohnt sich auch jetzt. Nur schon wegen der fröhlich gestimmten Ärztinnen im AHV-Alter, die mit robustem Sarkasmus das Impfbüchlein kommentieren – «Hui, gegen was Sie alles geimpft sind!» – und die einem Tipps für allfällige Nebenwirkungen nach der zweiten Impfung geben. ( Andreas Tobler)

