Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht
Es war eine Vorlage, deren Ausgang nicht ganz einfach abzuschätzen war: Der geplante Verkauf des Legats Rüegg in Hinwil. Nur so viel steht fest, sie war bereits im Vorfeld stark umstritten.
Dass etwas mit dem Legat, einem 4470 Quadratmeter grossen Grundstück, passieren muss, ist keine Frage. Auch, dass die Vorgabe nach einer gemeinnützigen Verwendung eingehalten werden muss. Der Gemeinderat hatte demnach gute Absichten, als er entschied, die Erbschaft Rüegg an die Wohnbaugenossenschaft Bachtel-Hinwil verkaufen zu wollen. Was das Feingefühl und die Kommunikation gegenüber der Bevölkerung angeht, haperte es jedoch – und das, obwohl die Hinwiler gebrannte Kinder sind in Bezug auf Abstimmungen rund um die Kemptnerstrasse 8.
Mehr Fingerspitzengefühl
Vor fünf Jahren wurde eine erste Abstimmung zum weiteren Verbleib des Grundstückes vom Bezirksrat vereitelt. Danach nahm der Gemeinderat einen zweiten Anlauf und unterrichtete die Bevölkerung im Dezember 2019 über den Plan, das Grundstück der WBG verkaufen zu wollen. Schon damals wurde Kritik am Umgang mit dem Legat laut. Die Befürchtung, den Wünschen der Erblasserin nicht gerecht zu werden, trug dem Gemeinderat den Vorwurf ein, respektlos vorzugehen.
Spätestens damals hätte die Exekutive merken müssen, wie viel Feingefühl in dieser ganzen Sache gefragt ist. Der Gemeinderat hätte realisieren müssen, dass die Bevölkerung gerne über jeden Schritt der Verkaufspläne informiert worden wäre. Er hätte umgehend erklären müssen, weshalb kein anderer Interessent als die WBG in Betracht gezogen wurde und der Verkaufspreis plötzlich um fast drei Millionen Franken gesunken ist – in Sachen Geld wird die Bevölkerung schnell hellhörig.
Mit dieser Erklärung hätte er nicht bis kurz vor der Abstimmung warten dürfen. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte sich ein Teil der Bevölkerung schon selber eine Erklärung gegeben, die sie zu einem Nein bewegte. Einmal eine Meinung gefasst, war sie nur schwer wieder davon abzubringen.
Ein Nein zum Vorgehen
Das Nein vom 13. Juni richtet sich nicht gegen die Idee, das Grundstück einer Genossenschaft zu überlassen, die seniorengerecht baut. Vielmehr ist es ein Nein zum gewählten Vorgehen und zur zurückhaltenden Kommunikation des Gemeinderats.
Der Ausgang der Abstimmung zeigt, dass die Hinwiler vorsichtig und eher skeptisch sind, wenn es um eine Erbschaft geht – eine Lektion, die der Gemeinderat für eine dritte Verkaufsabstimmung im Hinterkopf behalten sollte.

