«Es war ein Bild der Verwüstung»
Das heftige Gewitter, das am späten Montagnachmittag in der Region wütetet, sorgte für Erdrutsche und überflutete Strassen. Im Tösstal war vor allem das Steinenbachtal betroffen.
Die Feuerwehr Turbenthal-Wila-Wildberg war deshalb stark gefordert und im Dauereinsatz. «Und zwar von etwa halb sechs bis um Mitternacht», bestätigt Kommandant Christian Wullschleger. Insgesamt musste die Feuerwehr an 15 Orten helfen. Besonders betroffen waren das Steinenbachtal und Schmidrüti.
Noch nie erlebt
«Im Steinenbachtal kam mit Erdrutschen unheimlich viel Geröll und Schlamm zusammen», so Wullschleger. Dies sorgte dafür, dass die Strasse verschüttet und zahlreiche Keller überschwemmt wurden.
«Es war ein Bild der Verwüstung», sagt der Kommandant. So etwas habe er in seinen 15 Jahren bei der Feuerwehr noch nie erlebt. Mit Baggern und Pflügen versuchte die Feuerwehr, die Strasse wieder befahrbar zu machen und vom Schlamm und Wasser zu befreien.
Nachbarschaftshilfe funktioniere
Insgesamt standen am Montagabend rund 70 Angehörige der Feuerwehr Turbenthal-Wila-Wildberg (TWW) im Einsatz. «Ausserdem konnten wir auf die Unterstützung von rund 20 bis 30 Personen der Feuerwehr Bauma zählen und dafür sind wir natürlich sehr dankbar», betont Wullschleger. Die Nachbarschaftshilfe funktioniere.
Im Steinenbachtal vor Ort war am Montagabend auch der Wilemer Gemeindepräsident Hans-Peter Meier (SVP). Er spricht ebenfalls von diversen Hangrutschen und dass der neben der Strasse verlaufende Steinenbach «sehr hoch gekommen» sei.
In Hinterauli ist bei der Strasse gar ein Stück Asphalt abgebrochen, weshalb dort nun die Leitungen zum Vorschein kommen. Es handle sich um Elektrizitätsleitungen, sagt Meier, denen es aber auf den ersten Blick nichts gemacht habe.
Aufruf an Bevölkerung
Es gelte dort nun Einbahnverkehr, sagt der Gemeindepräsident weiter. Die Sanierung des entsprechenden Strassenstücks werde eingeleitet. Generell seien viele Wiesen voller Dreck und sähen «versaut» aus. Laut Meier startet die Gemeinde nun einen Aufruf an die Vereine und die Bevölkerung, um den Betroffenen beim Aufräumen zu helfen. «Ab sofort abends und am Samstag.»
Einigermassen glimpflich davongekommen ist laut Feuerwehrkommandant Beat Bosshard die Gemeinde Bauma. Nebst der Nachbarschaftshilfe musste die Feuerwehr Bauma unter anderem zum Bahnhof Saland ausrücken. Dort war die Strasse, die von der Tösstalstrasse auf Höhe der Kläranlage in Richtung Schalchen einlenkt, überschwemmt. Und zwar gleich bei der SBB-Unterführung.
Die Schächte vermochten das Wasser nicht mehr zu schlucken. Die Tösstalstrasse habe aber nicht gesperrt werden müssen, sagt Bosshard.
Keine gesperrte Strassen
Die Feuerwehr Zell hatte laut Kommandant Roman Siegenthaler sieben Einsätze parallel. Darunter überlaufene Bäche, verstopfte Schächte, vollgelaufene Keller und Räumungsarbeiten. Von etwa 17.30 bis 24 Uhr waren rund 20 Feuerwehrleute im Einsatz. Auf Gemeindegebiet hätten aber keine Strassen gesperrt werden müssen.
Grössere Räumungsarbeiten gab es jedoch auf dem Weg von Kollbrunn nach Brünggen. Und zwar auf der Brücke über den Bach. Gemäss dem Kommandanten war die Feuerwehr Zell dort aber nicht im Einsatz. Der Ort liegt zwar nahe bei Kollbrunn gehört aber zum Gemeindegebiet von Illnau-Effretikon.
Über 160 Einsätze
Siegenthaler fiel am Montagabend auf, dass das Gewitter mit Starkregen sehr lokal war. «Einige unserer Feuerwehrleute, die gerade in Winterthur waren, als sie den Einsatzaufruf auf dem Pager erhielten, fragten sich zuerst: «Was, Wasser?» Denn in Winterthur sei es zu diesem Zeitpunkt noch trocken gewesen.
Nicht nur im Tösstal auch im gesamten Kanton Zürich waren die Feuerwehren gefordert. Es kam zu über 160 Einsätzen. Dabei sorgten Erdrutsche für Probleme, zum Beispiel auf der Strasse zwischen Kemptthal und Illnau, was das Befahren in beide Richtungen verunmöglichte. Auch im Kanton Thurgau gingen in der Nacht rund 50 Meldungen wegen überfluteter Keller ein.
Wochenende bringt Sonne
Laut SRF Meteo sind in der Deutschschweiz in den letzten 48 Stunden beträchtliche Regenmengen gefallen – lokal bis zu 100 Millimeter Niederschlag. Vor allem in der Ostschweiz kam mit 40 bis 80 Millimeter Regen viel zusammen. Am meisten Regen gab es in Urnäsch (AR) mit 103 Millimeter innerhalb von 24 Stunden. Das entspricht rund der Hälfte des normalen Niederschlags im Juni.
Am Dienstag und Mittwoch präsentiere sich das Wetter weiterhin wechselhaft, zeitweise gibt es kräftige Regengüsse und lokale Gewitter. Ab Donnerstag wird zunehmend ein Hoch wetterbestimmend. Das Wochenende soll dann viel Sonne und sommerliche Temperaturen bringen. (Bettina Schnider / Rolf Hug)
